Verborgene Theken: Das Unicum im Türmle in Freiburg-Zähringen

Andreas Meinzer

Das Unicum im Türmle: Verborgen zwischen einer Tankstelle und einem Sportplatz und von außen recht unscheinbar, wartet das italienisch-deutsch-ungarische Gasthaus mit überraschend schönem Ambiente und gekonnter Küche auf.

Die Geschichte

Seit Mitte Juli 2018 betreibt das Ehepaar Andrea Kaposvari und Zoltan Nagy die Gaststätte Unicum im traditionsreichen Zähringer Türmle. Ursprünglich aus Ungarn kommend, waren sie jahrelang in Frankfurt gastronomisch tätig. Zuerst in der gehobenen italienischen Küche, dann bei verschiedenen Steakhäusern, bis sie sich in Freiburg selbständig machten.

Sie wussten nichts von einem Vorfall, der die Lokalität 2007 kurzzeitig in ein negatives Licht rückte: In besagtem Jahr war das Türmle unter dem alten Betreiber in die Schlagzeilen geraten, als in seinem Nebenraum ein überregionales Treffen von NPD-Kadern und Kameradschaftsnazis stattfinden sollte. Hiesige antifaschistische Gruppen verhinderten es jedoch am selben Abend. "Weg mit der Freiburger Nazikneipe!", titelte beispielsweise die Autonome Antifa Freiburg und auch die Badische Zeitung berichtete. Später stellte sich heraus, dass die NPD das Treffen dort heimlich organisiert hatte, ohne das Wissen des Wirts. "Auf gar keinen Fall", betonte der Wirt damals in einem Artikel in der Badischen Zeitung, werde er die Neonazis wieder in seine Kneipe lassen, sie hätten sich schlicht und einfach unter einem unverdächtigen Personennamen angemeldet.

Von diesem Image distanzieren sich die heutigen Betreiber und wünschen sich neues Publikum für das Unicum. Besonders Studenten und Familien sollen ins neue Türmle finden.

Das Ambiente

Viel Arbeit und Liebe haben Andrea und Zoltan in die Renovierung der Lokalität investiert, die sich in einem Haus aus der Zeit um 1900 befindet. Innen im Hauptraum ist es rustikal-gemütlich eingerichtet. Dunkles Holz, alte Krüge und dekorative Weinflaschen prägen neben frischen Blumen auf den Tischen und Pokalen über dem Bank-Tresen das Bild. Beste Stüble-Atmosphäre – da gehören auch die beiden Spielautomaten durchaus dazu. Der Nebenraum für größere (Fest-)Gesellschaften erstrahlt in neuem Glanz.

Im Unicum treffen sich Jung und Alt, Nachbarn und Auswärtige – ob der Stammtisch der Thermalbaddamen oder Fußballfans. Am Wochenende werden hier auch Spiele des SC Freiburg gezeigt.
Die neuen Pächter wollen ihr Schmuckstück noch erweitern. Es soll eine Kellerbar mit Bühne entstehen, nutzbar als Partyraum für geschlossene Gesellschaften oder als Ort, an dem sich Nachwuchskünstler und -bands präsentieren können. Dies soll besonders Studenten ansprechen. Im Winter sollen – da drinnen nicht mehr geraucht werden darf – die Raucher nicht in der Kälte stehen. Ein Zelt mit Heizpilz soll Wärme spenden.

Die Speisekarte

Neben verschiedenen Pizzen aus dem Steinbackofen und Pasta finden sich auf der Karte besonders Fischgerichte. Die Speisenauswahl auf dieser ist bewusst klein gehalten, dafür gibt es zahlreiche Fleisch- und Fischspezialitäten als Tagesangebot, um Frische zu garantieren. Die Margherita gibt’s für 6,50 Euro, Spaghetti ab 7 Euro. Andere Gerichte wie die gemischten Fischplatten oder das Rinderfilet bewegen sich preislich über 20 Euro.

Auch die hausgemachten Desserts überzeugen, vom warmen Schokoküchle mit flüssigem Kern bis zum beliebten Tiramisu. Das Unicum bietet auch zwischen 11 und 15 Uhr einen Mittagstisch an. Menü I mit Fleisch – zum Beispiel ungarisches Gulasch oder Braten –, Menü II vegetarisch, jeweils mit Salat oder Suppe für 10,50 Euro beziehungsweise 6,80 Euro. Es wird derzeit ein Bonuskartensystem getestet.

In den Herbstmonaten gibt es zusätzlich eine saisonale Karte mit Steinpilz-, Trüffel- und Kürbisgerichten (Kürbissuppe oder panierter Steinkürbis) sowie Wildspezialitäten. Für Gäste mit Laktose- oder Glutenintoleranz gibt es spezielle Angebote.

Die Getränke

Das Bier, das man in einem solch gemütlichen Stüble gerne genießt, ist Kronen-Pils aus Offenburg. Das kleine Blonde (0,3 l) kostet 2,40 Euro, die Halbe 3,50 Euro, Kaffee 2 Euro. Zudem werden insbesondere italienische Weine angeboten.

Der besondere Tropfen des Hauses ist der ungarische Kräuterlikör Unicum, von dem die Lokalität ihren neuen Namen hat. Ein gewisser Doktor Zwack entwickelte diesen geschmacklich zwischen Fernet Branca, Underberg und Jägermeister angesiedelten Magenbitter im Jahre 1790 aus über 40 Kräutern, um als Hofarzt die Magenschmerzen Joseph II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Erzherzog von Österreich, zu kurieren. Mit Erfolg, wie die Legende besagt. Nach der 40-prozentigen Behandlung soll er freudig ausgerufen haben: "Das ist ein Unicum!"

Öffnungs- und Küchenzeiten

Mo bis So, 11 bis 23 Uhr.

Warme Küche 11 bis 15 Uhr und 18 bis 23 Uhr.

Alle Gerichte auch zum Mitnehmen. Essen kann vorbestellt werden. Keine Lieferung.

Adresse und Anfahrt

Unicum im Türmle
Hinterkirchstraße 1
79108 Freiburg



Das Unicum liegt an der Zähringer Straße zwischen den beiden Straßenbahnhaltestellen Hornusstraße (Linie 2 und 4 Richtung Zähringen) und Tullastraße (Linie 4).

Mehr zum Thema: