Verborgene Theken: Cafe Heldenbude in der Unterwiehre

Nele Harms & Anna Rudmann

Eine goldene Vintagetapete, ein PrenzlBerg-inspirierter Sandkasten, Milchschaum für die Kinder: Das Café Heldenbude in der Unterwiehre lockt mit uriger Wohnzimmeratmosphäre und Kinderfreundlichkeit - Alkohol wird bewusst nicht ausgeschenkt. Warum der Name des Cafés umstritten und der Donnerstag der beste Tag ist:



Ambiente

Ein einziges türkisfarbenes Häuschen sticht aus dem grauen Farbeinerlei der Langemarckstraße in der Unterwiehre hervor - das Café Heldenbude. Sobald man die Bude betritt, befindet man sich in einer anderen Welt. Urige Möbel, Tapeten im Vintage-Style und ein Sandkasten prägen das Erscheinungsbild. Die Gaststube sieht aus wie ein uriges Wohnzimmer. Die Möbel hat sich die Besitzerin auf Flohmärkten und in Secondhandshops ergattert, einiges auch aus den Speichern und Kellern alter Damen geholt. Die Tapete an der Wand zieren goldfarbene Ornamente. „Die hab' ich aus dem Internet, eigentlich wollte ich aber eine noch kitschigere", sagt Claudia Held, die Besitzerin der Bude. Vieles hat sie neu eingerichtet, manches ist ein Überbleibsel vergangener Tage. Aus der alten Theke hat sie die Türen ausgehängt, aus den alten Tischdecken Kissenbezüge gemacht. Die Idee vom Sandkasten kommt aus dem Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, wo Sandkästen in Cafés keine Seltenheit sind.

Viel ist an diesem Januarvormittag nicht los. Ein Kind rennt herum, ein anderes sitzt brav bei seinen Eltern am Tisch und isst Waffeln und trinkt Apfelschorle. Auch eine Frau sitzt hier: Sie wird bald ein Theaterstück aufführen. Dazu wird der Sandkasten zur Bühne umfunktioniert werden. Demnächst soll auch ein Flohmarkt stattfinden, in der hinteren Stube neben dem Sofa steht ein mit Brettspielen gefüllter Schrank. „Die Leute sollen hierher kommen, um es sich mit ein paar Spielen gemütlich machen zu können“, sagt Claudia Held. Auch Büchertauschregale gibt es hier. Wie in einem gemütlichen Wohnzimmer eben.

Auf der Speisekarte

Noch experimentiert Claudia Held mit der Speisekarte. Der einzige feste Belieferer ist die Bäckerei Hess aus St. Georgen. Belegte Brötchen werden hier je nach Größe für 2,50 Euro oder 3 Euro verkauft- darauf ist "eher Käse als Wurst", der "vielen Vegetarier" zuliebe. Besonders beliebt sind Helds selbstgemachte Waffeln. Liebling Nummer zwei ist der überwiegend vom Bäcker Hess stammende Kuchen, den sich Held jeden morgen dort aussucht. Veganer dürfen ihre eigenen Kekse mitbringen, Mütter ihren eigenen Brei. Auch an die Kinder will Claudia Held denken: Für sie gibt es Apfelschorle für einen Euro, ansonsten Milchschaum für fünfzig Cent.  



Getränke

"Das Höllentalstüble, das hier vorher drin war, war eine harte Säuferkneipe. Deshalb gibt es nun keinen Alkohol mehr", sagt Claudia Held. Dafür gibt es Kaffee. Fünf Monate hat Held nach der passenden Sorte gesucht, bis sie ihn aus einer Düsseldorfer Rösterei hat importieren lassen. Dort hatte sie vor einigen Jahren schon gearbeitet. Einen Cappuccino bekommt man bei ihr für 2,50 Euro, einen Espresso für 1,50 Euro. Wasser gibt es umsonst. Die selbstgemachte Schafgarbenlimo ist ein regionales Produkt, "eine Frau aus dem Schwarzwald" stellt sie her.

Das Besondere

Mit Abstand am Besten verkaufen sich donnerstags die mexikanischen Snacks des Holy Taco Shacks, der, wie Held sagt, einem „abgefahrenen“ Amerikaner mit einer Vorliebe für Hardcore-Hiphop gehört. Der Holy Taco Shack verkauft Streetfood aus seinem Truck, gegessen wird das dann bei Claudia Held in der Bude. Tatsächlich kommen so viele Leute donnerstags zum Taco Shack, dass Held dabei ist, einen zweiten Verkaufstag zu vereinbaren.

Den Namen verdankt das Cafe seiner Besitzerin Claudia Held und nicht, wie viele denken, dem unbeliebten Ausdruck "Heldenviertel", wie der Stadtteil Unterwiehre aufgrund seiner Straßennamen auch genannt wird. Von manchen Seiten bekam Held deshalb schon Kritik zu hören.

Die ursprüngliche Freiburgerin hatte das leerstehende Höllentalstüble beim täglichen Vorbeilaufen entdeckt. Beim Besitzer erkundigte sie sich schließlich nach einer potentiellen Neueröffnung. Der war einverstanden, allerdings unter der Bedingung, dass kein Alkohol ausgeschenkt wird.

Für die Zukunft hat Held die Idee, dass Leute freiwillig mehr Geld für einen Kaffee bezahlen können - vom Restgeld kriegen Kunden, die gerade kein Geld haben, einen Kaffee geschenkt. Momentan hat das Café noch keine Angestellten. „Dafür muss das Geschäft noch ein bisschen mehr Geld abwerfen“, sagt Held. Dennoch helfen ihr ab und zu ihre Tochter oder Freunde.



Publikum

Claudia Held hätte gerne ein jüngeres Publikum. Doch dazu müsste sie ihre Öffnungszeiten ändern. „Um neun kommt hier keiner. Es wäre besser, die Bude erst um halb elf aufzumachen", sagt sie. Vormittags machen sich die Studenten an der Theke breit, später kommen auch Senioren, sonntags besuchen meistens Familien das Café. Um 16 Uhr ist hier am meisten los. Ab spätestens halb sechs will Held sich dann zuhause um ihre Kinder kümmern. Deshalb endet zu diesem Zeitpunkt die offizielle Öffnungszeit. Die meisten Gäste kommen am Donnerstag und Sonntag.

Kontakt

Heldenbude
Langemarckstraße 103
79100 Freiburg

Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag
9 Uhr bis 17.30 Uhr

Freitag, Samstag
geschlossen

Sonntag
12 bis 17 Uhr

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