Velonale Freiburg: Die Testfahrt

David Weigend

Am Sonntag startet in Freiburg die erste Velonale, ein Radrennen für Jedermann. Im Mai noch erwarteten die Veranstalter um die 5000 Teilnehmer. Bis heute haben sich gerade mal rund 700 Menschen angemeldet. Falls sich noch jemand ein Urteil über die 44,2 Kilometer lange Strecke bilden möchte - voilà, wir sind sie schon mal abgefahren (mit Videokamera).



Start: Messe Freiburg

Am Messegebäude sind Arbeiter bereits damit beschäftigt, Chemie-Toiletten umherzukarren und diese im Start/Ziel-Bereich aufzustellen. Keiner soll bei der Velonale am Sonntag um 11 Uhr mit voller Blase losfahren. Wir beginnen lieber mit Vollgas – über den hubbeligen Asphalt gen Rhodia. 44,2 Kilometer liegen vor uns, bei 32 Grad Außentemperatur.



Die Rennstrecke unter Wettkampfbedingungen abzufahren, ist unmöglich. Das merken wir erstmals an der Kreuzung Granadaallee / Elsässerstraße. Am Sonntag wird die Schnellstraße für Autos gesperrt sein, heute ist sie das nicht. Das heißt: Ausweichen und parallel fahren.



Das ist schade, weil man so zum Beispiel nicht erfährt, wie sich die unbekannte Miniabfahrt auf der Paduaallee beim Tunnel an der Sundgauallee anfühlt. Wollte ich es ausprobieren, wäre ich vermutlich wenige Minuten später Protagonist einer Verkehrsmeldung im regionalen Rundfunk.



Dafür bekommt man auf dem regulären Radweg astreines street life geboten. In der Unterführung Paduaallee riecht’s nach Lack, Sprayer sind am Werk. Der Ghettoblaster läuft. Der Schirmmützenträger lässt sich von einem badischen Käpt'n Iglo in die Kunst des Einradfahrens einweisen. Es klappt!

„Schneckental“

Immer noch können wir der Rennstrecke nur parallel folgen. Nach der Dreisam driften wir ziemlich ab und landen bei den FKK-Freaks am Dietenbachsee. Aber es ist noch zu früh für ein Nacktbad. Wir steuern die alte B3 an und stoßen bei Wolfenweiler auf die Rennstrecke, die durchs "gastliche" Schneckental führt.



Zumindest Mittwochnachmittags hat die Gastfreundschaft in Pfaffenweiler freilich ihre Grenzen. Mit trockener Kehle stehen wir vor dem verschlossenen Getränkemarkt Jesse.



Damit nicht genug. Im Schneckental scheint man sich der Qualität seiner Lebensmittel nicht ganz sicher zu sein. Feilgeboten werden sogenannte Kartoffeln, Salate in Anführungszeichen, das, was man hierzulande vielleicht als Eier bezeichnen würde nebst so called Gemüse. Es scheint uns ratsam, von diesem Angebot Abstand zu nehmen.

Vorstellung und Wirklichkeit

Wenn man „Kaisers gute Backstube“ hört, stellt man sich einen urigen, warmen, kleinen, verwinkelten Werkraum vor, in dem ein Bäcker mit mehligen Händen die Laibe in den Lehmofen schiebt. Wie man rechts der Rennstrecke sieht, kurz vor Krozingen, handelt es sich bei „Kaisers guter Backstube“ um einen nüchternen Industriekomplex in der Bauart französischer Intermarchés.



Zwischen der Anschlussstelle Krozingen und der Abfahrt Biengen ist man wieder gezwungen, die Schnellstraße zu fahren. Dieser Abschnitt ist ein echter Pulstreiber, rasen doch die Automobilisten mit gefühlten 170 Sachen am Routentester vorbei.

BILD in Biengen

In Biengen ist, zumindest für die eher gemütlichen „Touring“-Fahrer, ungefähr die halbe Strecke bewältigt. Am Sonntag wird das Zerstreuungspotenzial dort groß sein: Auf dem Schulhof lädt der örtliche Musikverein zum Musikhock. Wildgulasch mit Spätzle und Gemüse wird’s geben, die Neuenburger Stadtmusik wird aufspielen und sicherlich werden auch alkoholische Getränke dargereicht.



Im auf Toskana getrimmten Außenbereich der Biengener Heitzmannzentrale trinkt man den Halbzeitkaffee und lugt den anderen Gästen in die Bildzeitung. „Tarantinos ,Bastards’ erobern Berlin“ wird da getitelt, für uns heißt es eher: „Hofmanns ,Fische’ erobern Mengen“.

Mengen: Das Volk will den Tunnel

Auf der K 4937 hinter Biengen kann man hochtourig Gas geben, die ersten Äpfel sausen wie rote Punkte vorbei.



Am Ortseingang von Mengen wird man im MUT-Land willkommen geheißen, obschon man es ja gar nicht verlassen hat. „Das Volk will den Tunnel“, dazu die Deutschlandfahne und bunt behängte Wäscheleinen, das ist Selbstbewusstsein made in Mengen. Den Adler lassen wir rechts liegen.



Nach Norden geht’s nun, landschaftlich reizvoll auf kleinen, asphaltierten Straßen, vorbei an Igeln, Sonnenblumen und wucherndem Peterle.

Tiengen und dann im Schuss nach Opfingen. Die Tunibergsonne brennt erbarmungslos im Nacken. Beim Kreisel dann die Wende gen Osten. Das nun ins Sichtfeld rückende Schwarzwaldpanorama weckt Kraftreserven. Das Opfinger Labyrinth wirkt verlockend, immerhin birgt der hohe Mais viel Schatten.



Kurbeln im Mooswald

Aber nichts da. Jetzt geht’s in die Schlussoffensive. Die bekanntermaßen öde Einrollschneise durch den Mooswald. Fünf Kilometer kurbeln, kurbeln, kurbeln und den Schwimmflügel-Kindern ausweichen, die vom Opfinger See zum Auto torkeln.

Kleiner Tipp an die Herzdamen, die normalerweise mit ihren Wohnmobilen an der Straße zum Keidelbad stehen: Übermorgen das Geschäft ein wenig nach Norden verlagern, auf die K 9853, Höhe Waldseilgarten Freiburg. „Raus aus dem Sattel, rein ins Vergnügen“, das zieht bei ermatteten Velonaleteilnehmern alle Mal und steigert die Motivation vorm Ziel.

Besanconallee: Der Kreis schließt sich

Feierabendverkehr: Wir erreichen die Kreuzung zur Besanconallee. Laut Streckenplan müssten wir jetzt links abbiegen und die letzten Kilometer durch den Ozon+Abgas-Dunst wieder gen Messe radeln – den gleichen Weg wie am Anfang. Allein schon wegen der unzumutbar langen Rotphasen an den Ampeln parallel des Rings haben wir darauf keine große Lust und erklären kurzerhand die Hochhäuser von Weingarten zum Tourziel.



Fazit

Die Strecke dürfte jedem Freiburger Hobbyradler mehr oder weniger vertraut vorkommen, hat aber ihren Reiz, zumal durch die Sperrung der mehrspurigen Autostraßen Radrennflair entstehen könnte. Flach ist die Route – für den einen Fluch, für den anderen Segen. Natürlich ist es attraktiv, wenn man den Rundkurs im Familienverbund runtergondelt und zwischendurch am Essensstand versorgt wird.

Der ambitionierte Fahrer hätte sich aber zumindest eine Bergwertung gewünscht. Diese einzubauen, wäre ein Leichtes gewesen – am Batzenberg etwa, oder am Tuniberg. Immerhin darf der „Renner“ die Runde zweimal fahren, also 86 Kilometer zurücklegen.

Am Schluss bleibt dieselbe Frage wie bei jeder anderen Volkssportveranstaltung: warum soll ich für die Teilnahme an solch einer Fahrt 39 € (Renner sogar 49 €) zahlen, wenn ich ein vergleichbares Radelerlebnis im Freundeskreis gratis haben kann?



Mehr dazu:

Website: Velonale

Was: Velonale Freiburg
Wann: Sonntag, 2. August 2009, 10 Uhr (Renner) und 11 Uhr (Touring)
Wo: Messe Freiburg (Start), Madisonallee
Route: Streckenplan
Anmeldung: Nur noch Nachmeldungen (+ 5 € Gebühr) möglich