Verborgene Theken (28) Neuer Wiehrebahnhof

Stephan Elsemann

In der spröden Architektur des Neuen Wiehrebahnhofs versteckt sich eine höchst kuschelige Zuflucht für einen ungemütlichen Herbstabend. Die Terrasse der Bahnhofs-Gaststätte auf dem Bahnsteig ist dagegen eine schöne Alternative für einen lauschigen Sommerabend.





Ambiente

Wer den Gastraum des Neuen-Wiehrebahnhofs zum ersten Mal betritt, wird überrascht sein, denn die Einrichtung passt so gar nicht zum Rest des Bahnhofs aus dem Jahr 1934, dessen Architektur auf die Nazizeit verweist.

Dunkelbraun gebeizte und vertäfelte Wände, die Bauernmalerei an den Wänden und auch die alten, individuell ausgesuchten Stühle, lassen an den Schwarzwald denken.

Die Glasvitrinen und die Jugendstil-Lampen zusammen mit den vertrauenerweckend weiß eingedeckten Tischen erinnern dagegen mehr an französisches Bistro. Beschaulich und gemütlich geht es zu im Bahnhof, nur die Beschallung mit Einheits-Radiomusik passt nicht so recht dazu.



Publikum

Wiehre-Bewohner



Kaffeepreis

Kaffee für 1,90 Euro. Latte macchiato 2,50 Euro. Großes Ganter-Bier 2,90 Euro. Ein Viertel Gutedel kostet 3 Euro.
Auch Weine vom Spitzenweingut Dörflinger sind im offenen Ausschank. Ein Viertel Gutedel davon bekommt man für 3,50 Euro.



Auf der Speisekarte

Mittags stehen zwei Tagesmenüs auf der Schiefertafel, die mit einer Suppe oder einem Salat starten und dann von einem vegetarischen (6,20
Euro) oder einem Teller mit Fleisch oder Fisch (7,30 Euro) gefolgt werden.

Zum Beispiel zuerst eine Grießsuppe und danach Rahmpfifferlinge im Nudelnest oder Hähnchenbrust im Knuspermantel mit Ofenkartoffeln.
Die Küche ist bodenständig badisch unter beherztem Einsatz von Rahm und Sahne.

Abends kosten Hauptgerichte zwischen 6,90 und 11,50 Euro, Leberle gibt's für 8,90 Euro. SchniPoSa, pardon: natürlich mit Brägele statt mit Pommes 9,90 Euro. Wer glaubwürdig vermitteln kann, das Seniorenalter erreicht zu haben, bekommt für zwei Euro weniger auch halbe Portionen.



Das Besondere

Der Bahnhof ist ein hervorragender Ort, um in einer unszenigen Ecke ein Glas zu trinken oder etwas deftiges zu essen. Ein schöner Ort auch, wenn man an Sommerabenden ganz lauschig draußen auf einem Bahnsteig sitzen will, dessen Gemütsruhe nur sehr selten durch die Ankunft eines Zuges unterbrochen wird.



Wegbeschreibung

Souverän ist es, vom Hauptbahnhof aus mit einem der Regionalzüge in den Schwarzwald anzureisen. Bei der ersten Station muss man gleich raus:
Bahnhof Wiehre.
Fünf Minuten sind's. - Wenn man nicht, wie die meisten der Bahnhofsgäste ohnehin in der Wiehre wohnt, ist das Fahrrad das angemessene Beförderungsmittel zum Wiehrebahnhof.

Vom Bertoldsbrunnen geht's zum Schwabentor, dann rechts herum der Straßenbahn folgen, weiter geradeaus in die Hildastraße fahren, die Talstraße überqueren und weiter geradeaus dann den Alten Wiehrebahnhof rechts liegenlassen und - vor allem nicht mit dem Neuen Wiehrebahnhof verwechseln - weiterfahren bis man den Neuen Wiehrebahnhof zu rechten liegen sieht. Das ist nicht so umständlich, wie es sich liest - in höchstens 10 Minuten ist man da.

Adresse

Restaurant in Neuen Wiehrebahnhof
79102 Freiburg
0761-75558



Öffnungszeiten

Sonntag bis Freitag 11:30 –14:30 Uhr und 17:30 - 24 Uhr
Samstag 17:30 – 23 Uhr