Verborgene Theken: Das Rädle in Oberlinden

Theresa Steudel

Klein, frisch und möglichst badisch – im Feinkostladen Rädle in Oberlinden in Freiburg gibt es Besonderes und Einzigartiges aus dem Ländle, zum Mittagstisch oder für Zwischendurch zum Naschen.

Das Konzept

Erst naschen, dann kaufen: Wer im seit August eröffneten Rädle in Oberlinden lecker findet, was dort auf dem Teller landet, kann es zu Hause gleich nachkochen. Denn alle Produkte, die im Essen verarbeitet werden, gibt es im Laden auch zu kaufen. Von 50 hauptsächlich regionalen Lieferanten wird das Rädle mehrmals in der Woche beliefert. Darunter fünf Metzger wie die Fleischerei Kaltenbach aus Schallstadt oder Feißt aus Teningen, die Schokoladenmanufaktur Herget aus Emmendingen, die Ölmühle Oleofactum aus Offenburg oder das Obstparadies Staufen. Der nächste Schritt soll sein, auch das in Speisen und Desserts verarbeitete Gemüse und Obst im Laden zu verkaufen.

Das Besondere

Der Laden gehört sechs Gesellschaftern, darunter Uwe Wehrle, der Geschäftsführer des Rädle ist und dem auch der Degusto-Feinkostladen am Hauptbahnhof Freiburg gehört. Wehrle, der früher mal Zollbeamter war, dann Edeka-Kaufmann und sich 2002 mit dem Degusto selbstständig machte, will etwas gegen das "Elend der Lebensmittelindustrie" tun. Deshalb setzt er auf frische, nachhaltige Ware mit einem gewissen Etwas, auf Qualität statt Quantität. Für das Ergebnis muss man dann ein paar mehr Euro auf den Tisch legen, aber das ist es wert, findet Wehrle. Lieber als einen, der alles macht, hat er viele Partner, die ihm besondere und einzigartige Produkte liefern. Wie zum Beispiel Edy Ledig aus Ortenberg, der mit der Qualität der Gewürzmischungen im Großhandel nicht zufrieden war und kurzerhand eine eigene Gewürzmanufaktur gründete. In seinem Sortiment ist ein Pfeffer aus Laos, von dem weltweit jährlich weniger als 100 Kilogramm hergestellt werden.

Wehrle will Menschen finden, die zeigen, dass mit qualitativ hochwertigen Produkten Geld verdient werden kann. "Die Menschen, die das aus reiner Überzeugung machen und sich dafür die Zeit nehmen, die gibt es. Man muss sie nur finden. Und dann muss man sie fördern", sagt er. Deshalb lässt er für alle seine Zulieferer Postkarten anfertigen, die sich Ladenbesucher mitnehmen können und die über Produkte und die Menschen dahinter informieren. Ein bisschen mehr als 20 solcher Kärtchen hängen schon am Eingang.

Angebot und Preise

Auch beim Essen heißt es: Qualität statt Quantität. Die Portionen haben etwa Tapas-Stil, den Schwerpunkt will das Rädle auf badische Küche setzen. Essen wie bei Oma und Opa beschreibt es Filialchefin Karola Isele, die 24 Jahre lang das Restaurant Eichhalde leitete. Auf dem Mittagsmenü, das jeden Tag wechselt, stehen deshalb Speisen wie gefüllte Kalbsbrust oder gefüllter Schweinebauch, Spinat-Ricotta-Ravioli oder gemischter Braten mit Brotknödeln und Karotten-Sellerie-Gemüse (jeweils 7,50 Euro).

Wer dort nichts findet, kann sich einen Teller selber zusammenstellen und bezahlt nach Gewicht. In der Theke finden sich unter anderem Schäufelesülze für 30 Euro pro Kilo, das Paar Landjäger für 2 Euro, diverse Käsesorten wie Belchenkäse aus dem Münstertal für 21 Euro das Kilo. Oder Salate für 2,20 Euro pro 100 Gramm. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Kartoffel-, Rote Bete-, Ochsenmaul- oder Reissalat. Dazu gibt es Gerichte, die im Rädle selbst gekocht werden – zum Beispiel ein lockerer, leicht süßer Gemüseauflauf mit Spinat, Paprika, Mangold, Aubergine und Ei. Auch dessen Zutaten sind lokal eingekauft, beim Lindenbrunnenhof aus Forchheim.

Zu trinken gibt es unter anderem badische Weine und Säfte, Limonade, lose Teesorten, Kaffee sowie kostenloses Wasser. Auch Kuchen und andere Desserts werden angeboten.

Das Publikum

"Gemischt", sagen Isele und Wehrle. Es ist erst kurz nach 11 Uhr, noch ist im Laden nicht viel los. Immer mal wieder schauen ein paar neugierige Passanten vorbei, darunter auch einige junge Menschen. "Ich habe eine diebische Freude daran, dass auch viele junge Leute vorbeikommen", sagt Wehrle, der findet, dass vor allem diese gefordert sind, wenn es um ein Umdenken weg von billigen zu hochwertigen Lebensmitteln geht.

Das Ambiente

Jazziges Klaviergeklimper, weiß-grüne Kacheln auf dem Fußboden, lange Stehtische aus Holz. Bestellt wird über einen sogenannten "Fresszettel" statt mit einer Tischnummer, Sitzgelegenheiten gibt es nur wenige. An Stehtischen ist erstens mehr Platz und zweitens kommt man so auch mal mit dem Nachbarn ins Gespräch, sagt Wehrle.

Im hinteren Teil des Ladens, wo die verwendeten Produkte verkauft werden, kann man sich durch hohe, schwarze Regale stöbern und Küchenchef Carlo Riesterer bei der Arbeit in der kleinen, offenen Küche zuschauen. Riesterer hat bei Zehners Stube in Pfaffenweiler gelernt, ein mit Michelin-Stern ausgezeichnetes Restaurant.

Das Rädle ist in das sanierte Haus zum schwarzen Rad (daher der Name) eingezogen. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde auf einen massiven Balken im Keller gebaut, der circa sieben Meter tief in der Erde steckt. Im Keller ist noch das alte Oberlindenpflaster zu sehen, die Steinwände hinter der Theke sind noch die originalen Wände des Hauses.

Öffnungszeiten

Montag bis Samstag, 10 bis 18 Uhr

Tagesangebot von 12 bis 16 Uhr, davor und danach Angebote von der Theke, die aber auch aufgewärmt werden können

Adresse

Rädle Feine Kost

Oberlinden 17

Telefon: 0761/42993848
Disclaimer: Einer der sechs Gesellschafter des Rädle ist BZ-Verleger Christian Hodeige. Wir hätten auch über das Rädle berichtet, wenn dem nicht so wäre. Wir berichten generell über spannende, gastronomische Neueröffnungen in Freiburg.

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