Verborgene Theke: Die mexikanische Taqueria "YepaYepa" in der Merianstraße

Laura Maria Drzymalla

"YepaYepa!", ruft der Mexikaner, wenn er den faulen Esel unter sich antreiben will. "Revolución!" rufen Robin Pfefferle, ehemaliger freiBurger-Koch und Silvia Barba Quezada und wollen mit ihren Tacos die mexikanische Gastroszene Freiburgs umkrempeln. Alles hausgemacht, liebevoller Service und einfach gutes Fastfood - die Taqueria im ehemaligen Biosk soll ein kleiner Ort des gastronomischen Widerstandes werden.



Ambiente

Läuft man seitlich auf das YepaYepa zu, wundert man sich über die Schuhe, die frontal aus der Taqueria gucken. Bilder eines auf der Fensterbank liegenden, gesättigten Mexikaners mit Hut tun sich auf – erst beim Näherkommen erkennt man, dass es sich um Kakteen mit dicken, großen Blättern handelt, die vorm Schaufenster stehen. Ein kleiner Raum verbirgt sich dahinter, warm und farbenfroh eingerichtet, an allen Ecken ein kleines Zitat an die mexikanische Kultur.



Mit Kakteen geschmückte Stehtische aus hellem Holz, tellergroße Blumen aus Papier an den Wänden, Frida Kahlo aus Acryl lächelt den Gast wissend aus einem Bilderrahmen an. Vielleicht hat sie ein Auge auf die mexikanischen Wrestling-Masken an der Wand gegenüber geworfen, die seicht zum im Hintergrund spielenden Electrocumbia glänzen? Man kann es nur erahnen.

Das Besondere


Cheesy
ist hier nicht nur die Quesadilla, sondern auch die wahrlich schöne Liebesgeschichte der Besitzer. Robin ist vor Jahren als gelernter Koch nach Lateinamerika gezogen, sprach noch keinen Satz Spanisch und traf dort die Mexikanerin Silvia, damals Praktikantin in der Küche. Es machte „iBum!“, beide gefielen sich auf Anhieb. Nach einem missratenen Verkupplungsversuch und einigen vergangenen Monaten ging sie wieder nach Tijuana zurück, um ihre Ausbildung zu beenden, Robin konzentrierte sich auf seine Karriere als Koch. Das Schicksal solle entscheiden, ob sie sich wiedersehen werden. Sechs Jahre später rief sie ihn an, sie sei in Bilbao und würde ihn gerne sehen.
Kurzum: Robin flog dorthin, beide verliebten sich schwer, als wäre kein Tag vergangen, heute sind der 29-Jährige und die 28-Jährige verheiratet. „Wir und unser Laden sind zu 110 % authentisch!“, sagt Robin. „Die letzten 10 % von meiner mexikanischen Frau.“

Auf der Speisekarte

Auf den ersten Blick fühlt man sich ein bisschen verloren auf der Speisekarte, es gibt an dieser Stelle nämlich viele Entscheidungen auf einmal zu treffen. Gäste können sich zwischen Tacos, Mulas und Gringas entscheiden und während man auf einmal gar nicht mehr weiß, was eigentlich was genau war, kommt die Frage „Maíz oder Weizen?“ und „Wie viele?“.

Tatsächlich füllt man sich ein bis drei Tacos oder Quesadillas mit vier verschiedenen Fillings wie “pollo ranchero“ mit zerrupftem Hühnerfleisch, Chilli, Paprikas, Zwiebeln und Mais-Reis, dazu fünf verschiedenen Salsas wie Guacamole und grüner Tomatillosoße "wie bei Doña Lupita“. Für drei Tacos mit Rindfleisch zahlt man 6,50 Euro, für die überzeugend leckeren Vegetarischen mit Soja und Hibiskusblüte 5,50 Euro.



Wer beim Anblick der Tacogranaten unsicher ist, wie man sie annähernd elegant verspeisen soll, hier Robins Anleitung: Rechtshänder neigen den Kopf um 90° nach links, Taco mit Daumen und Zeigefinger in den Zangengriff und dann konsequent von vorne nach hinten durchfuttern. „Trotzdem muss ich jeden Tag das Schaufenster putzen“, schäkert Robin und zeigt auf die Salsaspritzer, die auf dem Glas verteilt sind. Fürs erste Date ist die Taqueria nix, aber für die innere Glückseligkeit allemal.

Drei der gefüllten Tacos machen höchst zufrieden, aber nicht vollständig satt. Es ist für Menschen mit großem Hunger eher eine Zwischenmahlzeit, als ein Hauptgang. Als Nachtisch empfiehlt sich unbedingt ein Tamarillo auf dem Löffel, eine Fruchtmasse aus Tamarinden mit Zucker und Chilli.

Auf der Getränkekarte

Ja, in Mexico kann ein Dessert auch getrunken werden. Hier in Form von „Horchata“ – kaltes, leicht gesüßtes Milchreiswasser. Ebenfalls köstlich ist der dunkelrote, selbstaufgebrühte Hibiskustee, der kalt im Glas serviert wird. Der Kaffee ist ein Teil der angekündigten kulinarischen Revolution, der kommt nämlich vom „Kollektiv Zapatista“, die den zivilen Widerstand gegen den Staat und die Mafia in Mexico unterstützen. Der „café de olla“ wird im Topf gekocht und mit Zimt gesüßt – qué rico!

Wegbeschreibung

Vom Siegesdenkmal aus zu Fuß in Richtung Hauptbahnhof und dann auf der Merianstrasse rechts in Richtung St. Josefs Krankenhaus gehen.

Mehr dazu:


Adresse

Merianstr.30
79104 Freiburg Facebook YepaYepa
  • Website: YepaYepahttp://www.yepayepa.de/" titel="">