Verborgene Theken: "Bio Buffet Adelhaus"

Laura Maria Drzymalla

Bio, Urlaubsgefühl und Free Flow auf einem Teller: In der Fischerau hat das Restaurant Adelhaus eröffnet. Wir haben uns durch marinierten Tofu und Auberginen-Creme gefuttert.

Ambiente

Ein altes Ehepaar sitzt im Schatten auf einer Holzbank, er hat sie im Arm und liest aus Herrndorfs Roman "Tschick" vor, sie macht kichernd Selfies mit ihrem neuen iPhone. Eine Mutter tunkt die Füße ihres jauchzenden Babys in das plätschernde Bächle, ein junger Vater fängt seinen ausbüchsenden Sohnemann wieder ein.

In Freiburg leben wir ja genau da, wo andere Urlaub machen. Wenn Freiburg also der cremige (natürlich vegane) Sahnebecher der deutschen Städte ist, dann ist der Standort vom Adelhaus sozusagen die Kirsche obendrauf. Bäm!

Vor der terracottaroten Adelhauser Kirche liegt ein kleiner Platz mit Pflastersteinen, einem sprudelnden Steinbrunnen und blütentragenden Sträuchern. Zwei Außenbereiche hat das Adelhaus – im Sommer der absolute Trumpf, mehr Urlaubsgefühl ist schwer zu bekommen in der Stadt, die nur durch Frankreich vom Meer getrennt ist.

Der Innenraum vom Adelhaus ist farbig, aber minimalistisch gehalten: das warme Türkis der Eingangstür findet sich in den Stühlen wieder, ein auffälliger Kontrast zu den kunterbunten Stühlen an einer langen Tafel vor der Kaffee- und Kuchentheke. Die Präsentation und der Selbstbedienungscharakter des Büffets erinnert etwas an eine Kantinensituation – viel weiße Farbe, viele Spiegel, helles Licht. Der Farbklecks ist hier das Essen, nicht die Dekoration.

Auf der Speisekarte

Die Auswahl gleicht einem kulinarischen Vulkanausbruch: auf dem Teller können sich Berge von Rohkostsalaten türmen, lavaähnlich verschiedene Salatsoßen und Cremes quellen und als Basis für einen Regen aus einzelnen Samen und Gewürzen dienen. Heißt übersetzt: Radieschensalat neben Rote-Beete-Creme neben Hirse. Oder auch marinierter Tofu neben Hummus neben Auberginensalat. Es gibt Tagesgerichte wie Süßkartoffel-Curry mit Blattspinat und Kokosflocken oder Linsen-Suppe, Kartoffel, Bratlinge und Reis.

An der Kasse treten jedoch ungeahnte Komplikationen auf: jedes Gericht wird unterschiedlich berechnet. So bezahlt man für eine Schale Kartoffeln unabhängig davon, wie viele sich darin befinden, immer den gleichen Preis – Bratlinge jedoch einzeln.

Die Salate werden gewogen, pro 100 Gramm bezahlt man 2,10 €. Da es schwierig ist, das Gewicht der einzelnen Dinge zu schätzen, ist der Preis am Ende nur eine vage Einschätzung. Für einen vollen, aber nicht überladenen Teller mit Salaten zahlt man ab 10 Euro aufwärts, rechnet man Beilagen oder Brot dazu, nähert man sich schnell der 15 Euro-Marke.

Die Kuchen und Torten bewegen sich ab 3,50 Euro bis hin zu 4,60 Euro für ein veganes Stück selbstgemachte Bio-Sahne Torte. Fühlt sich der Gast etwas verloren, stehen die Mitarbeiter an der Seite und erklären, wie es abläuft.

Auf der Getränkekarte

Es ginge schneller, aufzuzählen, was nicht auf der Getränkekarte ist. Café mit Kuh-, Mandel und Sojamilch, Matcha-Latte mit Agavensirup für 4,20 Euro und mehrere Teesorten. Bio-Säfte und Bio- Smoothies stehen frisch und offen in einer Kühltheke, Bio-Limos und Bio-Biere in Flaschen daneben (auch ein Bio-Wasser gibt es), Wein und Sekt reihen sich ebenfalls ebenfalls gekühlt ein. Oberlecker ist das alkoholfreie Honig-Malz-Bier für 2,90 Euro, das mit seinen aufgedruckten Aquarellsonnenblumen aussieht, als ob Vincent Van Gogh es heiß und innig verehrt hätte.

Das Besondere

Betriebsleiter und Biersommelier Rolf und sein Chefkoch Herbert legen Wert auf Transparenz – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Küche ist durch eine Glasfront einsehbar, alle Zutaten sind für den Gast aufgelistet. Rolf steht mit seinen bald 70 Jahren jeden Tag in seinem Lokal.

"Free Flow" heißt die Form der Selbstbedienung, bei der sich der Gast alle Speisen selbst zusammenstellen kann. "Ich wollte in meinem neuen Lokal Frische und Naturmaterialien haben. Eine Mischung aus Eleganz, Wertigkeit und auch Ernährung, die mit Hygiene verbunden ist", erzählt Rolf.

Platt gesagt, hat Rolf hier ein Schlaraffenland für Vegetarier mit Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit und sämtlichen körperlichen Befindlichkeiten geschaffen – hier lohnt es sich, Allergiker zu sein.

Rolf kennzeichnet bei jedem seiner Gerichte die Zutaten, potentielle Allergene und außerdem, ob es vegan, gluten- oder laktosefrei ist. "Ich glaube, dass viele laktosefreie Produkte zu sich nehmen, obwohl sie es gar nicht bräuchten. Aber für diejenigen, die es wirklich brauchen, ist es ganz wichtig! Und in der Normal-Gastro wissen die wenigsten vom Personal, was tatsächlich in den Gerichten enthalten ist."

Im Adelhaus sieht also jeder Gast sofort, womit er es zu tun hat. Gemüse kommt von der Gärtnerei Querbeet, Obst und die Säfte vom Obstgut Siegel in Norsingen und die Milchprodukte vom Breitenweger Hof in Eichstetten – alles Netzwerkpartner der Regionalwert AG.

Preis/Leistung

Für Studierende ist es nicht die günstigste Möglichkeit, biologisch essen zu gehen, allerdings findet auch jeder schmale Geldbeutel etwas zu mampfen. Was man dann letztendlich auf dem Teller hat, schmeckt lecker und besonders – und überall, wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin.

Wegbeschreibung

Aus der Innenstadt durch das Martinstor, links in die Gerberau, dann rechts abbiegen in die Fischerau. Auf dem Platz vor der Adelhauser Kirche Mariä Verkündigung und St. Katharina befindet sich das Adelhaus.
  • Was: Adelhaus Bio-Buffet
  • Wo: Adelhauserstraße 29 - 31
  • Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-22 Uhr