Verborgene Theken (87): Lokalität Tram

Stephan Elsemann

Ungarische Küche in der Tram gibt es schon vier Jahre lang, doch seit einem Jahr mit einem neuen Koch. Attila Toth tut alles, um die ungarische Küche original auf den Tisch zu bringen. Sogar die Paprika werden direkt aus Ungarn mitgebracht. Man schmeckt es.



Ambiente

Marika Rökk, die ewige Julischka aus Budapest und Lilo Pulver, die unsterbliche Piroschka bestimmten das Ungarnbild in Deutschland über Jahrzehnte – mit Puszta, Paprika und einer unverwüstlichen Operettenfröhlichkeit. Im Restaurant Tram, das Judit und Attila Toth vor rund deinem Jahr renoviert übernahmen, ist von dieser Folklore eher wenig zu sehen.

Ganz sicher haben die Toths damit auch wenig im Sinn. 1956, als Lilo Pulver als Piroschka im deutschen Nachkriegsfilm Furore machte, wurde in Ungarn der Aufstand blutig niedergeschlagen und Attila Toths Eltern emigrierten in die Schweiz.

Er wuchs in Deutschland und in der Schweiz auf und machte seine Ausbildung zum Koch. Erst nach dem Wandel 1990 ging er in seine Heimat, fand aber, dass sich auch unter demokratischen Vorzeichen die Verhältnisse nicht sehr änderten. Er griff deshalb gern zu, als sich die Gelegenheit ergab, in Deutschland ein ungarisches Restaurant zu übernehmen.



Auf der Speisekarte

Attila Toth hat in Budapest zwei Restaurants gehabt und er hat auch in Freiburg den Ehrgeiz, die ungarische Küche original auf den Tisch zu bringen. Das kann schon mal für Begriffsverwirrung sorgen, denn einige vertraute Gerichte heißen anders als gewohnt oder sehen anders aus. Das Szégediner Gulasch etwa heißt eigentlich Székely Gulasch, weil es nach einem Schriftsteller benannt ist. Auch die bekannten Zigeunerschnitzel werden anders zubereitet als man es gewohnt ist.



Und vieles schmeckt einfach besser als sonst. Die Gulaschsuppe (4,20 Euro) ist ein Gedicht. Auch das Rindergulasch (7,90 Euro) überzeugte. Attila Toth besorgt sich seine Paprika zum Teil direkt aus Ungarn, weil er hier nicht alles in perfekter Qualität vorfindet.

Die Sorgfalt beim Einkauf schmeckt man dann, etwa beim Fleischpalatschinken mit Paprika (3,90 Euro), der einen Tick intensiver schmeckt, als man erwartet. Deftig und opulent ist die ungarische Küche ohnehin und ganz leicht verschätzt man sich bei der Bestellung. Die Portionen sind riesig – auch sei ist original ungarisch, behauptet Herr Toth.



Das Besondere

Original ungarisch, und hier sicher völlig unbekannt, ist eine spezielle Art, Gurken zu konservieren. Das funktioniert, indem man die Gläser mit Gurken und Wasser füllt, etwas Brot oben auf das Glas legt und wartet. Nach ein, zwei Tagen sind sie fertig. Kovaszos uborka heißen sie dann und schmecken ganz mild und ausgezeichnet.



Unbekannt ist sicher auch die Gemüsesuppe, die im Brotteig gekocht und serviert wird (6,20 Euro). Die Fischsuppe aus Karpfen und Wels (7,90 Euro) hat schon eine kleine Fangemeinde gefunden.

Publikum

Viele der alten Stammgäste kommen in die Tram, um ihr Bierchen zu zischen. Dass hier seit einem Jahr ein neuer und sehr ambitionierter Koch am Werk ist, hat sich noch nicht sehr weit herumgesprochen. Schade, denn die Küche der Tram hat es verdient, mehr Beachtung zu finden.



Kaffeepreis

Espresso kostet 1,70 Euro. Ein Ganter Bier kostet 2,20 Euro (0,3l), ein  ungarisches Dreher Bier bekommt man für 2,90 Euro. Eine Flasche Mineralwasser kostet 3 Euro (0,5l). Ein Viertel Gutedel kostet 3,40 Euro, ein Viertel Spätburgunder bekommt man für 4,20 Euro.



Wegbeschreibung

Zur Tram fahren wir natürlich mit derselben und zwar mit der Nummer 2 vom Bertoldsbrunnen in Richtung Günterstal. An der Lorettostraße aussteigen und rechts in die Lorettostraße hineinlaufen 100 Meter bis zur Kirchstraße. Das Lokal liegt direkt an der Ecke. Nicht zu verfehlen.



Adresse

Lokalität Tram
Kirchstraße 70
79100 Freiburg
0761-2856121
lokalitaet-tram@freemail.hu
Website

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 17 bis 24 Uhr und
Dienstag bis Freitag 11 bis 14 Uhr
Montag geschlossen


Foto-Galerie: Stephan Elsemann