Veranstalter sagen Flohmarkt an der Habsburgerstraße in Freiburg wegen Auflagen ab

Frank Zimmermann

Dreimal fand er bislang statt, eine vierte Ausgabe wird es nun – erst einmal – nicht geben: Die Veranstalter haben den geplanten großen Flohmarkt in der Habsburgerstraße wegen der Auflagen der Stadt abgesagt.



Die Sicherheitsauflagen von Stadt und Freiburger Verkehrs-AG (VAG) seien weder organisatorisch noch finanziell zu stemmen, sagen die Veranstalter Angelika Bährle und die Interessengemeinschaft (IG) Habsburgerstraße. Bis zur Absage hatten sich laut Bährle schon mehr als 200 Verkäufer aus ganz Südbaden angemeldet, mit 250 bis 300 habe man gerechnet. Der Flohmarkt hätte am kommenden Samstag, 28. September, stattfinden sollen.


"Wir haben unsere Möglichkeiten ernsthaft ausgeleuchtet" Angelika Bährle "Die Erfahrungen mit den vorangegangenen Veranstaltungen haben gezeigt, dass es aus Sicherheitsgründen nicht mehr verantwortbar ist, im Bereich der gemeinsamen Verkehrsfläche auf Absperrungen zu verzichten", sagt Andreas Hildebrandt. Mit gemeinsamer Verkehrsfläche meint der VAG-Sprecher jenen Bereich zwischen Jacobi- und Schänzlestraße, wo die Bahngleise nicht in einem eigenen Gleisbett, sondern auf der Straße entlangführen.

Bei den ersten drei Flohmärkten waren die Absperrgitter ein Soll, aber kein Muss. Einen Unfall hatte es zwar nicht gegeben. Da zuletzt aber um die 15.000 Besucher gekommen seien, könne die Verantwortung nicht mehr auf die Fahrer abgewälzt werden. Die Gleise müssten folglich durch Gitter abgesperrt werden, Beim Habsburgerstraßenflohmarkt handle es sich um eine Großveranstaltung – und die erfordere nun mal bestimmte Sicherheitsvorkehrungen, sagt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf.

Veranstalterin Angelika Bährle moniert ("eine Frechheit"), dass ihr die neuen Sicherheitsauflagen der Stadt erst drei Wochen vor der Veranstaltung mitgeteilt worden seien. Dabei habe die VAG nach der letzten Ausgabe die Rückmeldung gegeben, dass es so, wie es ist, "handlebar" sei; von Beschwerden oder Bedenken habe man nichts erfahren. "Es wäre fair gewesen, wenn die VAG gleich nach dem letzten Markt im Juni zu mir gekommen wäre."

Große Veranstaltungen brauchen einen langen Vorlauf

Die Stadt kontert: Grundsätzlich sei es zu spät, eine derart große Veranstaltung erst am 24. Juli zu beantragen, sagt Lamersdorf. Und VAG-Sprecher Hildebrandt gibt zu bedenken, dass die Verkehrsbehörde den Veranstaltern schon eine Woche später, am 31. Juli, mitgeteilt habe, dass die Genehmigung wegen der Ferien ein paar Wochen dauern und diesmal mehr Absicherungsaufwand entstehen werde. Schon vor dem Flohmarkt im September 2012 habe man darauf hingewiesen, dass bei "besonders hohem Publikumsandrang die Einhaltung des Sicherheitsabstandes zum Gleisbereich durch geeignete Absperrungen sicherzustellen" sei.

Die Marktveranstalter sagen derweil, sie hätten erstmals in einem Gespräch am 26. August von den Auflagen erfahren und dann ab 5. September gewusst, dass das Problem nicht lösbar sei. Das Aus beschlossen sie dann am Abend des 12. September. Stadt und VAG – beklagen die Veranstalter – seien von Anfang an nicht kompromissbereit gewesen. "Wir haben unsere Möglichkeiten ernsthaft ausgeleuchtet", sagt Bährle. Und der IG-Vorsitzende Andreas Viesel betont: "Wir haben die Sicherheitsauflagen immer sehr ernst genommen."

Absperrungen kosten viel Geld

Die Absperrungen, wie sie die Stadt verlange, seien aber zu teuer und machten den Markt für sie nicht mehr rentabel, sagt Angelika Bährle. Der IG-Vorsitzende Viesel spricht von "mindestens 3000 Euro" Kosten, wobei der eigentlich verlangte Gittertyp mit schweren Bodenplatten noch deutlich teurer gewesen wäre. Aber auch 3000 Euro seien zu viel.

Die Mehrkosten hätte man auf die Standbetreiber umlegen müssen, sagt Bährle, eine Erhöhung der Preise (derzeit 30 Euro für drei Meter) hält sie nicht für vertretbar und wäre in der Kürze der Zeit auch nicht umsetzbar gewesen. Fürs kommende Jahr hofft sie auf eine Lösung, in diesem Jahr sollte der Markt, für den Bährle mit Kosten in Höhe von 15.000 Euro kalkuliert, erstmals zwei Mal stattfinden; zwei Märkte im Jahr sei denn auch das Ziel. "Als Veranstaltungsmeile ist die Habsburgerstraße prädestiniert", findet Viesel. 

Erheblich teurer und in der Kürze der Zeit nicht umsetzbar gewesen wäre es, den Bahnbetrieb zwischen 10 und 18 Uhr ganz auszusetzen und stattdessen einen Schienenersatzverkehr einzurichten. Ingrid Winkler, Vorsitzende des Bürgervereins Herdern, glaubt, dass der gar nicht vonnöten gewesen wäre, schließlich gebe es noch die Linie 5. Die kommt aus Zähringen, fährt über den Hauptfriedhof und die Universitätsklinik zum Hauptbahnhof und benötigt dafür einige Minuten mehr.

Drei Haltestellen, die in dem gesperrten Abschnitt liegen (Siegesdenkmal, Tennenbacherstraße, Hauptstraße), fährt sie allerdings nicht an. "Das wäre der einfachste Kompromiss gewesen", findet Ingrid Winkler und legt nach: "Für Freiburg geht wieder ein Stück Lebensqualität verloren."

Im Rathaus will man sich diesen Schuh nicht anziehen: Wenn eine so große gewerbliche Veranstaltung an wenigen tausend Euro scheitere, sei das nicht die Schuld der Stadt.

Absage belastet die IG Habsburgerstraße finanziell

Die Kulturliste Freiburg kritisiert derweil die Stadt: Stadt und VAG hätten den Markt zu wenig unterstützt. "Das Gezerre um Absperrgitter im Gleisbereich kurz vor dem Termin zeugt von keiner guten Zusammenarbeit zwischen VAG, Stadt und Veranstaltergemeinschaft. Wenn eine Stadt wie Freiburg nicht in der Lage ist, so etwas in den Griff zu bekommen, ist das ein Armutszeugnis", schreibt Kulturliste-Stadtrat Atai Keller in einer Pressemitteilung.  Die IG Habsburgerstraße hat durch den Ausfall des Flohmarkts auch ein finanzielles Problem, weil für sie die Einnahmen durch den Getränkeverkauf wegfallen. Dies hat zur Folge, dass die Finanzierung der Weihnachtsbeleuchtung in der Habsburgerstraße wackelt.

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  [Foto: Rita Eggstein]