VAG: Ab Montag Kameraüberwachung in Freiburger Straßenbahnen

Carolin Buchheim

Die Freiburger Verkehrs AG (VAG) wird in der kommenden Woche zehn Straßenbahnen mit Überwachungskameras ausstatten. Die Kameraüberwachung ist Teil des neuen "Service- und Sicherheitskonzepts" der VAG und soll Fahrgäste und Fahrer vor Gewaltübergriffen schützen und den Vandalismus in den Bahnen reduzieren.



Von Montag an werden zehn Combino-Straßenbahnen mit je sieben Kameras ausgestattet; bis auf den Fahrersitz wird so das gesamte Fahrzeug von den Kameras erfasst.


"Durchaus kritisch" seien die Videoanlagen innerhalb der VAG und des Aufsichtsrats diskutiert worden, heißt es in der Pressemitteilung der VAG. Es gehe nicht darum, Mitarbeiter und Fahrgäste zu beobachten, sondern um die Abschreckung potentieller Gewalttäter und Randalierer.

"Das Klima in unseren Fahrzeugen ist rauer geworden", sagte VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt gegenüber der Badischen Zeitung. So hätte die Zahl der Übergriffe auf Fahrgäste und Personal zugenommen. Genaue Zahlen nannte Hildebrandt der BZ jedoch nicht, "um die Lage nicht zu dramatisieren".

Die Polizeidirektion Freiburg kann keine Auskunft zur Zahl der Gewalttaten in den Freiburger Straßenbahnen geben. "Wir katalogisieren die Straftaten nicht nach dem Tatort", erklärte Polizei-Pressesprecher Karl-Heinz Schmid heute Morgen gegenüber fudder. Auch die Zahl der Pressemitteilungen über Straftaten in öffentlichen Verkehrsmitteln könne nicht als Anhaltspunkt über die tatsächliche Zahl der Vorfälle dienen. "Wir geben schließlich nur Pressemitteilungen heraus, wenn die Straftaten einen besondere Außenwirkung haben, oder wir uns Zeugenhinweise erhoffen", so Schmid.

Die VAG gibt an, seit 1998 zudem 1,6 Millionen Euro investiert haben zumüssen, um die Folgen von Vandalismus in den Straßenbahnen und Bussen zu beheben. "An Schultagen haben wir täglich fünf zerstörte Sitze", sagte Andreas Hildebrandt.

Die Kameraaufzeichnungen sollen, laut VAG, im Einklang mit dem Bundesdatenschutzgesetz nach 48 Stunden gelöscht und nur dann ausgewertet werden, wenn ein "begründeter Anlass" vorliege. Einsehen darf das Material laut VAG nur der Betriebsleiter oder ein durch ihn beauftragter Mitarbeiter. Das Überwachungskonzept sei auch mit dem Datenschutzbeauftragten der Stadt abgestimmt worden.

Die Kameras mussten übrigens nicht neu angeschafft werden: Sie waren beim Kauf der Combino Fahrzeuge bereits bestellt und zwischenzeitlich nur abmontiert worden. In einem halben Jahr will die VAG überprüfen, ob die Kameras Vandalismus und Gewalt in den Straßenbahnen reduzieren, und ob die Fahrgäste sie tolerieren.

Weitere Maßnahmen im Rahmen des "Service- und Sicherheitskonzepts" sind zusätzliche Fahrzeugbegleiter, der kontrollierte Einstieg in Busse zu den Abendstunden an der Fahrertür und das Verbot von Essen und Trinken in Bussen und Bahnen, das bereits seit August gilt.

Noch Ende Januar hatte die VAG auf Nachfrage von fudder noch verneint, den Einsatz von  Überwachungskameras in den Straßenbahnen zu planen. Damals war einem fudder-Mitarbeiter in einem der neuen Combino-Fahrzeug eine Kameravorrichtungen aufgefallen.

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