Verborgene Theken: Caffè Bicicletta in der Wiehre

Manuel Lorenz

Der Slogan "Mehr als nur ein Stehcafé" stimmt in diesem Fall wirklich: Im Caffè Bicicletta in der Wiehre verkaufen Martin Allmendinger und Hansjörg Schiffelholz nämlich nicht nur italienische Kaffeespezialitäten aus einer Faema E61, sondern auch italienische Rennräder der Edelmarken Ciöcc und Cinelli. Zu Besuch in Freiburgs erstem Rennradcafé:



Der Laden

Vor zweieinhalb Jahren kamen die Fahrradkuriere Martin Allmendinger, 43, und Hansjörg Schiffelholz, 40, zur Erkenntnis, dass in Freiburg sowohl in Sachen Kaffeekultur als auch was italienische Rennräder betrifft, noch Luft nach oben ist. Als Konsequenz dieser Erkenntnis beschlossen sie, ein Café zu betreiben, in dem sie italienische Rennräder verkaufen - und so eröffneten sie im Juni 2013 pünktlich zum Brombergstraßenfest in der Brombergstraße 17 das Caffè Bicicletta.

Zuvor beherbergte die schlauchförmige Räumlichkeit den Schreibwarenladen "Die Grüne Giraffe", der im April schließen musste. Daher rühren auch die pastellfarbenen, mit Ornamenten und Blumen versehenen Tapeten an der Decke. Und der eindrucksvolle Kristallleuchter in der - jetzt - so genannten Werkstatt hinten links.

Ansonsten ist das Café eher schlicht gehalten. Ein langer Tresen, vier Stehtische mit Barhockern, italienische Rennräder - im Schaufenster, an den Wänden -, Fahrradtrikots aus den 50ern und 60ern, ein Kühlschrank mit Erfrischungsgetränken und das Schmuckstück des Ladens: eine Faema E61 - eine Espressomaschine also mit dem Charme eines Alfa Romeo Spider.  

Die Besitzer



Eigentlich sind Martin Allmendinger (auf dem Foto oben rechts) und Hansjörg Schiffelholz Fahrradkuriere. Seit fünf Jahren betreiben sie gemeinsam den Fahrradkurierdienst Radsfatz. Nach acht Jahren auf dem Sattel und zwei Bandscheibenvorfällen kann Allmendinger das aber nicht mehr stemmen. "Eines morgens hab' ich nicht mal mehr meine Schuhe zugekriegt." Die Konsequenz: Er kümmert sich jetzt ums Rennradcafé, Schiffelholz um die Kuriergeschichten. 

Sein Kaffeewissen hat sich Allmendinger im Internet angeeignet - das theoretische. Das praktische hat ihm ein italienischer Baristameister beigebracht. "Das ist dort ein richtiger Ausbildungsberuf", schwärmt Allmendinger. "Wie bei uns Automechaniker oder Friseur." Den richtigen Mahlgrad der Kaffeebohnen bekomme man genauso schnell hin wie das Tampern, also das Andrücken des Kaffeemehls ins Brühsieb. Schwierig sei vor allem das Milchschäumen. Das hat Allmendinger eine Woche vor der Eröffnung des Cafés intensiv geübt: Der ganze Tresen stand voller Cappuccini.   "Viele Leute glauben, Kaffee muss wehtun", sagt Allmendinger. Sein Ziel ist es, diese Leute von ihrem Glauben abzubringen.

Das Publikum

"Ich will kein Szenecafé", sagt Martin Allmendinger. "Was machst du sonst, wenn die Szene weiterzieht?" In seinen Laden kommt vom 7-jährigen Jungen bis zur 70-jährigen Oma jeder. Er profitiert aber auch von den Agenturen und Firmen in der Nachbarschaft: den Grafikern, Werbern und Architekten. Aber auch Kaffee-Nerds schauen vorbei, die seit 15 Jahren eine Siebträgermaschine zuhause rumstehen haben, sich mit Allmendinger über Kaffeesorten, Röstungsgrade und Milchschaum unterhalten - und darüber, wie unvergleichlich gut der Kaffee im Sehnsuchtsland Italien schmeckt.

"Mach mir mal einen mit 25 Sekunden!", "Was hasch? Acht oder neun Gramm?" und "In Freiburg rinnt nur Scheiße raus. Und dafür wird dann 2 Euro verlangt."

Der Kaffee



Allmendingers Kaffee kommt aus der kleinen Ortschaft Assago bei Mailand. Er trägt den unitalienischen Namen "Hardy" und wird in einem kleinen Familienbetrieb hergestellt. "In Italien ist das mit den Röstereien so wie bei uns mit den Brauereien", sagt Allmendinger. "Jedes Kaff hat seine eigene." Aufmerksam geworden war er auf jenen Kaffee, als er ihn im Urlaub in einem Restaurant am Comer See serviert bekommen hatte. Ihm hatten die Tassen gefallen - und natürlich der Geschmack.

Die Faema E61 ist extra so herum aufgestellt, dass der Kunde Allmendinger bei der (Hand-)Arbeit zuschauen kann. Er mahlt die Bohnen, tampert das Mehl, lässt Wasser aus der Maschine raus und hängt das Brühsieb ein. Maximal 92 Grad darf das Wasser haben, sonst verbrennt der Kaffee. Während der Prozedur entsteht viel Lärm. Es rasselt, hämmert, zischt und surrt. Und klirrt, wenn die Espressotasse auf die Untertasse gestellt und ein Löffelchen dazu gelegt wird.

Den Milchschaum macht er mit 3,8-prozentiger Bio-Vollmilch. Alles andere sei für ihn ein K.o.-Kriterium. Wer laktosefreie oder Sojamilch will, bekommt diese auf Nachfrage ebenso.

Die Karte

Außer Kaffeespezialitäten gibt es im Caffè Bicicletta auch Bauerneis aus Dietenbach (sieben Sorten, darunter Vanille, Stracciatella und Schokolade; 1 Euro), aus dem Allmendinger im Sommer "Affogato" macht, also kleine Eiskugeln, die mit Espresso übergossen werden (2 Euro). Im Winter will er Marochino anbieten - im Grunde Espresso mit Kakao.

Da sein Laden zwischen einer Bäckerei und einem Metzger liegt, bietet er keine aufwendigen Speisen an. Dafür dürfen seine Kunden ihr Essen selbst mitbringen, was aber noch nicht so ganz verstanden wird. Fürs Frühstück oder den kleinen Hunger zwischendurch nimmt er jeden Morgen aus der St. Georgener Bäckerei Hess, in deren Nähe er wohnt, Croissants mit - normale (1,20 Euro) und Schoko (1,50 Euro). Manchmal kauft er dort auch Teilchen oder Naschereien ein - zum Beispiel Macarons (1 Euro).

Der Espresso kostet 1,50 Euro, der Cappuccino 2,30 Euro. Erfrischungsgetränke - unter anderem Isis Bio Fresh - gibt's für 1,80 Euro.

Die Fahrräder



Allmendinger verkauft italienische Rennräder der Marken Ciöcc und Cinelli. Das heißt: von diesen Edelmarken stammen die Rahmen aus dem hochwertigen Columbus-Stahl, die alleine schon bei 1350 Euro liegen können. Diese kann man sich immerhin lackieren lassen, wie man will - einfarbig oder klassisch, mit Banderole. Dann sucht man sich die restlichen Teile aus: Lenkerband, Laufräder, Schaltgruppe et cetera. Das fertige Rand kostet mindestens 2500 Euro.

Vintage-Räder bietet er keine an. "Da bekommst du ja keine Ersatzteile mehr für." Manchmal nimmt er aber welche in Kommission; hinten im Laden steht ein originaler DDR-Oldtimer aus dem Jahr 1979, den ihm die Schwiegereltern eines Freundes vermacht haben.

In der Werkstatt, wo Allmendinger die Fahrräder für seine Kunden zusammenbaut, hängen auch Retrotrikots von Sergio (129 Euro) und klassische Radmützen von italienischen Fahrradmarken.  

Adresse

Caffè Bicicletta
Brombergstraße 17
79102 Freiburg (Google Maps)  

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag
8 bis 18 Uhr

Samstag
9 bis 15 Uhr

Mehr dazu:

 

Fotogalerie: Marius Notter


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