Landgericht Freiburg

Urteil im WG-Mord-Prozess: Student muss lebenslang in Haft

Frank Zimmermann (aktualisiert um 16.59 Uhr)

Lebenslange Haft – so lautet das Urteil des Landgericht Freiburg für einen 25-Jährigen Freiburger. Er hatte Anfang August seine WG-Mitbewohnerin mit zahlreichen Messerstichen getötet. Auch nach dem Urteil bleibt die Ratlosigkeit.

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts hat den Studenten Markus E.* (*Namen von der Redaktion geändert) wegen Mordes an seiner Mitbewohnerin Susanne T.* zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.


"Ich bin einfach erleichtert." Mutter von Susanne T.
Der 25-Jährige hatte die 31-Jährige im vergangenen August in der gemeinsamen WG im Stadtteil Lehen mit mindestens sieben Messerstichen getötet. Der Verurteilte hat nun eine Woche Zeit, Revision einzulegen.

"Ich bin einfach erleichtert", sagte die Mutter des Opfers nach dem Ende der fünftägigen Verhandlung. Der Täter habe der Familie jemanden ganz Liebes genommen. Doch während der Verurteilte erstmals nach 15 Jahren – als dann 40-Jähriger – die Chance habe, entlassen zu werden, sei ihre Tochter nur 31 Jahre alt geworden. T. war erst zehn Tage vor der Tat von Paderborn nach Freiburg gezogen, um in einem christlichen Gebetshaus zu arbeiten. E. hatte die Tat gleich, nachdem er sich widerstandlos hatte festnehmen lassen, gestanden; er habe seine Mitbewohnerin aus Verachtung und Hass auf ihre christlich-religiösen Einstellungen und ihren tiefen Glauben getötet. Ihre Ansichten über gleichgeschlechtliche Ehe und Abtreibung habe er nicht ertragen.

"Wir konnten und können uns nicht in den Täter hineinversetzen." Richterin Eva Kleine-Cosack
Mit dieser Erklärung konnte das Schöffengericht unter Vorsitz von Eva Kleine-Cosack nichts anfangen. Manchmal gelinge es nicht, Zugang zu einer Tat und deren Motiven zu bekommen. "So ist es uns im vorliegenden Fall gegangen. Wir konnten und können uns nicht in den Täter hineinversetzen." Mit dieser Ratlosigkeit werden man sich abfinden müssen. "Wir werden uns damit abfinden müssen, menschliches Verhalten manchmal nicht oder nicht zufriedenstellend erklären zu können", sagte die Richterin.

E. hatte am Abend des 10. August 2016 an der Tür seiner Mitbewohnerin geklopft und für diese völlig überraschend ein Outdoor-Messer aus der Tasche seiner Jogginghose gezogen und sie ohne zu zögern in den Hals gestochen. Danach wartete er nach eigener Aussage mehrere Minuten auf ihren Tod. Als der nicht eintrat und sie stattdessen flüchtete, verfolgte er sie ins Treppenhaus, wo er weiter auf sie einstach. Das Opfer starb am Tatort.

Das Gericht sah die Mordmerkmale "Heimtücke" (E. habe die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt) und "niedere Beweggründe" ( in einer Mail sprach er davon, dass T. "widerlich religiös" gewesen sei) als gegeben an, weshalb es keine Alternative zu lebenslänglich gebe, erklärte Richterin Kleine-Cosack.

Die Tat war bis in Einzelheiten geplant

E. habe den Mord bis in Einzelheiten hinein geplant und ihn in einem wenige Tage zuvor verfassten und kurz vor der Tat nochmals bearbeiteten Manifest angekündigt. Laut eigener Aussage tötete er seine Mitbewohnerin stellvertretend für alle Gläubigen und bereute in einem Schreiben seine "Faulheit, nicht mehr dieser Art getötet" zu haben. "Diese Banalität des Motivs" erschien dem Gericht "mehr als befremdlich" – auch angesichts der Tatsache, dass E. persönlich gar nicht betroffen gewesen sei: So sei er weder homosexuell noch habe er je mit Abtreibung zu tun gehabt, da er nach eigener Aussage noch nie Sex mit einer Frau hatte.

Zwar war E. seit langem "zweifellos psychisch nicht gesund" (Kleine-Cosack), in therapeutischer Behandlung, motivations- und antriebslos. Er gab Studium und Job auf und verließ kaum noch das Haus. Dennoch sei er – trotz einer schweren Persönlichkeitsstörung – voll schuldfähig. Damit folgte das Gericht der Einschätzung des psychiatrischen Gutachters.

Die Auffälligkeiten bei E. seien "zu wenig prägnant und ausgeprägt", um sie als schweres schizophrenes Krankheitsbild einzuordnen, befand Kleine-Cosack. Auch ein Pädophiler sei nicht automatisch schuldunfähig – allenfalls dann, wenn er seinem triebhaften Impuls gar nichts mehr entgegenzusetzen habe. E. sei aber weder besessen gewesen noch habe er wahnhafte Züge gehabt. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass er von einem Tötungsimpuls "quasi übermannt" gewesen sei; von einem Kontrollverlust könne keine Rede sein, sagte die Richterin.



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