Vegetarische Weihnacht – ohne Froschschenkel und Stubenküken

Christian Deker

Vegetarier und Weihnachten: Irgendwie scheint das nicht zu passen – jedenfalls glauben das offenbar viele. Deshalb sind Fleischlos-Ernährer während der Weihnachtszeit ein beliebtes Thema für die Medien. Auch fudder will sich dem Mainstream nicht verschließen – Überzeugungs-Vegetarier Christian schildert Freud und Leid zur Weihnachtszeit.



Letzte Woche war ich anlässlich einer Weihnachtsfeier im Nobelrestaurant. Nicht nur, dass der Viertel-Liter Wein neun Euro kostete. Es gab auch gebratene Stubenküken und Froschschenkel. Großes Entsetzen bei den Anwesenden: „Küken und Frosch, so was isst man doch nicht. Das ist doch eklig.“


Großer Renner beim Bestellen waren dagegen Weihnachtsgans und Leber. Lecker. „Einmal  im Jahr muss das einfach sein“, sagte mein Nebensitzer, als müsse er sich ausdrücklich dafür entschuldigen, dass er gleich ein Stoffwechselorgan zu sich nimmt, das einmal für die Ausscheidung von Giftstoffen aus dem Tierkörper zuständig war. Nach dem Motto: Ich weiß, dass es eigentlich ekelhaft ist, aber es schmeckt eben so gut.



Als ich fragte: „Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Gans und Frosch?“, kam leider keine Diskussion in Gange. Und eine Antwort darauf, welche kleinen, nicht wahrnehmbaren Unterschiede beim Frosch großen Ekel und der Gans großes Appetitgefühl hervorrufen, bekam ich schon gar nicht.

Ich habe an diesem Abend auch ohne tierische Leichen gut gegessen. Steinpilz-Ravioli auf irgend so einer Schaumsoße mit Salat. Auch über die Feiertage werde ich nicht darben, Pastetchen müssen schließlich nicht mit Fleisch gefüllt werden.

Kurz gesagt: Das Dasein als Vegetarier ist an Weihnachten nicht anders als an den restlichen 364 Tagen im Jahr. Während die anderen glauben zu schlemmen, isst man selbst auch ganz gut. Mitleid und Unverständnis der anderen nimmt man zur Kenntnis, macht eine gute Miene zum immer gleichen (öden) Spiel und denkt sich den Rest.



Es gibt die verschiedensten Gründe, warum Menschen sich dem Fleisch verweigern. Plausible und weniger plausible. Ich lebe seit 20 Jahren gut ohne Fleisch, die Frage nach Fleisch oder Nicht-Fleisch stellt sich mir nicht mehr. Ich bin ein Überzeugungstäter, der niemanden missionieren will. Ich mag anderen nicht vorschreiben, was sie essen sollen. Denn das muss jeder mit sich selbst und seinem Gewissen ausmachen, gerade an Weihnachten.