Unter die Maske geschaut: Junge Hästräger im Portait

Julia Bauer

Eine Wühlmaus, ein Ribblinghieler, ein blauer Narr und zwei Schnoogedätscher: wie erleben sie die Fasnet? Wie atmet sich's unter so einer Holzmaske? Und wie kommt man überhaupt in eine Zunft? Hier kommen die Antworten.



Wühlmäuse



"Ich bin Max, 15 Jahre alt. Gemeinsam mit ein paar Freunden bin ich Zunftmitglied der Littenweilermer Wühlmäuse. Es macht mir viel Spaß, auf den Umzügen mitzulaufen. Außerdem muss ich mir so nicht jedes Jahr ein neues Kostüm ausdenken.


Bevor die eigentliche Fasnachtszeit beginnt, muss unsere Zunft jede Menge Vorbereitungen treffen: Essen und Getränke besorgen, die Kasse und den Barbetrieb am Zunftabend organisieren. Die Kostüme werden überprüft und notfalls umgenäht. Dieses Jahr trage ich zum ersten Mal eine Holzmaske. Da die Masken sehr schwer sind, erhält man sie erst ab 16 Jahren. Aber ich werde ja dieses Jahr 16. Das Tragen der schweren Maske während des Umzugs geht ziemlich in den Rücken.

Immer dabei haben wir Männer von den Wühlmäusen die großen roten Scheren, um Taschen zu schnappen. Die Frauen führen Wedel mit sich. Am meisten freue ich mich auf unseren Zunftabend und den Rosenmontagumzug. Dieses Jahr sind die Wühlmäuse auf sieben bis acht Umzügen vertreten, das sind viel mehr als im vergangenen Jahr. Unser traditioneller Narrenruf lautet: „Wühl-mäuse!“

Über den Namen der Zunft, die 1948 gegründet wurde, war man sich lange uneinig. Erst kam der Name „Kuhwedel“ auf. Dann einigte man sich aber doch anders. Denn in den alten Littenweilermer Kellern gab es früher viele Wühlmäuse und deshalb sagt man heute: An Fasnacht kommen die Wühlmäuse aus den Kellern! Ein paar meiner Mitschüler finden es peinlich, in Häs herumzulaufen. Da ich aber großer Fasnachtsfan bin, ist mir das egal."

Ribblinghieler



"Ich bin Florian, 13 Jahre alt und Zunftmitglied bei den Ribblinghieler. Viele Freunde, die ich teilweise schon aus dem Kindergarten kenne, sind auch in der Zunft. Deshalb sind ich und der Großteil meiner Familie auch beigetreten. Nur mein Papa nicht, der mag kein Fasnacht.

Von den Vorbereitungen bekomme ich wenig mit. Meine Mutter trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat mit den anderen Zunftmitgliedern. Vor dem Umzug müssen unsere weißen Kragen ordentlich gebügelt werden, damit keine Falten zu sehen sind.

Masken gibt es bei uns ab 16 Jahren, aber wenn die Eltern einverstanden sind, kann man schon ab 14 Maskenträger werden. Allerdings sind die Masken ziemlich schwer und man sieht sehr wenig. Das Wiedererkennungsmerkmal der Ribblinghieler ist unser Heulen. Wir heulen zwar nicht wirklich, aber unsere Masken umso mehr. Dazu der Fasnachtsruf: „Ribblinghieler musch nit hiele, Mama nimmt dich!“

Am liebsten mag ich an Fasnacht die Umzüge, denn ich finde es toll, an die Kinder Süßigkeiten zu verteilen. Leider mögen viele Mitschüler Fasnacht überhaupt nicht. Aber die teilweise blöden Kommentare überhöre ich einfach, denn ich finde Fasnacht einfach schön."

Blaue Narre



"Ich bin Marco, 17 Jahre alt und seit meinem dritten Lebensjahr in der Zunft. Mit den blauen Narren bin ich aufgewachsen. Natürlich müssen wir vor den Fasnachtstagen einiges organisieren: Zu welchen Umzügen gehen wir? Wie soll der Zunftabend aussehen? Ich freue mich schon seit November auf die Umzüge. Am liebsten mag ich den am Rosenmontag, das ist das Highlight der Fasnet. Man sieht die vielen Leute am Rande des Umzugs und weiß genau: die kommen nur, um dich zu sehen. Das ist sehr beeindruckend. Wir fallen auf durch unser blaues Häs, durch die vielen silbernen Glocken und die Maske. Klar höre ich auch negative Kommentare über Fasnacht und Zünfte. Viele meinen, dass Fasnacht nur aus Saufen und Party besteht. Aber ich finde, da steckt viel mehr dahinter. Unsere Zunft ist schon seit 1939 aktiv und unsere Traditionsfigur ist der Gumber.

Der trägt einen Gürtel mit kleinen Glocken und eine holzfarbene Maske.Ich trage während der Umzüge auch eine Maske. Sie schränkt mein Blickfeld leider extrem ein. Ich muss jedes Mal meinen Kopf drehen, wenn ich nach rechts oder links schauen möchte. Außerdem bekommt man manchmal Schwierigkeiten mit der Luftzufuhr. Ich habe auch schon mal Konfetti unter die Maske bekommen und musste daraufhin kurzzeitig den Umzug verlassen, da ich alles in den Mund und in die Nase bekommen habe."

Schnoogedätscher



"Wir sind beide 15 Jahre alt und heißen Virginia (links) und Rosita. Wir sind Neumitglieder der Schnoogedätscher Mooswald. Virginia: Ich war schon als Kind total begeistert von den Narrenzünften, aber meine Eltern wollten da nie rein. Jetzt bin ich 15 und hab mir gedacht, ich probiers mal. So bin ich auf die Schnoogedätscher gestoßen. In viele Zünfte kommt man unter 16 oder 18 Jahren als Einzelmitglied gar nicht rein. Die Schnoogedätscher treffen sich immer im Rhodia-Stüble in Zähringen. Da ich dort in der Nähe wohne, habe ich mir so ein Treffen mal angeschaut.

Rosita: Ich wohne zwar in Littenweiler, aber mir hat diese Zunft so gut gefallen, dass ich ebenfalls beigetreten bin. Das Gemeinschaftsgefühl in der Zunft ist toll. Und natürlich die Umzüge, die Stimmung und die Zunftabende.

Klar gibt’s viel tun: Halle dekorieren zum Beispiel, aber darum kümmern sich vor allem die älteren Zunftmitglieder. Wir müssen einfach nur unser Häs anziehen. Unsere Markenzeichen sind die roten Datschen und unsere Halbmasken. Unsere Zunft ist die einzige in Freiburg, die nur Halbmasken trägt. Unser Fasnachtsruf lautet: „Schnooge-Dätscher!"

Wir gehen auf dieselbe Schule. Die Reaktionen in unsere Klasse sind ziemlich gemischt: die einen finden es peinlich, die anderen lustig."

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