Veggie-Day: Vegetarier für einen Tag

Friederike

Vegetarismus ist in aller Munde. In edn vergangenen Wochen hat Jonathan Safran Foer mit seinem viel diskutierten Buch "Tiere essen" erneut die Debatte um Massentierhaltung, Klimawandel und ethische Alternativen entfacht. Manchmal tun es aber auch kleine Gesten: Im Deutsch-Französischen Gymnasium in Freiburg fand heute unter dem Motto "Less meat, less heat" ein "Veggie-Day" statt. Im Klartext: Gemüse statt Schnitzel. Ein Ortsbesuch.



13 Uhr, es läutet endlich zur Mittagspause. Erleichterte Schüler strömen heraus aus dem roten Neubau des Deutsch-Französischen-Gymnasiums und gehen ihrer Wege. „Ich glaub dann hol' ich mir 'ne Pizza,“ trägt ein Mitglied des skateboardenden Jungentrios zur täglichen Ernährungsfrage bei. Andere lungern mit einem tropfenden Döner vor dem Schulgebäude herum.


In der Kantine hingegen – akkustisch von einem deutsch-französischen Stimmengewirr dominiert – stehen Schülerinnen und Schüler an der Theke Schlange, um zu den großen Essensbehältern zu gelangen. Italienische Kräutersuppe als Vorspeise, wahlweise pikantes Gemüseragout mit Tagliatelle oder Pasta mit frischen Waldpilzen als Hauptgericht werden routiniert auf die Teller verfrachtet. Dort, wo sonst Schweinefleisch-Schmortopf oder Hähnchenbrust mit Gorgonzola auf den hungrigen Schüler warten, wartet heute ausschließlich fleischloses Essen auf hungrige Schüler. Dieser vegetarische Donnerstag, besser bekannt unter dem Anglizismus „Veggie Day“, ist Teil einer Projektwoche, die vor den Sommerferien im Deutsch-Französischen Gymnasium stattfand. Drei Initiatorinnen der zehnköpfigen Projektgruppe sitzen an einem der weißen Plastiktische und lassen sich ihre ethisch korrekte Mahlzeit schmecken. Sophia Merkel, Schülerin der elften Klasse, begrüßt die große Resonanz auf den Veggie-Tag: „Da 18% der Treibhausgase, die den Klimawandel verursachen, aus der Tierhaltung hervorgehen und das auch hier an der Schule ein wichtiges Thema ist, halte ich es für sinnvoll, wenigstens mal einen Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten.“

Manche Mitschüler hätten sich aber auch gegen eine solche Initiative ausgesprochen, berichtet Isabelle Gierden, ebenfalls Teil der Projektgruppe Veggie Day. „Es geht nicht darum, unseren Mitschülern das Fleischessen zu verbieten, wir wollen lediglich das Bewußtsein schärfen und den Blick mehr auf ökologische Produkte lenken“, betont Sophia. Solch ein vegetarischer Tag wurde erstmals im Mai 2009 in der belgischen Stadt Gent ins Leben gerufen, wo seither jeden Donnerstag in Schulen, Mensen und Restaurants überwiegend vegetarische Gerichte angeboten werden. In einer Stadt wie Gent mit etwa 240 000 Einwohnern spart eine solche Aktion die Emissionen von etwa 18 000 Autos. Seitdem ist der Veggie Day kein unbekannter Begriff mehr. Sogar die grüne Stadträtin Adelheid Hepp hat vergangene Woche unter dem Motto "Klimaschutz mit Messer und Gabel" für einen Veggie Day in Freiburg plädiert.

Laut Informationen von SPIEGEL online isst der Deutsche im Durchschnitt 87,88 Kilogramm Fleisch im Jahr, in den USA sind es durchschnittlich 122,79 Kilogramm. Im Vergleich dazu sind es in Südasien 6 Kilogramm jährlich pro Person. Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache: Deutschland gehört zu den Ländern der Erde, in denen am meisten Fleisch verzehrt wird. In der Kantine, die sich allmählich zu lehren beginnt, hat sich auch ein Mitglied der Schulleitung, Günther Fesenbeckh, eingefunden. Auf die Frage, ob ein solcher Veggie Day vielleicht Standard werden könnte, antwortet er: „Für viele ist solche eine Initiative gewöhnungsbedürftig, aber mit der Zeit würde das sicherlich akzeptiert werden. Das vegetarische Essen ist ja genauso lecker und der Mensch braucht ja auch nicht jeden Tag unbedingt Fleisch.“

Ob sich solche Initiativen in der Stadt Freiburg, der stets der Ruf der Öko-Hochburg anhaftet, etablieren werden, bleibt abzuwarten. Eines kann man aber festhalten: Die Debatte um Tierquälerei, Klimawandel und Ausbeutung hat dank der Medienberichterstattung, aufrüttelnden Filmen wie "We feed the world" und gut recherchierten Büchern wie „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer, größere, ja globalere Dimensionen angenommen.