Vandalen und Dudelsäcke

Lilian Kaliner

Manchmal ist das Busleben von Lilian und Patrick nicht leicht. Mit viel zu wenig Platz, eingeschränkten Kochmöglichkeiten und Spinnenbesuch kommen sie meist zurecht. Nicht jedoch mit tasmanischen Randalierern.



Die Nächte haben uns in den letzten Wochen immer wieder Sorgen bereitet. Ein halbes Jahr haben wir nun schon Wildcamp Erfahrung und ein dickes Fell, was unsere nächtliche Umgebung angeht. Doch in den letzten Wochen gab es immer wieder Probleme mit den jungen Leuten hier. Etliche Male hatten wir uns zufällig an genau die Stellen gestellt, an denen nachts mit viel Alkohol gefeiert wurde. Klar, wir stehen ja oft in oder am Rand von einem Park – beliebte Ecken für die Jugend. Mit den Jugendlichen geht es eigentlich noch, die ignorieren uns meistens und sind nur sehr laut oder verprügeln sich gegenseitig, uns lassen sie meistens in Ruhe. Viel schlimmer sind die jungen Männer in den Zwanzigern. Die saufen sich am Abend einen an und fahren anschließend durch die Gegend auf der Suche nach Stress.


In einer Nacht wurde einige Meter hinter uns auf einem Spielplatz randaliert und mit Flaschen geworfen. Die Polizei kam und hat die Randalierer gestellt. Die Polizei hat auch bei uns geklopft. Wir haben im Bett liegend erklärt, dass wir nichts mitbekommen hätten. Zum Dank dafür, dass wir sie nicht verpetzt haben, zerschlugen die Randalierer später noch einen unserer Seitenspiegel.

Höhepunkt war dann eine Nacht in Hobart. Wir haben in einem Park mit mehreren anderen Backpacker Bussen geschlafen, da wir uns einbildeten, es sei dort sicherer. Um ein Uhr nachts haben plötzlich vier oder fünf betrunkene Männer an den Bus gehämmert und versucht, die Türen zu öffnen. Um ehrlich zu sein war mir schon sehr unwohl, wie wir da unter der Bettdecke lagen und der ganze Bus gewackelt hat. Nach einer Weile sind die Männer gegangen und da wir sie immer wieder mit quietschenden Reifen gehört haben, sind wir irgendwann total entnervt in die Innenstadt gefahren und haben die restliche Nacht dort verbracht.



Natürlich gibt es überall doofe Leute, doch so langsam kommen uns die Australier doch sehr blöde vor. Vor zwei Tagen sprang Patrick abends ins Auto und sagte: „Pack die Sachen ein, da draußen hat einer ein Gewehr!“ Ich dachte, er scherzt, doch da stand tatsächlich einer lässig an seinem Auto und hatte ein Gewehr unterm Arm. Das war nicht irgendwo im Outback, sondern mitten in der Stadt.

Heute Morgen wurden wir von lauter Dudelsackmusik geweckt. Als wir die Vorhänge zur Seite zogen, waren wir umringt von verschiedenen Dudelsackgruppen, die sich warm spielten. Man hatte einen Dudelsackwettbewerb um uns herum aufgebaut. Total verschlafen und mit roten Köpfen haben wir das Geschirr vom Abend zuvor unter dem Auto hervorgeholt und sind unter den Blicken von hundert Dudelsackspielern davon gefahren.

Nach all den stressigen Nächten waren wir froh, als unsere tasmanische Freundin Katherine uns anbot, sie zu besuchen und die Nacht bei ihr zu verbringen. Wir haben sie und ihren Freund Josh auf der Kirschfarm kennen gelernt und beim Abschied ein Wiedersehen in Tasmanien vereinbart. Wir haben sie im Landhaus ihrer Eltern in der Nähe von Hobart besucht und dort den ersten Hummer unseres Lebens gegessen. Einige Tage später trafen wir uns ein zweites Mal in ihrer Studentenbude im Norden der Insel. Josh hat uns gleich sein Bett angeboten und es war sehr ungewohnt, die erste Nacht seit einem halben Jahr in einem richtigen Bett zu verbringen. Am nächsten Morgen kam die Krönung in Form einer Badewanne.

Das war toll und wurde noch durch eine Stadttour in Katherines kleinem Mini Cooper getoppt. Vier Leute in einem Mini sehen schon in Deutschland lustig aus, in Australien ist es aber der absolute Hit. Wie in den USA kann hier kein Auto zu groß sein und wir hatten die Lacher auf unserer Seite.