Vanessa Iraci: Kann man in Freiburg ein R'n'B-Star werden?

Friederike Günter

Vanessa Iraci (25) ist eine R'n'B-Sängerin aus Freiburg, die versucht, im Musikgeschäft nach oben zu kommen. Wie schwer das ist, warum sie es trotzdem macht und was bei Firmenfeiern von ihr erwartet wird, hat sie uns erzählt.



Die Freiburgerin Vanessa Iraci will groß rauskommen als R'n'B und Soul-Sängerin. Schon seit sie Teenagerin ist, tritt sie auf – in Klubs, auf Hochzeiten, Firmenfeiern oder bei der "Tag der offenen Tür" eines regionalen Baumarkts.


Um ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen, hat sie Anfang 2009 ihren Beruf als Rechtsanwaltsgehilfin an den Nagel gehängt und arbeitet seitdem an ihrem eigenen Album. Dafür zieht sie sich mehrmals pro Woche in die Wüste zurück. Wüste 17 in Schallstadt, das ist die Adresse des Tonstudios von Waterpiper Records, wo ich von Vanessa und ihrem Produzenten Florian Müller empfangen werde.

Wir gehen in den zweiten Stock. Es ist kalt, Florian hat gerade erst die Heizung aufgedreht. Zwei Stühle stehen vor einem riesigen Mischpult, dahinter zwei bequeme Sessel. Es ist viel Platz hier oben und wenn es etwas wärmer wäre, könnte ich mir vorstellen, wie Musiker und ihre Produzenten bis tief in die Nacht über den Reglern sitzen, bis sie den idealen Sound haben.

Wir gehen dann doch ins wärmere Nachbargebäude. Es ist provisorisch und ein wenig chaotisch eingerichtet. „Sie haben gerade erweitert“, sagt Vanessa, als ich die offenen Rohre in der Wand begutachte. Mit Kamilentee in der Hand erzählt sie mir dann, wie sie zu R'n'B und Soul gekommen ist.



„Mit 14 hatte ich vor 100 Leuten meinen ersten großen Auftritt", sagt Vanessa. „Sicher habe ich als Kind auch Disneylieder gehört und Boygroups, die damals angesagt waren, aber dann habe ich Soul und R'n'B für mich entdeckt“, sagt sie. „Vor allem die Balladen und stimmlich anspruchsvollen Songs haben mich gereizt. Das wollte ich auch können.“ Besonders eine Sängerin hatte es ihr angetan. „Mariah Carey war mein Gesangscoach. Mit ihrer Stimme konnte ich mich identifizieren.“ Mit Kopfhörern hörte sie stundenlang Mariah Carey-CDs. „Es ist ja tatsächlich so, dass die eigene Stimme ein wenig mitschwingt, wenn man etwas hört. Irgendwann konnte ich fühlen, was Mariah da macht.“

Vergleiche mit Vanessas großem Vorbild wurden angeblich schon angestellt. „Einige finden, dass sich unsere Stimmen ähneln. Doch ich denke, ich habe jetzt meine eigene Richtung gefunden und lasse mich von den Großen der Szene vielmehr inspirieren, als dass ich sie nur imitiere. Ich will als ernsthafte Künstlerin wahrgenommen werden und nicht als Imitatorin.“

Deswegen hat sie eine andere Möglichkeit, sich ins Gespräch zu bringen, bewusst vermieden. Sie hatte 2009 am Casting von Deutschland sucht den Superstar teilgenommen und wäre sogar bis in den Recall gekommen. Doch sie entschied sich dagegen. „Ich nahm vor allem daran Teil, um sicher zu sein, dass das wirklich nicht mein Weg ist. Es geht da nicht um dich als Künstler, sondern du bist Teil einer Show. Es geht um einen Teil, der man vielleicht gar nicht sein will.“

Ich erwähne Monrose, die sich ja gerade getrennt haben. Was hält sie von diesen Casting-Bands? „Eigentlich ist das eine coole Sache für Leute, die jetzt nicht alles selbst machen wollen, wie ich. Für die No Angels zum Beispiel war es erfolgreich, aber das ist eben nur eine von zehn Bands.“ Außerdem gefiel ihr die Atmosphäre zwischen den Castingteilnehmern nicht. „Das war ein ziemliches Rumgezicke. Bei dem Musical, bei dem ich gerade auftrete, arbeite ich mit Profis zusammen, von denen lerne ich viel und es macht richtig Spaß.“



Im Musical Bikini Skandal in Bad Säckingen spielt sie seit November eine der Hauptrollen. „Das ist bühnentechnisch für mich eine tolle Erfahrung.“ Vanessa will aber nicht ins Musicalfach wechseln, sondern als Solokünstlerin durchstarten. Ihr Produzent ist per definitionem überzeugt von ihr: „Sie ist ein Naturtalent. Alles was sie jetzt kann, war schon immer da.“ Die Single, die bald erscheinen soll, bekomme ich in selbem Atemzug in die Hand gedrückt. „Longing“ heißt sie. „Das Album ist wahrscheinlich in zwölf Wochen fertig, wir werden es wohl im Frühjahr veröffentlichen“, meint sie. Ihr Freund heißt Johann Haas. Er organisiert ihr Auftritte, wirbt für sie, gestaltete ihre Website.

Wir gehen nochmal ins Studio, das nun angenehm warm ist. Vanessa singt kurz zwei ihrer Lieder an. Ihre Stimme ist relativ tief und anfangs etwas verhalten. "Kann ich kurz etwas durchsingen?", fragt sie. Dann klettert ihre Stimme wie die einer Souldiva die Tonleiter nach oben. Viermal singt sie, bis sie mit der Aufnahme zufrieden ist. „Ich habe gewisse Erwartungen an mich, wenn ich auf die Bühne gehe,“ erklärt sie. Ob es bestimmte Erwartungen an eine weibliche R'n'B-Sängerin gibt? „Ich denke, mein Auftreten stimmt auch mit den Erwartungen des Publikums überein.“



Bei Firmenfeiern und ähnlichen Veranstaltungen werden zumeist Coverversionen erwartet. Deswegen versucht sie im Moment, mehr alleine aufzutreten. Vor allem in Clubs. „Da kann ich meine eigenen Sachen präsentieren.“ Dennoch, wenn sie eine Anfrage erhält, ist sie nicht wählerisch. „Es kommt immer darauf an, wie die Veranstaltung gemacht wird. Wenn sie unprofessionell läuft, dann wäre das jetzt nicht so gut,“ meint sie. „Natürlich muss die Gage auch stimmen und in einem Stripclub trete ich nicht auf.“

Der Weg zur überregional bekannte Soulsängerin scheint, das wusste schon Xavier Naidoo, kein leichter zu sein. Dass sie ihn dennoch zu gehen versucht, liegt an ihrer Begeisterung für die Musik. "Wenn ich nicht so viel Spaß daran hätte, würde ich es nicht machen," sagt Vanessa. Immerhin, sie kann von der Musik und ihren Musicalauftritten leben.

Wir verlassen die Schallstadter Wüste mit dem alten Golf von Vanessas Produzenten.

Als ich wieder zu Hause bin, lese ich auf Vanessas Facebook-Seite eine Rezension des Bikini-Skandals aus dem Südkurier:

Vanessa Iraci, als reiche und arrogante Millionenerbin Giselle von Pfeiffer begeisterte mit beeindruckender Stimme in der Rolle des unmoralischen Vamp, die alle Männer ins Visier nimmt und sich an den Blicken neidischer Frauen weidet. Was sie dann allerdings auch ihr Leben kostet.


Vanessa Iraci: Website & MySpace & Facebook

Vanessa Iraci feat. Shaqstarr - The night is mine

Quelle: YouTube

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