Verborgene Theken: Das Café Pausenraum in Zähringen

Claudia Förster

Mitten im gutbürgerlichen Zähringen, wo sich gastronomische Erlebnisse sonst auf Bäckereien und schummrige Kneipen beschränken, versteckt sich ein Lokal, das man eher in Vauban vermuten würde: Das vegane Café Pausenraum.

Das Ambiente

Nicht viele Lokale laden so zum Verweilen ein wie das Café Pausenraum: Mit den vielen Kuscheldecken und Wiesenblumen, die durcheinander im Raum verteilt sind, fühlt man sich wie im heimischen Wohnzimmer. Beim Klang der Reibeisenstimme von AnnenMayKantereit lässt es sich bequem eine der angebotenen Zeitungen lesen oder mit Freunden quatschen. Auf dem Gang hängen Flyer für Artenvielfalt oder konsumkritische Gruppen. Abgewetzte Second-Hand-Möbel verschiedenster Stile bilden gemütliche Sitzgruppen: Hier ein Rokoko-Sofa, dort eine Paletten-Bank und nebendran Retro-Kinosessel.

Einzigartig: Unter dem großen Bambuspavillon im Außenbereich kann man zwischen Blumen und Bambusbüschen auf bunten Hängematten schwingen und seinen Kaffee eingekuschelt in weiche Leinenkissen genießen. Drinnen werden die Luftsessel nämlich von "Hängemattenglück" verkauft. Mit den Hängematten als Farbtupfer, den kreativen Dekorationen und den handgeschriebenen Schnörkelschildern versprüht der Pausenraum – auch "Hängemattencafé" genannt – einen so wohltuenden Gute-Laune-Charme, dass man am liebsten jeden Nachmittag hier verbringen würde.

Das Publikum

Größtenteils Zähringer, die die vegane Karte zu schätzen gelernt haben. Unter der Woche ist der Mittagstisch bei umliegenden Betrieben beliebt, am Wochenende kommen viele Ausflügler vorbei. Senioren bei Kaffee und Kuchen oder Studis mit Chai Lattes sind hier gleichermaßen anzutreffen. Besonders auffallend sind die vielen jungen Eltern, die mit ihren Kindern Kakao trinken und in den Hängematten spielen – die sind eben für alle Altersgruppen ein Blickfang.

Das Konzept

"Mit Soja-, Dinkel-Mandel-, Hafer-, Mandel-Reis- oder Kuhmilch?", wird man gefragt, wenn man im Pausenraum einen Kaffee bestellt. Viele Gäste sind dann perplex – einerseits über die vielen Milchvarianten, andererseits über das Wort "Kuhmilch". Das ist genau die Reaktion, die sich Lea Bartels und Wiebke Gerhardt wünschen. Beide jobbten neben ihrem Studium in der Gastronomie, hatten aber eigentlich andere Berufsziele – bis die Freundinnen eine Gelegenheit ergriffen, die Räume in Zähringen mieteten und das vegane Café eröffneten.

Kuhmilch ist das einzige nicht-vegane Produkt auf der Karte – weil viele Menschen nicht auf ihre normale Milch als Kaffeebegleiter verzichten wollen. Leute zum Veganismus zu bekehren oder forcieren, ist sowieso nicht das Ziel. Vielmehr wollen die Betreiberinnen sie zum Probieren veganer Alternativen anregen. "Wir wollen zeigen, dass veganes Essen nicht unbedingt Verzicht bedeutet– und dabei auch noch positive Auswirkungen für Umwelt, Mensch und Tier hat", sagt die 31-jährige Bartels.

In der hippen veganen Gastronomie gefeierte Trends wie Avocados oder Exotikfrüchte vermeiden sie allerdings, weil deren Anbau und Transport alles andere als ökologisch ist und ihrem Konzept widerspricht: "Vegan zu leben bringt ja nichts, wenn man Lebensmittel nicht gleichzeitig saisonal und regional kauft", erklärt Bartels. Deshalb gibt es im Pausenraum bis auf wenige Ausnahmen das, was die Felder der Breisgauer Biolandwirte gerade zu bieten haben. Kaffee, Cashews und Orangen, die nicht in Deutschland wachsen, stammen von kleinen Betrieben, die fair und transparent mit den lokalen Herstellern zusammenarbeiten.

Der Ökologie-Gedanke von Gerhardt und Bartels geht sogar über die Lebensmittel hinaus: Das Porzellan im Café ist ausnahmslos in Deutschland produziert worden, das Spülmittel für die Industriemaschine biozertifiziert und alle Möbel aus zweiter Hand – ein ganzheitliches und authentisches Konzept also.

Auf der Getränkekarte

Klassischer Kaffee, erfrischende Limo oder doch lieber einen Chai Latte mit Dinkel-Mandel-Milch? Zu den vielen Wachmachern, wie die Heißgetränke im Pausenraum betitelt werden, gibt es wie in allen wirklich guten Cafés kostenlos Wasser dazu. Geheimtipp für Probierlustige: Heiße Hafermilch mit Datteln, Zimt und Kardamon – perfekt für Herbsttage!

Auf der Speisekarte

Die Speisekarte ist klein, aber erlesen. Es gibt Nussecken, Kuchen und Cookies alias "Glücklichmacher", alle vegan und ohne glutenhaltige Mehle selbst gebacken. Ein Keks kostet 1,50 Euro, ein Stück Kuchen drei Euro. Besonders beliebt ist der Mousse-au-Chocolat-Kuchen.

Wer größeren Hunger hat, wird in der Kategorie Sattmacher fündig: Kartoffelwedges, Salat, Quiche und eine wechselnde Tagessuppe stehen auf dem Programm. Seit gut einem Jahr gibt es außerdem den Mittagstisch: Ein frisch gekochtes veganes Gericht samt Salat oder Suppe für 8,50 Euro. Der vegane Brunch am letzten Sonntag im Monat und der Burgersamstag am vorhergehenden Samstag sind laut Pausenraum-Team ein Muss: Hier lässt der Koch seiner Kreativität freien Lauf und backt nicht nur die Brötchen selbst, sondern stellt auch würzige Burgerpattys selbst her und zaubert aus dem Gemüse der Saison leckere Brotaufstriche. Unbedingt reservieren!

Adresse & Telefonnummer

Café Pausenraum
Burgdorfer Weg 19
79108 Freiburg



Telefon: 0761/51690645

Mail: team@pausenraum-freiburg.de

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr
Samstag 12-18 Uhr
Sonntag und Feiertag 10-18 Uhr

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