Urban Beekeeping: Freiburger Imker verkauft Honig aus der Innenstadt

Anja Beck

Der Freiburger Imker Roland Kälble verkauft Honig, den seine Bienen mitten in Freiburg gesammelt haben. Warum Abgase dem Honig gar nichts ausmachen und was ihn vom konventionellen Landhonig unterscheidet:



Was Urban Gardening ist, weiß mittlerweile wohl jeder. Aber wie steht's um Urban Beekeeping, der Nutzhaltung von Bienen in Städten? In Berlin, Hamburg oder München floriert das urbane Imkern schon seit Jahren. Nun begeistern sich auch in Freiburg immer mehr Stadtbewohner für die Idee, eigene Bienen zu halten und regionalen Honig zu produzieren; allen voran der Gründer der Freiburger Stadtimkerei, Roland Kälble. Sein Projekt „Bee2go“ entstand 2011 aus dem Freiburger Stadtgarten „Beet2go“ und hat mittlerweile eine eigene Erfolgsgeschichte geschrieben.


Roland Kälbles Idee, eigene Bienenvölker zu halten, harmonierte bestens mit dem Stadtgarten: „Angefangen haben wir mit vier Völkern und haben dann sukzessive ausgebaut – jetzt sind es 55 an mehreren Standorten, wir gehören also auch nicht mehr zu den ganz Kleinen!“, sagt er. Nach der ersten Vorbereitung mit Fachbüchern fand Kälble in seinem „Imkerpaten“ Johannes Walczuch einen wertvollen Ansprechpartner und Freund, der ihm seit 2011 beratend zur Seite steht.

Die Arbeit mit seinen Bienenvölkern möchte Roland Kälble auf keinen Fall missen: „Ich bin sehr froh, dass wir diesen Schritt gegangen sind, denn Imkern ist eine sehr vielfältige Tätigkeit. Die Arbeit mit den Bienen, das Wandern zu verschiedenen Trachten, die Herstellung von Werkzeugen, die Erzeugung und der Vertrieb des eigenen Honigs sorgen dafür, dass man nie Langeweile hat.“



2014 führen Roland Kälble und seine Frau die Bienenzucht erstmals selbst durch. Vermehrt sich ein Bienenvolk in der Natur, teilt es sich und ein Schwarm mit einer neuen Königin wird gebildet. Problematisch ist, dass Schwärme ohne Wissen des Imkers unkontrolliert abgehen können. Deshalb werden in der Stadtimkerei Ableger gebildet, die eine selbständige Teilung des Volks verhindern. Die landwirtschaftliche Pestizidnutzung sowie die Varroamilbe, die parasitär von Bienen und ihrer Brut lebt, erschweren die Bienenzucht zusätzlich. Der Bienenschädling muss zwingend behandelt werden, sonst kann er das ganze Bienenvolk zerstören und früher oder später auch natürlich gebildete Schwärme befallen.

Die Stadtimkerei ist aber nicht nur Bienenzucht, in erster Linie wird natürlich Honig erzeugt. Drei Sorten gibt es aktuell bei Roland Kälble zu kaufen – den würzig-cremigen Freiburger Stadthonig mit hohem Lindenanteil, den flüssigen Freiburger Tannenhonig vom Schauinsland sowie den Schwarzwälder Waldblütenhonig mit Mischwaben von Sommertracht und Tanne. Die Frühblüte von 2013 ist bereits ausverkauft. Vertrieben wird der Honig an zwei Stellen: Direkt in der Stadtimkerei, freitags von 10 bis 13 und 15 bis 19 Uhr oder nach Termin und im Stehcafé am Krokodil in der Freiburger Innenstadt.



Was genau ist am Stadthonig aber anders als am konventionellen Landhonig? "Grundsätzlich", so Roland Kälble, "ist der Honig, den man beim Imker kauft, immer ein guter Honig." Während Stadthonig aber in Großstädten bereits etabliert ist, stößt er andernorts noch auf Skeptiker. „Bei vielen sehe ich kleine Abgaswölkchen in den Augen aufblitzen, wenn sie Stadthonig lesen – völlig unbegründet!“, erklärt Kälble. Untersuchungen des Großstadthonigs zeigen, dass Schadstoffe oder Feinstaub gar nicht oder kaum nachweisbar im Honig vorkommen.

Der Stadthonig ist also völlig unbelastet und steht Landhonig in nichts nach. Im Gegenteil, er ist sogar weniger bedenklich, denn innerhalb von Städten werden keine Pestizide eingesetzt. Alle Honige der Freiburger Stadtimkerei tragen deshalb das Qualitätszeichen Baden-Württemberg für gesicherte Qualität aus kontrollierter Erzeugung.

Die hohe Qualität des Stadthonigs spiegelt sich letztlich im Geschmack: Durch eine etwa 40 Prozent höhere Pollenvielfalt wird er besonders aromatisch und lecker.

Der Nutzen der Bienenhaltung beschränkt sich dabei nicht nur auf die Honigerzeugung. „Häufig wird die Bestäubungsleistung von Bienen wirtschaftlich vernachlässigt. Dabei ist sie etwa 300-mal höher als der eigentliche Honigertrag“, versichert Kälble, denn durch Bestäubung verbessert sich nicht nur die Qualität des Obsts, auch die Erträge steigen an. Bei der Kirschblüte beispielsweise bis um satte 67 Prozent.

Ein wichtiges Thema für die Imkerei ist die Agrarethik, die beim Badischen Imkertag im März im Fokus stand. Durch eine industrialisierte Landwirtschaft mit Monokulturen und dem Einsatz von Pestiziden entstehen viele Probleme für Imker und Bienen. Die Verantwortung ist schwer zu benennen, denn auch Politik und ein veränderter Zeitgeist spielen eine Rolle. Wichtig für Roland Kälble ist vor allem eins: „Es darf nicht nur der Honig zählen! Man muss sich als Imker stets der Verantwortung bewusst sein, die man gegenüber seinen Bienen hat!“

Kontakt

Freiburger Stadtimkerei
Todtnauerstraße 2
79102 Freiburg
Telefon: 0172.8902678
E-Mail: ernte@beet2go.de Verkauft wird der Stadthonig auch im Stehcafé am Krokodil in der Gerberau 17  

Öffnungszeiten

Freitag
10 bis 13 Uhr und 15 bis 19 Uhr
Montag bis Freitag

9:30 bis 19 Uhr

Samstag
9:30 bis 18 Uhr

Sonntag

13 bis 17 Uhr

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