Verborgene Theken (94): Heisse Maroni

Stephan Elsemann

Zu einem richtigen Winter gehören die heißen Maroni einfach dazu. Sie sind die Passion von Axel Schwendemann, der mit dem Münster im Rücken Jahr für Jahr den herben Temperaturen trotzt.



Axel Schwendemann und die heißen Kastanien

Man muss die Kälte schon mögen. Denn ohne Winter gäbe es keine gerösteten Maronen. Aber ohne Maronen wäre ja auch der Winter kein richtiger. Der köstliche Duft gehört einfach dazu. Axel Schwendemann liebt Maronen. Und er kann mit der Kälte umgehen. "Am Münsterplatz ist es immer schattig", sagt er, auch wenn es meistens nicht so kalt ist wie in den vergangenen Tagen.

Seit zehn Jahren schon tut er sich das an – immer von September bis Februar. Acht bis zehn Stunden stehen sie auf dem Platz – er und sein Maroniwägelchen mit der eigenwilligen Orthographie.



Wer mit der Kälte klar kommt, hat die wichtigste Hürde zum Maroniröster genommen. Eine andere Qualität, die man mitbringen sollte, ist Aufmerksamkeit. Die Kastanien müssen genau im richtigen Moment vom Feuer geholt werden. Denn die Zeitspanne zwischen perfekt und verbrannt ist extrem kurz.

Aufmerksamkeit erfordert auch die Holzkohle. Wenn die Kohle gut durchglüht ist, darf sie noch den Vorratsbehälter heizen, der die fertigen Maroni mit einem raffinierten System in feuchter Hitze hält, damit sie nicht völlig austrocknen.

Aufmerksamkeit erforden nicht zuletzt die vielen Kunden, die oft in Schulklassenstärke über das Wägelchen herfallen.



Das Besondere

Schwendemann bezieht seine Maroni aus Italien, aus dem Piemont. Italien ist neben der Türkei der größte Produzent von Esskastanien in Europa – mit vielen besonders schmackhaften Sorten. Eine davon heißt "Curati" – die dürfen wir hier probieren.

In Italien macht man sich viel Mühe mit den Kastanien, die häufig von Würmern befallen werden. Um die verwurmten Maronen zu finden, werden sie in Wasser gelegt. Steigen Blasen auf, sind Wurmgänge in den Kastanien und man kann sie aussortieren - ein aufwändiges Verfahren, das sich im Preis niederschlägt.



Auf der Speisekarte

Maronen sind ausgesprochen hochwertige Kost. Sie enthalten im Gegensatz zu anderen Nüssen wenig Fett, dafür viel Eiweiß. 100 Gramm kosten 2,20 Euro. 100 Gramm sind meistens 11 Maronen. 200 Gramm bekommt man für vier Euro und 300 Gramm für 5,50 Euro.

Sie werden in einer Doppeltüte serviert, damit man beim Essen die Schalen gleich los wird, ohne sie einfach auf den Boden fallen zu lassen. Verkauft wird auch noch eine süße Maronicreme im Glas für 3 Euro.



Wegbeschreibung

Vom Bertoldsbrunnen Richtung Siegesdenkmal laufen und bei der zweiten Straße abbiegen. Man läuft auf das Münster zu und nun am besten der Nase nach. Der Duft der gerösteten Esskastanien ist unverkennbar und führt direkt zu Axel Schwendemanns Wägelchen, das vormittags halbrechts vom Portal steht. Am Nachmittag steht es direkt davor. Drei Minuten Laufzeit.



Adresse

Heisse Maroni
Axel Schwendemann
Münsterplatz vor dem Hauptportal

Öffnungszeiten

Ende September bis Ende Februar
Montag bis Freitag 9 bis 19 Uhr
Samstag 9 bis 18 Uhr

Mehr dazu:

fudder-Serie: Verborgene Theken

Foto-Galerie: Stephan Elsemann