Verborgene Theken (72): Markgräfler Hof

Stephan Elsemann

Mitten in der Altstadt liegt der Markgräfler Hof, ein Restaurant, das trotz der bevorzugten Lage nicht ganz so gewürdigt wird, wie es eigentlich angemessen wäre. Und so wissen nur wenige, dass Chefin Barbara Kempchen manchmal etwas aus ihrem Weinschatz kredenzt - spontan und zum Vergnügen der Gäste.



Ambiente

Barbara Kempchen, die das Restaurant mit ihrem verstorbenen Mann Hans-Leo 1982 gründete, hat es vor sechs Jahren wieder übernommen und das Konzept verändert. Eine bodenständige und regionale Küche wird hier gekocht und dafür nicht mehr zu den Sternen geschaut.



Anders war das zur Anfangszeit des Markgräfler Hofs, als das Restaurant zusammen mit dem Colombi-Restaurant in einer Reihe stand. Mit der Umorientierung liegt der Markgräfler Hof jedoch im Trend. Nicht wenige Köche in letzter Zeit haben die ihnen verliehenen Küchen-Sterne abgegeben, oder nehmen diese gar nicht mehr an.



Unbeschwerter kochen können, wird immer als Grund dafür genannt. Der andere Grund ist ein wirtschaftlicher. Man möchte auch Kunden ansprechen, die sich die teuren Menus nicht leisten können oder wollen.

Auf der Speisekarte

Auch deshalb wird hier ein Mittagstisch "um die zehn Euro" angeboten. Suppe oder Salat gibt's vorne weg und danach ein Tellergericht. Heute sind das Wildschweinbratwürstchen mit Rotkohl und Kartoffelpürree für 9,80 Euro. Die selbstgemachten Würstchen sind originell gewürzt mit Koriander und Kardamom. Sie sind gar nicht fett und schmecken hervorragend.



Auch die Graupensuppe, die davor serviert wurde, schmeckte sehr leicht und frisch, unaufdringlich delikat. Die Portion machte eigentlich schon ganz gut satt.



Falls es aber doch nicht reichen sollte: das Rumtopfeis mit Zwetschgen wäre ein krönender Abschluss.

Peter Rendler, der Küchenchef, bereitet alles selbst und frisch zu, auch den Rotkohl, wie er betont. Seine Küche ist regional ausgerichet. Viele Wildgerichte stehen auf der Karte, was zum Teil der Chefin zu verdanken ist, die selbst auf die Jagd geht. Wildgerichte kosten um 23 Euro. Ein Feldsalat mit Entenleber kostet 9,80 Euro.



Beliebt ist das Amuse-Gueule-Menu mit sieben Gängen für 42 Euro. Man kann sich den Wein dazu glasweise passend servieren lassen. Das ist ein Service, der kaum zu überschätzen ist, denn so erhält man nebenbei sieben verschiedene Klasseweine zum Probieren.

Das Besondere

Der Markgräfler Hof war von Beginn an ein Dorado für Weintrinker. Wein war Hans-Leo Kempchens Leidenschaft und davon profitiert das Restaurant noch heute, denn nicht wenige der alten Schätze sind noch nicht gehoben. Ein Portwein von 1890 ist ist darunter, den man für 1100 Euro ordern kann. Und auch einige Mouton-Rothschilds aus den 60ern und 70ern für einige hundert Euro die Flasche.



"Die alten Flaschen verkaufe ich nie", sagt Barbara Kempchen, und es klingt nicht einmal resigniert. Stattdessen tut sie etwas anderes. Ab und zu macht sie einfach eine von denen auf und bietet sie glasweise den Gästen an, die gerade im Restaurant sind. Ein Knüller, denn wo sonst hat man eine Gelegenheit, solch rare Weine zu kosten?



Kaffeepreis

Auch normale Weine gibt es hier. Ein Viertel Gutedel vom Weingut Schneider kostet 3,90 Euro, ein Viertel Spätburgunder 4,90 Euro. Espresso bekommt man für 1,90 Euro. Eine kleine Flasche Mineralwasser für 1,90 Euro. Rothaus vom Fass kostet 2,30 Euro (0,3).



Wegbeschreibung

Vom Bertoldsbrunnen in Richtung Martinstor laufen. Hinter dem Martinstor links in die Gerberau abbiegen. Der Markgräfler Hof folgt nach etwa 300 Metern auf der rechten Seite. Drei Minuten.



Adresse

Markgräfler Hof
Gerberau 22
79098 Freiburg
0761-296490
info@markgraeflerhof.de
Website

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 12 bis 14 Uhr und 18 bis 24 Uhr
Küche bis 22 Uhr
Montags geschlossen

Foto-Galerie: Stephan Elsemann