Verborgene Theken (115): Sonderbar

Stephan Elsemann

Die schwule Szene hat ein Wohnzimmer und das ist die Sonderbar in der Salzstraße. Hier geht es so lustig und gemütlich zu, dass die Bar auch für alle Nichtschwulen ein feiner Treffpunkt für ein paar Drinks oder den Start in die Nacht sein kann. Stephan hat sie sich mit Experten-Support aus der Hauptstadt angesehen.



Ambiente

Der Besuch aus Berlin kommt gerade recht – Wolfgang und Ralf, zwei gestandene Mannsbilder, sind seit Urzeiten im schwulen Leben zu Haus – die angemessene Begleitung für den Gang in die "Sub" der Bächlestadt. Wolfgang hat Anfang der 80er ein paar Semester in Freiburg studiert. Er kennt die Sonderbar noch aus diesen Zeiten. Für ihn und seine Freunde war die "alte Münz", wie sie damals hieß, die Bar der "Kaufhausschwulen" oder "Kommerzschwulen", wie man leicht verächtlich die Hedonisten-Fraktion betitelte.

Er selbst und seine Freunde gehörten damals zu den Korrekten, politisch Engagierten. Mit Schwulsein die Welt verändern – Orte dafür waren das AZ und auch das Jos-Fritz-Café. Dazu gehörte Wichtiges wie die Gründung der AIDS-Hilfe in Freiburg. Dazu gehörte auch Skurriles, wie eine Selbsterfahrungsgruppe mit Peter Niehenke, dem Nacktjogger, die selbstverständlich nackig stattfand. Trotz alledem ging es bei den Politschwulen recht asexuell zu, was viele von ihnen dann doch gelegentlich in die "Alte Münz" trieb oder auch ins "Tiffanys", dem heutigen "Räng Teng Teng".



Nun sitzt Wolfgang mit leicht melancholischem Blick am Tresen der Sonderbar und Erinnerungen steigen hoch, wie langweilig es manchmal auch war. Lang ist das her. Die Sonderbar ist mittlerweile die einzige Schwulenbar in Freiburg. Da treffen wir Ruben, zarte zwanzig, zusammen mit Andi, der schon ein wenig älter ist. Beide kommen aus Breisach und trudeln mehrmals die Woche ein, um Freunde zu treffen, was zu trinken, Spaß zu haben. Andi hat noch Miriam mitgebracht und Miriam noch einmal zwei Freundinnen.

Die Sonderbar ist ein Wohnzimmer, kein Aufreißerladen, das finden auch Philipp und Heinz. Gemütlich und lustig geht es hier zu und der Service ist überaus aufmerksam. Freitag ist Mirkos Tag. Der zukünftige Musical-Darsteller ist hier ganz in seinem Element. Ihm macht es sichtlich Spaß zu arbeiten, denn die Barleute gestalten ihre Abende selbst, das trägt zur guten Laune bei. Geheimtipp ist der Montag mit Frau Blömann.

Auch Anne, "stockhetero" nach eigenem Bekenntnis, ist wegen der netten Atmosphäre da. Vielleicht geht sie später noch anderswo hin, vielleicht aber auch nicht. Privates und Öffentliches vermischen sich recht schnell. Mit Kuchen, Sekt und Freunden feiert Björn seinen Geburtstag und, weil es hier so eng ist, sind fast alle Gäste in Nullkommanix Teil der Party geworden.



Kaffeepreis

Kaffee und Espresso kosten 1,80 Euro. Fürstenberg Bier bekommt man für 2,20 (0,2l) und 3,20 Euro (0,4l). Eine Afri-Cola kostet 2,60 Euro. Einen Weißburgunder von Heger bekommt man für 4,80 Euro (0,2l). Beliebt sind auch Caipis (6,50 Euro), Cuba Libre (7 Euro) und natürlich Jägis (2 Euro).

Auf der Speisekarte

...steht nichts, weil es keine gibt. Knabberzeug und Gummibärchen sind aber meistens da, letztere natürlich ausschließlich von der Bären-Company des Betreibers Jochen Schmitt.



Wegbeschreibung

Die Sonderbar ist gleichzeitig zentral und doch gut versteckt. Vom Bertoldsbrunnen ein kurzes Stück in die Salzstraße laufen. Nach der Dreherstraße links in den kleinen Durchgang abbiegen. Immer an der Wand lang und man landet vor der Tür der Sonderbar. Eine Minute!

Adresse

Sonderbar
Salzstraße 13
79098 Freiburg
0761-33930
info@sonderbar-freiburg.de
Web: Sonderbar

Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag
18 bis 2 Uhr

Freitag und Samstag
18 bis 3 Uhr

Sonntag
18 bis 1 Uhr

Mehr dazu:


Foto-Galerie: Stephan Elsemann