VAG-Streik: Marschierstimmung am Hauptbahnhof

Christoph Ries

Streiktatort Hauptbahnhof: Besonders schwer hat der VAG-Streik die Schüler, Azubis und Pendler aus dem Freiburger Umland getroffen, die heute Morgen am Hauptbahnhof an- aber nicht weiterkamen. Ein Stimmungsbild von heute Früh.

7.40 Uhr, Freiburg Hauptbahnhof

Die Autofahrer: Michael und Kevin
Schüler aus Merdingen und Umkirch



Heute schon gelaufen: 300 Meter
Wegen Streik noch vor sich: 1000 Meter, zehn Minuten
Ziel: Staudinger Gymnasium
Geplante Ankunft: 7.50 Uhr


Wenn alles glatt gelaufen wäre:
Mit der Straßenbahn, Linie 1, von der Haltestelle Paduaallee zum Hauptbahnhof, anschließend mit dem Bus in die Schule.

„Wir wussten die ganze Woche, dass heute gestreikt wird. Meine Mutter hat uns von Merdingen nach Freiburg gefahren und am Hauptbahnhof abgesetzt. Den Rest müssen wir laufen. Zehn Minuten, das ist okay. Insgesamt brauchen wir eine halbe Stunde länger als sonst.“

7.57 Uhr, Kiosk an der Straßenbahnhaltestelle am Hauptbahnhof

Die Dreisamwanderer: Florian und Katharina
Azubis vom Kaiserstuhl





Wenn alles glatt gelaufen wäre:
Mit der Regionalbahn nach Freiburg, anschließend Straßenbahn, Linie 1, zum SC-Stadion.

Heute schon gelaufen: 1000 Meter
Wegen Streik noch vor sich: 9 500 Meter, 60 Minuten
Ziel: SC-Stadion, Schwarzwaldstraße
Geplante Ankunft: 8 Uhr

„Klar, haben wir gewusst, dass gestreikt wird. Aber was sollen wir machen? In Freiburg haben wir keine Fahrräder und auch kein Auto. Wir haben uns hier getroffen und laufen jetzt zur Arbeit Richtung Littenweiler. Zehn Kilometer an der Dreisam entlang. In drei Minuten müssten wir bei der Arbeit sein. Wenn jemand fragt, sagen wir halt, dass Streik war.“

8.01 Uhr, Straßenbahngleise Hauptbahnhof

Die Dönerfrühstücker: Kim, Sarah, Fabienne, Simon, Nina
Wirtschaftsschüler



Heute schon gelaufen: 1 500 Meter, davon zehn mit der Rolltreppe
Wegen Streik noch vor sich: 3 000 Meter, 60 Minuten
Ziel: Johanneskirche, Wirtschaftsschule
Geplante Ankunft: 8.00 Uhr

Wenn alles glatt gelaufen wäre: Mit der Regionalbahn von Emmendingen nach Freiburg, anschließend mit der Straßenbahnlinie 3 oder 5 Richtung Johanneskirche zur Wirtschaftsschule.

„Das ist super. Kein Plan, wie wir jetzt zur Schule kommen. Wenn wir laufen, brauchen wir locker ne Stunde bei unserem Tempo. Wir essen jetzt irgendwo was und gehen in die Stadt. Eigentlich schreiben wir heute einen Test und haben sowieso schon um elf Uhr aus. Wo geh ma hin, Mädels? Döner? Backshop?“

8.05 Uhr, Gleis 1

Der Siegessichere: Leroy Fischer, SC-Auswärtsfahrer



Gepäck: SC-Fahne und Baden-Fahne mit Autogrammen, zwei Fanschals
Wegen des Streiks heute schon gelaufen: 6 500 Meter
Noch vor sich: 60 Minuten ICE, 20 Minuten S-Bahn, 90 Minuten Fußball
Ziel: Gästeblock Dietmar-Hopp-Stadion, Hoffenheim
Geplante Ankunft: 18 Uhr
Wenn alles glatt gelaufen wäre:
Mit der S-Bahn von Landwasser zum Hauptbahnhof, danach mit dem ICE nach Heilbronn und mit einem Kumpel zum Auswärtskick nach Hoffenheim.

„Ich hab um halb sieben meine Fahnen gepackt und bin über die Landstraße von Landwasser zum Hauptbahnhof gelaufen. Die Dreiviertelstunde Fußmarsch war ganz angenehm. Nur die Autofahrer waren heut irgendwie aggressiv drauf, nicht so berauschend. Ich hoffe, dass der SC heute Abend gewinnt. Bin auch schon mal um halb zwei nachts für den SC aufgestanden, von daher kein Problem.“