Urban Gardening vor dem Stadttheater

Wolfgang Weismann

Am Wochenende haben rund 25 Hobbygärtnerinnen und -gärtner die Rasenflächen vor dem Stadttheater in klitzekleine Schrebergärten verwandelt - mit Kohl, Himbeeren und Kräutern. "Urban Gardening" nennt man das anscheinend, und fudder-Autor Wolfgang hat vor Ort nachgefragt, was das eigentlich bedeutet.



„Die Erde ist sehr gut“, sagt Nesrin Caglak aus dem fünfköpfigen Organisationsteam des Urban-Gardening-Projekts (Foto oben), „das hätte ich nie gedacht, mitten in der Stadt.“ Caglak nimmt ein Stück des braunen Humus' in die Hand und knetet es. „Sie bröselt schön, ist sehr dunkel und voller Regenwürmer.“ Das sind beste Voraussetzungen, um eine bunte Mischung an Dingen, die winterfest sind oder sogar noch im Herbst reifen: Johannisbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Rhabarber, mehrjährige Kräuter und besonders Wintersalate, Kohl und Feldsalat.



Am Samstag haben die Stadt-Gärtner Grassoden umgestochen und entfernt. Die Wege, über die man die einzelnen Parzellen erreicht, haben sie etwas tiefer ausgehoben und mit Rindenmulch ausgelegt. Die Parzellen sind mit Holz ausgekleidet und mit Erde von der Kompostieranlage in der Tullastraße befüllt. „So ein Hochbeet hält bis zu fünf Jahre“, sagt Caglak. Sie hofft, dass die Beete bis dahin nicht dem Vandalismus zum Opfer fallen. „Wir trauen der Freiburger Bevölkerung zu, dass sie damit umgehen kann. Schließlich sind die Beete für alle da. Und auch die Ernte.“

Die 29-jährige Jessica (Foto unten), die im Freiburger Rennweg wohnt und dort noch nicht mal einen Balkon hat, freut sich, endlich mal in Erde wühlen zu können. „Das hat mir total gefehlt. Ich wohne seit drei Jahren in Freiburg und habe seither nicht mehr gegärtnert.“ Jessica hat auch Adressen ausgetauscht und sich bei Urban Gardening angemeldet, um öfters bei solchen Aktionen dabei zu sein.



Für Nesrin Caglak steckt hinter dem reinen Akt des Pflanzens noch mehr: „Wir wollen wissen: Wofür werden öffentliche Grünflächen genutzt? Die Ernährungssouveränität der Städte soll zurückerobert werden. Derzeit kommen die meisten Lebensmittel aus dem Umland in die Zentren. Unser Anliegen ist, dort anzubauen, wo man lebt.“ Außerdem hätten die Teilnehmer einen regen Erfahrungsaustausch, lernten unerwartete Fähigkeiten kennen und bewegten sich an der frischen Luft - das sei gesund.

Mehr dazu: