Verborgene Theke (44): Ristorante San Marino

Stephan Elsemann

Francesco Caridi macht in seinem Ristorante San Marino in Littenweiler ausgezeichnete Pizza nach neapolitanischem Vorbild. Hinter unscheinbarem Äußeren in der beschaulichen Hansjakobstraße verbirgt sich eine Bastion italienischer Kochtradition.

 

Ambiente

Das Ristorante San Marino ist in einem unscheinbaren 50er-Jahre Wohnhaus untergebracht. Das macht neugierig. Darf man hinter der Tür ein Italienidyll der 50er Jahre erwarten, mit rotweiß karierten Decken, riesigen Chiantiflaschen im Bastkleid und den betörenden Gesängen Peppino di Capris, Adriano Celentanos und Rocco Granatas?

Nicht ganz. Denn drinnen ist das San Marino ein Kind der 80er. Dunkle Holzvertäfelungen, cremefarbene Decken, Gediegenheit überall und aus dem Lautsprecher stimmt Eros Ramazotti die Magenwände auf kommende Freuden ein.



Publikum

Erstaunlich betriebsam ist es mittags. Vorwiegend gutsituierte Rentner aus den Littenweiler-Häuschen drumherum sind es, die hier speisen. Und wäre nicht auch eine Abordnung des Sportclubs mit Trainer Dutt zugegen, die sich's hier schmecken lässt - ein Altersdurchschnitt von gut über 60 wäre locker erreicht.



Kaffeepreis

Exzellent zubereiteter Espresso von der Rösterei Mauro für 1,80 Euro. Verschiedene offene Weine in rot und weiß für 3,60 bis 3,80 das Viertel. Flaschenweise auf Anfrage. Wasser (0,4l) kostet 2,40 Euro, Ganter Bier kostet 2,20 Euro.



Auf der Speisekarte

Die Pizzakarte ist kurz. Das ist erfreulich, auch wenn einige der gängigen Absonderlichkeiten à la Pizza Hawaii und Artverwandtem auftauchen - Konzessionen an den deutschen Geschmack. Doch auch in Italien ist mit der Pizzakultur wohl nicht mehr alles beim alten. Pizza "Würstchen" hat Herr Caridi neulich dort entdeckt, wie er mit Augenrollen erzählt. Pizza hier ab 5,50 Euro. Außer den Pizzen weist Caridis Speisekarte alle Klassiker der italienischen Küche auf.  Darunter Vitello Tonnato (8 Euro), Lasagne (7 Euro), Spaghetti Bolognese (7,50 Euro), Saltimbocca romana (16 Euro).

Es geht aber auch ganz anders hier. Ein Stammkunde spaziert gleich in die Küche, um zu erfahren was Francesco denn Leckeres für ihn hat. Ein Wolfsbarsch ist es, den er für seinen Stammgast brät, und am Tisch auseinander nimmt. Sensationell ist das Olivenöl aus Kalabrien, das darüber geträufelt wird.



Das Besondere

Hier steht jemand in der Küche, der weiß, wie man einen Pizzateig zu behandeln hat. Die Margherita ist das Ideal aller Pizzen, die hier im San Marino Regina heißt. Namensgeberin Margherita war nämlich eine Regina, eine Königin, die 1889 zu Besuch in Neapel war. Eine Königin mit Lust auf Pizza. Und Pizzaiolo Raffaele beglückte sie mit einer Pizza in den italienischen Nationalfarben: mit roten Tomaten, weißem Mozzarella und grünem Basilikum, die Geburt der Pizza Margherita. Ein idealer Pizzateig ist dünn, sehr dünn und knackig, dabei aber nicht bröselig - elastisch, aber nicht labberig. So ein leichter Teig trägt etwas Sugo, Mozzarella ein paar Sardellen oder Oliven aber nicht die aufgepimpten Beläge nach amerikanischem Geschmack.

Wie bei allen einfachen Dingen kommt es auf die Qualität der Zutaten an, speziellem Pizzamehl aus Italien zum Beispiel. Auch frischen Basilikum braucht man, der teuer ist im Winter. Und ohne den richtigen Ofen geht es gar nicht, einen, der ordentlich Hitze produziert: 400 - 500 Grad. Francesco Caridi hat das alles und das allerwichtigste, das Händchen dafür. Was für ein Hochgenuss eine Pizza sein kann, wenn sie wie in Neapel gemacht wird, kann man hier erleben. Dafür seien ihm die zwei Euro extra gegönnt, die es mehr kostet als woanders.



Wegbeschreibung

Stadtauswärts mit der Straßenbahn Linie 1 in Richtung Littenweiler fahren bis zur  Haltestelle Römerhof. Ein paar Schritte zurücklaufen. Das Ristorante San Marino liegt stadtauswärts auf der rechten Seite.



Öffnungszeiten

täglich 11.30 - 14.30 Uhr
und 17.30 - 24 Uhr
Nichtraucherlokal

Adresse

Ristorante San Marino
Hansjakobstraße 110
79117 Freiburg
0761-69420