Vauban: Besetzer protestieren gegen den Bau des Green Business Center

David Weigend

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag haben zirka zehn Menschen das Gelände M1 besetzt, auf dem das sogenannte Green Business Center gebaut werden soll. Wir haben mit Florian (24) gesprochen, der an der Aktion beteiligt ist.



Am Dienstag hat der Gemeinderat beschlossen, dass am Eingang zum Quartier Vauban ein Green Business Center gebaut werden soll. Das Vorhaben ist umstritten. Michael Schröder, der Investor aus Genf, zahlt 1,1 Millionen Euro für das Areal am Paula-Modersohn-Platz und will dort "nach der Sommerpause" einen Gebäudekomplex zur gewerblichen Nutzung errichten: "Ein viergeschossiges Gebäude, unter anderem mit einem baubiologischen Beratungszentrum, einem Hotel, Arztpraxen, Büros und Einzelhandelsgeschäften", sagt Petra Zinthäfner, Pressesprecherin der Stadt. Verantwortlich für den Bau zeichnet der Freiburger Architekt Rolf Buschmann.




Die Menschen, die sich momentan auf dem Gelände aufhalten, sind mit dem städtischen Vorhaben überhaupt nicht einverstanden. Als sie in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag von dem Beschluss im Gemeinderat erfuhren, entschlossen sie sich aus einem Gefühl der "spontanen Wut", das Gelände zu besetzen. Florian ist seitdem dort und sagt: "Die Städteplaner wollen den Leuten mit dem Green Business Center den Eindruck vermitteln, dass es eine Ökosparte innerhalb des Kapitalismus gibt. Das ist natürlich eine große Irreführung. Es geht denen doch nur um Geldvermehrung."



Florian zeigt uns ein Blatt Papier, auf dem er gezeichnet hat, wie er sich die Nutzung für ein "lebendiges und ökologisches Vauban" vorstellt. Auf der Zeichnung sieht man eine Fahrradwerkstatt, einen Spielplatz, Gärten und Alternative, die einen Sit-In veranstalten. "Diejenigen, die hier wohnen und den Platz nutzen wollen, sollten auch selbst entscheiden können, wie sie ihn nutzen wollen", sagt Florian. Der Kommunalpolitik steht er kritisch gegenüber, weil er Stellvertretermentalität generell ablehnt. "Am ehesten würde ich noch die Linke Liste wählen, die sind auch gegen das Green Business Center."

Gestern Abend sind etwa 60 solidarisierende Besucher bei den Besetzern zu Gast gewesen, 80 Euro Spendengelder wurden gesammelt. "Damit wollen wir uns jetzt zum Beispiel Planen kaufen, um den Platz regenfest zu machen." Beim Gewitter heute Früh mussten die Besetzer ins benachbarte Café flüchten.



Probleme mit der Polizei oder mit der Stadt gab es bislang keine. "Die Polizei kam gestern Früh mal vorbei und gefragt: ,Ist das hier jetzt besetzt?' Das haben wir bestätigt, dann sind sie wieder weggefahren." Florian will das Gelände solange wie möglich vor den Baugutachtern verteidigen. Er hat mit seinen Kollegen eine Plattform installiert, die eigentlich auch immer besetzt sein soll und einem breiten Hochsitz ähnelt. "Falls die uns hier weghaben wollen, müssen die uns da erstmal runterholen", sagt Florian, der eigentlich in Littenweiler wohnt.

Die Vertreter der Stadt beobachten die Lage im Vauban abwartend. "Momentan sehen wir da keinen Handlungsbedarf", sagt Petra Zinthäfner. "Gleichwohl ist klar, dass das Gelände bei Baubeginn frei sein muss."

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