Verborgene Theken: Das afghanische Restaurant Magellan in Betzenhausen

Christina Braun

Das Magellan in der Sundgauallee serviert typische afghanische Küche auf zeitgemäße Art. Auf dem Teller und im Glas kommen Ursprüngliches und Modernes zusammen: etwa in der Eigenkreation Hugo Orientale.

Betreiber

Nazari Jamal Naser stammt aus Kabul und ist mit 19 Jahren nach Freiburg gekommen. Seit Juli 2015 betreibt er zusammen mit seiner Familie das Magellan in der Sundgauallee. Die Gastronomie war für den gelernten Laboranten schon immer eine Leidenschaft und liegt in der Familie.

Naser hat sich afghanische Gastfreundschaft und Herzlichkeit auf die Fahne geschrieben. Er möchte seinen Gästen aber auch zeigen, wie Afghanistan wirklich ist: "Wenn die Leute an Afghanistan denken, ist das Erste, was ihnen in den Kopf kommt Krieg. Aber die Menschen dort sind trotzdem lebensfroh – und diese Lebensfreude möchten wir hier zum Ausdruck bringen."

Dass es Naser um mehr geht, als nur darum afghanische Spezialitäten zu servieren, zeigt schon eine Blick durch den Raum: An den Wänden Fotos von afghanischen Kindern, kleine kunstvoll gefertigte Stickereien und versteckt hinter einer Sitzecke hängt ein politische Karte Afghanistans, die erklärt wer gerade wo herrscht.

All die kleinen Details, die das Restaurant ausmachen haben für Naser eine ganz besondere Bedeutung: Der Betreiber des Magellan engagiert sich in der Deutsch-Afghanischen Initiative, einem Verein der verschiedene Hilfsprojekte in seinem Heimatland organisiert. Die farbenfrohen Stickereien, die die Wände seines Restaurants schmücken, kommen aus eben einem dieser Projekte: Frauen in einem Dorf nahe Kabul sticken kunstvolle Motive, um ein wenig Geld verdienen zu können.

Speisen und Getränke

Der Klassiker auf der Karte ist das afghanische Festtagsgericht Kabuli Palau: Das ist Lammfleisch mit gebratenen Auberginen in Tomatensoße und Reis, der mit einer speziellen Gewürzmischung aus Kardamom, Zimt, Nelken, Pfeffer und Koriander zubereitet und mit geschmorten Karotten, Mandeln, Pistazien und Rosinen serviert wird.

Typisch Afghanisch ist auch Dogh. Der salzige Joghurtdrink erinnert an Ayran, ist aber noch mit Gurke und frischer Minze verfeinert. Das ist gerade im Sommer eine tolle Erfrischung. Gern getrunken wird auch der aromatisch duftende Chai, ein Schwarztee mit Kardamom und Zucker.

Eine Spezialität sind die hausgemachten Teigtaschen, die in verschiedenen Varianten auf der Karte stehen. Dafür wird ein Teig aus Mehl, Wasser, Salz und Hefe hauchdünn ausgerollt und geviertelt. Dann kommt eine Füllung aus Gemüse oder Fleisch dazu, bevor die kleinen Teigpakete zu Dreiecken oder runden, kleinen Päckchen geformt werden.

Die Teigtaschen gibt es gedämpft, in Wasser gekocht, gebraten oder frittiert. Auf der Karte sind die leckeren Täschchen dann zum Beispiel als Bolani zu finden. Bolani ist die gebratene Variante mit einer Füllung aus Lauch, Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Kartoffeln dazu wird Dahl gereicht, gestampfte gelbe Linsen mit geröstetem Knoblauch und Ingwer. Der Teig für das herzhafte Gebäck wird im Magellan jeden Morgen frisch zubereitet. Auch die Gewürze, die die Speisen so herrlich aromatisch machen, mischt Nazan selbst.

Ambiente

Von außen fällt das Restaurant kaum auf, sobald man aber den Raum betritt, spürt man den Orient: Rote und gelbe Lampen tauchen den Raum in warmes Licht. Unter den Füßen dunkelrote Teppiche, im Ohr der Klang traditioneller afghanischer Musik mit Trommelschlägen und melancholischem Gesang.

Aber das Magellan hat auch eine moderne Seite. Der Tresen ist hell beleuchtet, im Hintergrund steht eine große Auswahl an Likören und Schnaps. Die Tapete ist mit einem trendigen Muster bedruckt, die Stühle sind mit schwarzem Leder bezogen und die Tische aus hellem Holz. Dazwischen immer wieder kleine Details, Stickereien, Kissen, kleine Teppiche auf den Tischen. Das Motto: Schlichte Sitzgarnitur trifft auf detailreiches afghanisches Kunsthandwerk.

Es sind gerade diese kunstvollen Details aus Nasers Heimatland, die eine Brücke zwischen Neuem und Altem schlagen: Hier eine kleine afghanische Handtrommel, dort eine Sammlung kunstvoll verzierter Teekannen. Auf dem Tresen steht eine große Schale mit verschiedenen Gewürzen, daneben getrocknete Rosenblätter.

Besonders schön: Das kleine Separee, das mit der gemütlichen Sitzecke und dem niedrigen Holztisch an ein typisch afghanisches Café erinnert: Man sitzt bequem auf Teppichen zwischen gemusterten Kissen, die aus den verschiedensten Regionen Afghanistans stammen. An den Wänden hängt ein Foto, das fröhliche afghanische Kindergesichter zeigt, daneben ein buntes Gemälde mit verschlungenen Linien und Mustern. Der kleine Raum bietet Platz für bis zu zwölf Personen.

Das Besondere

Das afghanische Restaurant ist nach dem portugiesischen Weltumsegler Ferdinand Magellan benannt, der im 16. Jahrhundert neue Länder und Kulturen erkundete. Das kommt nicht von Ungefähr: Ganz im Sinne Magellans will sich auch das Restaurant offen, vielfältig, modern und trotzdem noch traditionell präsentieren. Dem Betreiber Nasazri Jamal Naser ist es wichtig Neues und Altes zu verbinden. Deshalb werden traditionelle afghanische Speisen auch in neuen Variationen serviert. Es gibt zum Beispiel Panna Cotta orientalischer Art mit Kardamom und Orangenschale. Zu diesem Konzept gehört aber auch ein großes Angebot an vegetarischen und veganen Speisen. Im Magellan kommt zum Beispiel das beliebte Fleischgericht Kabuli Palau auch als fleischfreie Variante auf den Tisch.

Nicht nur auf dem Teller kommen Modernes und Ursprüngliches zusammen, auch die Getränkekarte zeigt: Trendgetränk und Tradition lassen sich ganz einfach vereinen, zum Beispiel im Hugo Orientale, einer Erfindung des Hauses. Zu der bekannten Hugo-Mischung aus Prosecco, Minze und Limette kommen noch der typisch afghanische Granatapfelsirup und Hibiskuseistee.

Wegbeschreibung

Vom Bahnhof über die blaue Brücke, am Stühlingerpark vorbei und dann immer der Sundgauallee folgen. Oder: Mit der Straßenbahn bis zur Haltestelle Betzenhauser Torplatz. Das Magellan liegt direkt gegenüber.
Was: Magellan – Afghanisches Restaurant
Wo: Sundgauallee 110, Freiburg
Öffnungszeiten: Täglich von 11.30 bis 23.30 Uhr