Verborgene Theken: Azimi an der Günterstalstraße

Marie Neumann

In der Nähe der Johanneskirche liegt ein kleines Restaurant, so gemütlich wie ein Wohnzimmer, mit Essen so exotisch wie das ferne Afghanistan. Wir haben es getestet.

Ambiente

Kommt man zum ersten Mal durch die Tür des Azimi wird man gleich vom stets freundlichen Inhaber Weiss Azimi willkommen geheißen. Als Stammkunde ist man mit Weiss sowieso per du und unterhält sich mit ihm über das Wetter, den Urlaub oder die Familie, während man sich nebenbei etwas leckeres von der großen Auswahl hinter den Theken aussucht.

1993 kam Weiss nach Freiburg, zwischendurch hat er ein paar Jahre in Stuttgart gelebt, aber da hat es ihm nie so gut gefallen wie hier. Die Freiburger seien einfach freundlicher, sagt er. "Ich habe hier nicht das Gefühl, Gäste zu bewirten. Es ist eher so, als würde ich für meine Familie kochen."

Als Teil dieser Familie fühlt man sich in dem kleinen Imbiss dank seinem aufgeschlossenen Besitzer schnell. Neben seinem einnehmenden Wesen besticht das Azimi durch wunderschöne Fotos, welche im ganzen Restaurant an den Wänden hängen. Diese stammen von einem befreundeten Fotografen, welcher ein Jahr in Azimis Heimat Afghanistan verbracht hat.

In einer gemütlichen Sofaecke am Fenster hängt eine orientalische Lampe und leuchtet den Passanten den Weg hinein.

Publikum

Das Publikum besteht überwiegend aus Stammgästen, welche hier in ihrer Mittagspause vorbeikommen. Wenn man sich umsieht, hat man das Gefühl, einen Querschnitt aller Einwohner Freiburgs im Azimi versammelt zu sehen: Hier trifft man Familien, Studenten, Rentner, Schüler, Anwälte, Ärzte und Angestellte – und fast alle kennt Weiss beim Vornamen.

Auch seine Wohnung hat er durch einen Gast bekommen, welcher ihm als Immobilienmakler bei der Suche behilflich sein konnte. Wenn man möchte, kommt man untereinander schnell ins Gespräch, um gemeinsam über Freiburg und seine Leute zu philosophieren. Werbung hat er nie für seinen Imbiss gemacht, "den Gästen schmeckt mein Essen und sie erzählen es weiter, das funktioniert bestens für mich", lacht Weiss.

Auf der Speisekarte

Die Gerichte wechseln täglich. Immer hat man die Wahl zwischen drei Fleisch- und drei vegetarischen Gerichten, wobei man auch alles wild miteinander kombinieren kann. Eine Variante mit Fleisch kostet 7,90 Euro, ein vegetarisches Gericht 6,90 Euro. Unbedingt probieren sollte man den Kichererbsenbrei, der durch seine ausgezeichnete Würze überzeugt.

Alle Gerichte kocht Weiss Azimi selbst und kauft deren Zutaten frisch vom Großmarkt ein. Dabei gehe es ihm vor allem um die ausgezeichnete Qualität seiner Ware. Eine Qualität, die man selbst am Reis schmeckt. Statt klebrigen, geschmacklosen, blassen Körnern bekommt man hier feinsten Safranreis, der herrlich mit den verschiedenen Saucen harmoniert.

Gekocht habe er schon immer gern. Um als alleinerziehender Vater für seinen Sohn sorgen zu können, nahm er schließlich eine Stelle als Koch in einem Freiburger Restaurant an. Irgendwann hatte er die Nase voll von Spätzle und Schnitzel und beschloss, sein eigenes Restaurant mit Gerichten aus seiner Heimat zu eröffnen. Seit sechs Jahren ist er jetzt stolzer Inhaber des Azimi und man schmeckt die Leidenschaft des Kochs bei jedem Bissen.

Das Hühnchen oder Lammfleisch ist zart in würzigen Saucen, die vegetarischen Gerichte voll von frischem Gemüse und der Nachtisch besteht aus einem süßen Joghurt mit knackigen, bunten Früchten. Zudem kann man sich nach einmaliger Zahlung unbegrenzt Kaffee oder Tee nachschenken.

Das Besondere

Selbst als Stammkunde bekommt man immer wieder Neues geboten, langweilig wird es nie. Alle Varianten sind von Weiss Azimi selbst gekocht und entweder von ihm gezauberte Eigenkreationen, oder traditionell afghanische Küche. Hier weiß man, was man bekommt und auf Nachfrage kann Weiss einem wirklich jede Zutat bis zum letzten Gewürz aufzählen. Am besten "ein bisschen von allem" bestellen. Kostet genauso viel wie ein Fleischgericht (7,90 Euro), aber man verpasst bestimmt kein kulinarisches Highlight.

Wegbeschreibung

An der Haltestelle Johanneskirche aussteigen und der Günterstalstraße auf der rechten Seite Richtung Stadtwald folgen.
  • Was: Azimi – Afghanische Spezialitäten
  • Wo: Günterstalstraße 18
  • Öffnungszeiten: Mo-Fr 11-20 Uhr, Sa 11-16 Uhr