Urban Gardening: Bei diesen 10 Projekten kannst Du Freiburg mit Gärten verschönern

Nora Ederer

Die Gärten kehren in die Stadt zurück – oft an ungewöhnlichen Orten. fudder hat 10 Plätze zum urbanen Gärtnern gesammelt. Außerdem gibt Geoökologin Sarah Daum Tipps für den Garten und spricht im Interview über das vermeintlich grüne Freiburg.

10 Urban-Gardening Projekte in Freiburg:



Lust bekommen, selbst Hand anzulegen? Die Geoökologin Sarah Daum hat fudder zehn Tipps fürs urbane Gärtnern gegeben:

1. Tu Dich mit anderen zusammen und tausch Dich aus.

2. Nimm Dir Zeit.

3. Fördere Biodiversität und Nützlinge, zum Beispiel mit Insektenhotels, totem Holz, Trockenmauern und Bienenweide-Pflanzen, die besonders viel Pollen und Nektar haben – etwa Apfelbäume, Salbei oder Lavendel.

4. Stelle selbst Terra Preta her. Wie das geht, kannst du zum Beispiel hier nachlesen. Terra Preta ist eine Mischung aus Kohle, Asche und Kompost, die Nährstoffe sehr lange speichern kann und traditionell von den Bewohnern Amazoniens verwendet wird.

5. Sammle Regenwasser für die Bewässerung.

6. Verwende samenfestes biologisches Saatgut. Vermehre und tausche es selbst.

7. Stelle deinen eigenen Biodünger aus Kompost, Wurmkompost und Pflanzenjauche her.

8. Bedecke den Boden mit Mulch. Das fördert Mikroorganismen und spart Gießwasser.

9. Pflanze mehrjährige essbare Pflanzen an, die auch im Winter beerntet werden können – zum Beispiel Winterheckenzwiebeln, Barbarakraut (kann wie Spinat verwendet werden und enthält viel Vitamin C) oder Brennnesseln (als Spinatersatz oder für Smoothies).

10. Reagiere nicht sofort, wenn etwas schiefgeht. Beobachte zuerst, versuche Zusammenhänge zu verstehen und handle dann.

Ist Freiburg wirklich so grün wie sein Ruf?

fudder hat mit der Geoökologin Sarah Daum, die in Freiburg Vorträge und Seminare über Permakultur, nachhaltige Entwicklung und Böden hält, über Bürgerinitiativen, autofreies Wohnen und urbane Gärten gesprochen.

Was ärgert Sie am meisten an Freiburg?

Sarah Daum: Am meisten nerven mich eigentlich die ganzen Autos. Es ist für Radfahrer einfach anstrengend, so viele Autos um sich rum zu haben. In Vauban gibt es einen Verein für autofreies Wohnen. Dort haben die Bürger mit der Stadt ein Verkehrskonzept entwickelt und sich zum Beispiel für weniger Parkplätze im ganzen Stadtteil eingesetzt. So bleibt viel Platz für Grünflächen, zum Spielen und für Begegnungen. Das Konzept sollte auf die ganze Stadt ausgeweitet werden.

Ist Freiburg, die "Green City", wirklich so grün?

Sarah Daum: Mit dem Blick auf Vauban sage ich: Wow! Ja! Das ist ein super Modell für zukunftsfähige Stadtentwicklung. Allerdings ist dort fast alles durch Bürgerinitiativen entstanden. Die Stadt schmückt sich mit dem Titel "Green City", aber tut selbst zu wenig. Es gibt zwar eine Verantwortliche für urbane Gärten, Monika Borodko-Schmidt, an die sich die Bürger wenden können, wenn sie eine öffentliche Fläche bepflanzen wollen.
Aber abgesehen davon, sind hauptsächlich die Bürger dafür verantwortliche, dass Freiburg so grün ist. Es ist toll, dass sich so viele Menschen für den Erhalt der Gemeinschaftsgartenfläche vor dem Stadttheater eingesetzt haben, aber wieso muss es für so etwas überhaupt eine Petition geben? Warum werden die Bürger bei so etwas nicht sofort von der Stadt unterstützt?


Wie sieht für sie die perfekte "Green City" aus?

Sarah Daum: In meiner perfekten Stadt versickert alles Regenwasser und dient der Bewässerung essbarer Pflanzen, die dort wachsen, wo es keine Autos mehr gibt. Dadurch werden das Stadtklima und die Luft besser und es gibt mehr Vögel und Insekten. Ein Großteil unserer Nahrung wächst im Umland und teilweise auch in der Stadt. Die Bürger kommen mit kreativen, sauberen Verkehrsmitteln von A nach B und die Kinder wachsen mit der Natur auf, weil es viel mehr Grünflächen in allen Wohngebieten gibt und Schulen und Kindergärten Naturverbindung fördern.

Zum Beispiel gibt es Waldkindergärten am Stadtrand und urbane Schulgärten. Außerdem gibt es kostenlose, unkommerzielle Begegnungsorte, um sich zu informieren und auszutauschen. Nachbarschaften sind feste Gemeinschaften, die sich selbst organisieren und die Menschen kommen auf öffentlichen Plätzen und Straßen ins Gespräch.

Warum ist Umweltschutz überhaupt so wichtig?

Sarah Daum: Wir Menschen sind abhängig von anderen Arten. Das bedeutet: Wenn wir als Spezies überleben wollen, müssen auch diese Arten weiterleben. Die Natur kommt ohne uns klar, aber wir nicht ohne die Natur. Ich denke nicht, dass es rein technokratische Lösungen für unsere Umweltprobleme gibt oder, dass wir eines Tages eine zweite Erde entdecken. Außerdem geht mit der Umweltzerstörung auch ein großes Stück Lebensqualität verloren. Wir brauchen die Natur – physisch und psychisch.

Sind die Menschen in den letzten Jahren eigentlich umweltbewusster geworden?

Sarah Daum: Ja, auf jeden Fall. Viele Probleme wie Klimawandel, Hochwasser, Artensterben und soziale Ungerechtigkeit sind einfach nicht mehr so leicht zu übersehen. Doch obwohl das Bewusstsein größer geworden ist, hat sich an dem Verhalten zu wenig geändert. Es bräuchte einen tiefgreifenden Wandel unseres Lebensstils. Ich hoffe, der kommt noch. Ansonsten wird es für uns zunehmend schwieriger, friedlich, im Wohlstand und mit ausreichend Ressourcen zu leben.

Was machen Sie um die Umwelt zu schützen?

Sarah Daum: Ich kaufe auf dem Wochenmarkt ein und habe seit kurzem eine Mitgliedschaft bei einer solidarischen Landwirtschaft. Dabei tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs und erhalten im Gegenzug die Ernte. So sind die Transportwege kurz, das Obst und Gemüse frisch und günstig und der Bauer kann langfristig planen. Zuhause, auf meinem Balkon, steht ein Wildbienenhotel. Dort baue ich im Sommer auch meine eigenen Salate, Tomaten und Kräuter an. Und ich stelle viele Kosmetikartikel, Medizin und Tees selbst her. Außerdem beziehe ich regionalen Ökostrom und kaufe selten Neuanschaffungen – lieber nutze ich alles so lange es geht und repariere. Ich habe auch kein Auto und fahre so viel es geht mit dem Fahrrad.
Zur Person: Sarah Daum ist seit ihrem 16. Lebensjahr in der Umweltbewegung aktiv. Nach ihrem Abitur in Heidelberg reiste sie für drei Jahre um die Welt und sah mit eigenen Augen die Armut und Umweltzerstörung an vielen Orten. Später studierte sie an der Uni Tübingen Geoökologie, wo sie einen pädagogischen Gemeinschaftgarten gründete.

Anschließend leitete Sarah ein Schweizer Bildungszentrum und begann eine Weiterbildung zur Permakulturgestalterin, die sie im Februar abschließt. Die Liebe brachte die 31-Jährige Anfang 2016 schließlich in die "Green City", wo sie Vorträge und Seminare über Permakultur, nachhaltige Entwicklung und Böden hält. Im Februar erscheint das Buch "Permakultur" im Schweizer Haupt Verlag, an dem sie mitgeschrieben hat. Im Februar startet außerdem ein Permakultur-Designkurs in der Vauban. Weitere Infos auf dieser Homepage.

Permakultur ist ein systematischer Gestaltungsansatz, der zukunftsfähige Lebensräume entwirft und aufbaut. Entwickelt wurde die Permakultur-Philosophie in den 1970er Jahren von den Australiern Bill Mollison (Alternative Nobelpreis 1981) und David Holmgren, die versucht die Komplexität unseres Ökosystems zu begreifen und nachzubilden. Sind nach dem Mulchen beispielsweise zu viele Schnecken auf dem Beet, setzt der Gärtner kein Schneckenkorn ein, sondern versucht zu verstehen, was Schnecken brauchen und wieso sie plötzlich aufgetaucht sind. Vielleicht kommt er dann zu dem Schluss, dass die Tiere durch den Mulch angezogen wurden und stellt auf Gründüngung mit Weißklee um.