Ursula Sladek: "Wir haben bewiesen, dass wir professionell arbeiten"

Lilian Alemagna & Anne-Sophie Legge

Als Stromrebellen gegen die Atomkraft übernahmen die Bürger von Schönau im Schwarzwald vor zehn Jahren das Stromnetz ihrer Kleinstadt. Ursula Sladek (61) war damals eine der Initiatorinnen der Revolte und ist heute Geschäftsführerin der Elektrizitätswerke Schönau. Ein Interview über den harten Kampf gegen die Atomriesen, die Zukunftspläne der Elektrizitätswerke und ihre französischen Kollegen.



Frau Sladek, wie ist die Idee von Schönau entstanden?

Zu Anfang hatten wir natürlich keineswegs vor, Energieversorger zu werden, das ist klar. Tschernobyl war der Anlass, dass wir uns in einer Bürgerinitiative mit Energie beschäftigt haben, mit der Frage wie Energie möglichst umweltfreundlich erzeugt werden könnte. Stromversorger zu werden wurde uns quasi aufgezwungen, weil der alte Energieversorger nicht bereit war, umweltfreundliche Alternativen umzusetzen.

Wie viel Rückhalt gab es am Anfang in der Bevölkerung?

Natürlich gab es zu Anfang Bedenken, ob eine Bürgerinitiative in der Lage ist, ein Stromnetz zu verwalten. Viele Bürger und vor allem Unternehmen fürchteten, dass ihnen der Strom ausbleiben würde. Aber inzwischen haben wir bewiesen, dass wir professionell arbeiten. Deshalb haben wir heute einen sehr guten Rückhalt in der Bevölkerung. Der liegt sicher bei 90 bis 95 Prozent.

Sie haben das Stromnetz vor zehn Jahren übernommen und sind von einer Bürgerinitiative zu einem mittelständischen erfolgreichen Unternehmen gewachsen. Wie soll es in zehn Jahren idealerweise aussehen?

Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren eigene Stromerzeugungskapazitäten aufgebaut haben werden oder diese sich zumindest im Aufbau befinden. Da muss man mit langen Verzögerungen rechnen. Ich hoffe auch, dass die Stromversorgung insgesamt schon viel ökologischer sein wird. Das ist einfach für das Klima notwendig. Die Veränderungen müssen sehr viel schneller vorangehen als in den vergangenen Jahren.

In Frankreich gibt es einige Umweltorganisationen oder Bürgerinitiativen, die Atomenergie nicht völlig ablehnen, sondern erneuerbare Energien eher als Zusatz zur Atomenergie sehen. Was halten Sie davon?

Das halte ich für vollkommen falsch, weil die Atomenergie ihre zentralistischen Strukturen zementiert. Dadurch werden gerade die dezentralen Aktivitäten massiv behindert. Atomenergie und dezentrale Technologien sind einfach nicht miteinander vereinbar.

Wie kann ich sicher sein, dass mein Strom tatsächlich Ökostrom ist, wenn ich jetzt bei Schönau unterschreibe?

Wir lassen es uns zertifizieren. Wir beauftragen damit den TÜV Nord, der jedes Jahr sicherstellt, dass der Strom, den unsere Kunden verbraucht haben, auch zeitgleich ins Netz gestellt worden ist. Hinterher bei der Steckdose des Verbrauchers kann man gar nichts mehr kontrollieren, weil Strom sich wirklich nur in der Art der Produktion unterscheidet.