Unterschlagung eines Fußballs

David Weigend

Heute Vormittag hat im Freiburger Amtsgericht eine kuriose Verhandlung stattgefunden. Es ging um einen 46jährigen Kleingartenbesitzer, der im Juli 2006 die Herausgabe eines Fußballs, der in seinen Garten fiel, verweigert hat. Das kommt den Metzger nun teuer zu stehen.



Der Tathergang

Am 7. Juli 2006, abends um sieben, spielt die Studentische Kickvereinigung Freiburg auf einem Platz nahe der Staudingerschule Fußball. Einer der Kicker erweist sich als schlechter Elfmeterschütze und schießt den Ball, am Tor vorbei und über einen Zaun hinweg, in die angrenzende Kleingartensiedlung. Sogleich starten drei Spieler, die die Flugbahn des Balls beobachtet haben, um ihr Spielgerät zurückzuholen. An der Parzelle, in der sie den Ball vermuten, wartet bereits der Kleingärtner.

Sichtlich verärgert, denn es ist nicht das erste Mal, das herüber fliegende Bälle seine Ruhe und die Sicherheit seiner Enkelkinder gefährden. Im Garten sitzen einige Gäste des Kleingärtners, man grillt. Es kommt zu einem eher unfreundlichen Wortgefecht zwischen dem Kleingärtner und den Kickern. Einer von ihnen sieht den Ball, ein ganz neues WM-Exemplar und etwa 110 Euro wert, gut 40 Meter vor sich in der Parzelle des abweisenden Kleingärtners liegen. Dieser sagt, der Ball sei nicht bei ihm im Garten gelandet, sondern bei seinem Nachbarn. Nach weiterem Palaver verabschiedet er die Zaungäste mit den Worten: "Verschwindet, ihr habt hier nichts zu suchen!"

Die Ungereimtheiten

Der angeklagte Metzger bestreitet die ganze Sitzung über hartnäckig die Tat. Außerdem gibt er an, die als Zeugen geladenen Kicker nie zuvor gesehen zu haben. Sein Entlastungzeuge, der Freund seiner Tochter, stellt sich bei seiner Aussage ungeschickt an. Er war am besagten Abend als Grillgast anwesend und sagt, man habe sich von einem Fußball gestört gefühlt. Kurz danach revidiert er diese Aussage. Er könne ausschließen, dass ein Ball in der Gartenparzelle gelegen habe. Der Staatsanwalt grinst leicht und nickt vor sich hin.

Das Urteil

Der Angeklagte Peter S. wird wegen Unterschlagung zu fünf Tagessätzen à 150 Euro Geldstrafe verurteilt. Er trägt die Kosten des Verfahrens. Den Spielern der Kickvereinigung nützt dies freilich wenig. "Der Ball ist weg. Wir bekommen ihn nicht wieder und auch kein Geld für einen neuen", sagt einer der Kläger nach dem Prozess.

Das schönste Zitat

Richter zum Angeklagten: "Wenn Sie mich noch einmal unterbrechen, belege ich sie mit einer Ordnungsstrafe, die höher ist, als das Urteil!"