Unwort des Jahres: "Entlassungs-Produktivität"

Christian Deker

"Entlassungs-Produktivität" ist das Unwort des Jahres 2005. Das teilte die Jury aus Sprachwissenschaftlern heute mit. Das Wort bezeichne die gleich bleibende Produktionsleistung eines Unternehmens nach der Entlassung von Mitarbeitern. "Es verschleiert damit die meist übermäßige Mehrbelastung derjenigen, die ihren Arbeitsplatz behalten konnten", erklärte der Jury-Vorsitzende Horst Dieter Schlosser.Den zweiten Platz nahm die Bezeichnung "Ehrenmord" ein. Mit der sprachlich paradoxen Formulierung könne "die Ermordung von in der Regel weiblichen Familienmitgliedern mit Berufung auf eine archaische, in unserem Kulturkreis absolut inakzeptable Familienehre" relativiert werden, erklärte die Jury. Auf Rang drei landete das Wort "Bombenholocaust". Dies stelle einen weiteren Höhepunkt der Leugnung, zumindest der Verniedlichung des NS-Völkermords dar. Mit dem Begriff habe die NPD im sächsischen Landtag im Januar 2005 geglaubt, die Zerstörung Dresdens umschreiben zu müssen.