Verborgene Theken (27): Bei Gundi

Stephan Elsemann

Wer das Schicksal einer Raucherkneipe in Zeiten der Raucherächtung erleben will, sollte mal bei Gundi in der Merianstraße vorbeischauen. Hildegund Dörflingers kleines ehemaliges Paradies für unbeschwerten Nikotingenuss sieht großen Veränderungen entgegen.





Ambiente

Was eine Raucherkneipe wirklich ist, wird schlagartig klar, wenn man bei Gundi zur Tür hereinkommt - schon um 17 Uhr, bevor jemand da ist.

Beißend setzt sich der kalte Rauch vergangener fröhlicher Abende in Rachen und Lunge fest. Vergesst Swamp, Schlappen und all die anderen, die immer genannt werden, wenn es ums Rauchen in Kneipen geht: Gundi setzt Maßstäbe in der Teerverschwängerung der Luft. Das heißt, sie setzte. Denn nun darf sie nicht mehr und ihre Gäste auch nicht. Ein Drama. Denn jedes Mal vor die Tür zu müssen, wenn es soweit ist und das Gespräch zu unterbrechen, macht keinen Spaß und Gundis Gäste müssen oft.

"Das Bier schmeckt ohne Zigarette doch gar nicht richtig," sagt Gundi, die sich vor der Arbeit noch eine genehmigt. "Das sagen alle. - Und, was soll ich machen, wenn ich selbst rauchen will. 'Kann doch die Gäste nicht allein lassen".

Es führt kein Weg daran vorbei. Gundi wird in dem klitzekleinen Gastraum noch ein Raucherzimmer einbauen - wenn sie darf. Sie hat einen Antrag auf Raumteilung gestellt. Der Raucherbereich soll an die Theke, dahin, wo sie selbst ist. Die Nichtraucher kommen ans Fenster - getrennt durch eine Glaswand, damit sie trotzdem alle im Blick hat. Einstweilen hat sie einen Sandeimer besorgt für die Kippen und Sitzkissen für ihre Lieben, damit sie es draußen beim Quarzen auf der Treppe ein bisschen gemütlich haben.



Publikum

Überraschenderweise sind es nicht nur ältere Leute sondern auch zwei drei Cliquen von unter Zwanzigjährigen, die bei Gundi einkehren. Aber die meisten Stammgäste sind zwischen 45 und 60 Jahren alt. Und wohl einige auch älter. Eine Gruppe von ehemaligen Boxern - alle zwischen 60 und 75 - kommt regelmäßig. Die rauchen nicht mehr - altersbedingt - und müssen oder - oder besser - dürfen deshalb in Zukunft hinter dem Glasverschlag am Fenster Platz nehmen.



Kaffeepreis

Ja, Kaffee gibt es auch - aber fangen wir besser mit den Bierpreisen an: Ein ehrliches Null-Dreier Ganter-Pils bekommt man für 2 Euro und 2,60 Euro muss man für eine Null-Vierer oder ein Weizen hinlegen.

Für die jüngeren Gäste ist auch immer eine Flasche Jägermeister da. Jägis kosten 1,80 Euro. Kaffee und Espresso: 1,60 Euro. Milchkaffee: Fehlanzeige! Der Schäumer tut's nicht mehr.



Auf der Speisekarte

....stehen Dinge, die solide Grundlagen für lustige Abende sind: Strammer Max 4,50 Euro, ein Kartoffelsalat, dessen Ruf es bis nach Georgien geschafft hat, für 2,50 Euro. Selbstgemachte Fleischküchle gibt es nur am Dienstag. Sie kosten 2 Euro.



Das Besondere

Der Name ist Programm. Die herzliche und resolute Wirtin Hildegund Dörflinger - zwei Schachteln Zigaretten am Tag - hat ein gemütliches kleines Refugium an einem ungewöhnlichen Ort geschaffen: in einem unscheinbaren Bürogebäude in der Merianstraße, das so gar nicht nach Feierabend aussieht.

Wer dort einkehrt, geht nicht einfach in eine Kneipe sondern ist "bei Gundi" zu Gast. Die meisten ihrer Gäste sind Stammgäste, was in diesem Fall auch bedeutet: sie sind zu 95 Prozent Raucher.

Wegbeschreibung

Bei Gundi befindet sich in der Merianstraße in der Freiburger Innenstadt, fünf Gehminuten vom Bertoldsbrunnen entfernt.

Vom Bertoldsbrunnen geht man die KaJo in Richtung Siegesdenkmal und biegt in die Schiffstraße ein. Hinter der Schwarzwaldcity biegt man rechts in die Merianstraße ein. Bei Gundi befindet sich an der nächsten Straßenecke auf der rechten Seite.

Adresse

Bei Gundi
Merianstraße 13
79098 Freiburg
Telefon 0761.2853866



Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag 18 Uhr bis 2 Uhr
Samstag 18 Uhr bis 3 Uhr
Sonntag geschlossen

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