Unterwegs mit den Mädels: Die Klangraum-Eröffnungsparty

Sara Feickert

Am Samstag fielen in Freiburg zwei wichtige Ereignisse zusammen: die Eröffnungsparty des Klangraums und der 19. Geburtstag von Alica, einer Freundin von fudder-Autorin Sara Feickert. Sara überzeugte ihre Mädels, den Geburtstag in der neuen Location zu feiern - und nahm sich fest vor, ihre Letzte-halbe-Stunde-Regel anzuwenden. Ob sie's geschafft hat:



Vor mir steht ein Typ mit blauer Papierkrone und einem Lolli, an dem er - für meinen Geschmack - etwas zu lasziv nuckelt. Die Party gefällt mir, denke ich, als ich durch die Garderobe auf die Tanzfläche stolpere und mich an den Leuten neben der Bar vorbei drängle. Interessante Menschen hier. Auf dem Weg zur Tanzfläche laufe ich durch eine Wand aus heißer, stickiger Luft. Einen Augenblick denke ich über die Flucht nach draußen nach, aber etwas zieht mich an.


Es ist Alicas Abend. Gemeinsam mit Nadine und Lara haben wir bei ihr zuhause in ihren Neunzehnten reingefeiert. Jetzt, seit halb eins, sind wir im Klangraum - angelockt von der Neueröffnung und der Aussicht auf gute Musik.
Mein Ziel liegt direkt vor mir: das DJ-Pult. Ich ziehe meine Freundinnen mit mir nach vorne, durch die wippende Menge hindurch, und erkämpfe mir einen Platz in der ersten Reihe. Direkt vor Jan Blomqvist. Einen Augenblick lang vergesse ich zu tanzen, weil ich zu beschäftigt damit bin, zu starren. Zwei Drinks mehr und ich würde versuchen, am Sicherheitsdienst vorbei auf die Empore zu stürmen, da bin ich mir sicher. Insgeheim verfluche ich jeden, der mir jemals anständiges Benehmen beigebracht hat.

Irgendwann schaffe ich es dann aber doch, mich von seinen Lippen loszureißen, die dauerhaft ein "O" formen, und konzentriere mich auf die Musik. Die macht mindestens genauso viel her. Seine klare, ruhige Stimme erhebt sich immer wieder über die sanften elektronischen Klänge und lässt die Menschen um mich herum mit geschlossenen Augen taumeln und tanzen. Mit Ausnahme von ein paar, die mir mit ihren Smartphones die Sicht versperren.



"Wie läuft der Abend bis jetzt?"

Ich brauche frische Luft. Das, was ich einatme, verträgt sich nicht gut mit dem Sekt, mit dem wir bei Alica mehrfach angestoßen haben. Im Außenbereich - oder wie auch immer man den balkonartigen Raum, der nur von einem dünnen schwarzen Stoff von der Bahnhofshalle getrennt wird, nennen will - entspannt sich mein Magen wieder.

Ich laufe mit Nadine Richtung "Außen-Bar" und begutachte die Menschen. Ich schätze den Altersdurchschnitt auf Ende 20, als ich mit dem Blick an einem Mann an der Bar hängen bleibe. Immer und immer wieder fragt er den Barkeeper danach, wie der Abend für ihn bis jetzt läuft. "So kann es immer laufen", "viele Leute", "insgesamt erfolgreicher Abend", schnappe ich auf. Bei zehn Euro Eintritt muss sich in meinen Augen langfristig niemand Sorgen machen.



Man muss nicht bis zum Ende bleiben

Ich habe eine persönliche Party-Faustregel: Eine halbe Stunde, bevor die Party vorbei ist, passieren die amüsantesten Dinge. Fest entschlossen, diesen Zeitpunkt nicht zu verpassen, lasse ich mir von einem Schweizer, der behauptet, Mit-Besitzer des neuen Ladens zu sein - ja klar! -, eine Cola ausgeben und hoffe, dass das Koffein mich durchhalten lässt.

Die Tanzfläche hat sich nach Jan Blomqvists Auftritt etwas geleert. Zurück bleibt ein Boden voller Scherben, Stohhalme und verschütteter Getränke. "Wer meint, seinen 7,50-Euro-Caipi ausleeren zu müssen, hat entweder zu viel Geld oder ist sturzbetrunken", fluche ich innerlich und schneide mich prompt an einer zerbrochenen Bierflasche. Kleine Sünden. 

Das habe ich wohl überschätzt

Es ist fast fünf Uhr morgens. Einige Pärchen bandeln am Rand der Tanzfläche an und ein paar Feierwütige tummeln sich noch vor dem DJ-Pult und bejubeln jeden neuen Song. Der Schweizer wird aufdringlich, und meine Mädels sind irgendwo – aber nicht bei mir.

Verzweifelt lasse ich meinen Blick über den Club schweifen. Ich erfinde kurzerhand einen Freund, mit dem ich unglaublich glücklich bin, und frage mich, wie ich die anderen finden kann. Hat die letzte halbe Stunde doch irgendwelche Überraschungen zu bieten gehabt?

Als ich den Club verlasse, will der Sicherheitsmann an der Treppe wissen, was mit meinem Fuß passiert ist und ob ich einen Verband brauche. Ich schüttle den Kopf und lache über seine übertriebene Fürsorge - und über die zwei Männer im Anzug, die mir auf der Treppe entgegenkommen. Sie scheinen fest entschlossen, um fünf Uhr noch feiern gehen zu wollen.



Wo bist du?

Draußen, an der kalten, frischen Luft sehe ich, dass ich fünf verpasste Anrufe und einige Nachrichten auf meinem Handy habe. Die anderen sind schon nach Hause gegangen. Hätte ich mir denken können. Ich denke an meine Letzte-halbe-Stunde-Regel. Also nochmal zurück in den Club, mit der einfachen aber geradezu unmöglichen Mission, von den DJs noch ein Statement zu dem Abend zu bekommen.

Drinnen ist das Licht schon an. Bevor ich sie verpasse, eile ich wieder in die mir mittlerweile gut bekannte DJ-Zone. "Und? Wie fandet ihr's?", schreie ich über die letzten Takte hinweg nach oben zu Jan Blomqvist und seinem Pianisten. Kurz bevor ich mich selbst auslachen kann, bekomme ich zu meinem Erstaunen eine Antwort. Jans Pianist beugt sich zu mir runter, und ich wiederhole meine Frage. "Wie war's, hier in Freiburg zu spielen?". "Toll. Offensichtlich gibt's hier viele Jan-Fans. Einige sind direkt nach seinem Auftritt gegangen." Er lächelt mich an. Was er nicht sagt.

Mission gelungen

Etwas zu glücklich über meinen - objektiv betrachtet - lächerlichen Erfolg, beschließe ich, den Abend unter "gelungen" zu verbuchen. Mein Resümee: ein genialer Live-Act, eine anständige neue Location und nette Leute. Ein paar Meter vor mir sehe ich wieder den Kerl mit der blauen Krone. Den Lolli hat er nicht mehr im Mund - dafür ein Mädchen im Arm. Sie schlendern gemeinsam Richtung Bahnhof. Wenn der geht, dann wird es für mich wohl auch Zeit, mahnt mein Gewissen. Wahrscheinlich hat es recht.

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