Unser täglich Dutt gib uns heute

David Weigend

Die Besucher der heutigen Pressekonferenz beim SC Freiburg wurden Zeuge eines erstaunlich emotionalen Auftritts von Cheftrainer Robin Dutt, der in einer Art Glaubensbekenntnis die Philosophie des SC Freiburg verteidigte. [Update: Mit Video]



Da sitzt er nun wie jede Woche am Kopf der Tafel des Presseraums am Dreisamstadion: Cheftrainer Robin Dutt, schwarzer Pullover mit V-Ausschnitt, darunter ragt ein weißes Hemd mit dezentem Karomuster hervor. Die Beine sind gemütlich, die Arme entschlossen verschränkt, der Blick wach und ruhig.


Der Trainer wartet auf die Fragen der Journalisten. Die kommen zu Beginn nur langsam. Zusammenfassung:
  • Wer ist verletzt? „Salz, Krmas, Namouchi, Caligiuri. Banovic ist wieder fit.“
  • Erkenntnisse aus dem Leverkusenspiel? „Ich bin mit unserer Leistung in Leverkusen durchaus zufrieden, mal abgesehen von der Phase, als die drei Gegentore fielen. Spielerisch war das ein Schritt nach vorne.“
  • Wie schätzen Sie den nächsten Gegner Schalke 04 ein? „Schalke hat die stärkste Abwehr der Liga. 15 Gegentreffer in 20 Spielen. Die Mannschaft machte aus wenigen Torchancen sehr viel und erreichte somit viele knappe Siege. Wir werden sehr wenig Platz haben am Samstag, viel weniger als in Leverkusen. Schalke überzeugt durch Einsatz, Leidenschaft und Fitness. Die Schalker spielen kämpferisch betont und warten auf Ballverluste des Gegners. Unsere einzige Chance: Wenn Schalke in Rückstand gerät, tun sie sich schwer, das Spiel zu drehen. Wir werden dafür ackern müssen. Dieses Spiel wird noch schwerer als das in Leverkusen.“
  • Ernüchternd: „Wenn beide Mannschaften alles richtig machen, gewinnt Schalke. Wenn alle alles richtig machen, steigt der SC ab.“



Dutts Credo

Dem SWR-Journalisten Uli Hohmann gelingt es mit zwei, drei offensiven Fragen und Feststellungen, die Mr. Cool-Fassade von Robin Dutt ein klein wenig bröckeln zu lassen. Der Trainer zeigt Emotionen und trägt sein SC-Credo vor, in dem er die Philosophie des Vereins verteidigt. Jeden Satz in diesem gut dreiminütigen Vortrag (im folgenden die zentralen Punkte) beginnt Dutt mit „Ich glaube,...
  • dass Schalkes Taktik, so lange wie möglich die 0 zu halten, auf Kosten des Spielstils geht. Für so eine Taktik muss ich niemanden an unserer Fußballschule ausbilden. Das kann nicht unser Stil sein
  • dass durch die attraktive Spielweise Freiburg zu Freiburg geworden ist. Das hat etwas mit der Über-den-Tellerrand-Philosophie zu tun, die hier schon lang vor meiner Zeit eingeführt wurde
  • dass es unsinnig wäre, von dieser Philosophie Abstand zu nehmen und die Schalker Mauertaktik einzuführen, nur, weil wir drei Monate spielerisch nicht geglänzt haben. Es wäre in meinen Augen sogar dann falsch, wenn es mal drei Jahre lang (sic!) bei uns nicht so läuft
  • dass Beharrlichkeit die wichtigste Tugend im Fußball ist
  • dass es nicht nur um kurzfristige Erfolge geht. Klar gilt es, im Profibereich zu bleiben. Aber wir müssen die Tradition beibehalten, mit spielerischen Mitteln zu überzeugen. Am Ende bleiben diese Mannschaften oben und die Mauermannschaften steigen ab.
  • Dass der Vorstand Geduld mit uns hat und ich auch in der Zweiten Liga Trainer bleiben würde. Denn wenn wir spielerisch überzeugen, könnten wir den direkten Wiederaufstieg schaffen. Bis auf Idrissou bleibt unser Kader beisammen
Was: SC Freiburg gegen Schalke 04
Wann: Samstag, 6. Februar 2010, 15.30 Uhr
Wo: Dreisamstadion
Karten: Die letzten 250 Tickets (nur Sitzplätze) sind heute in Verkauf gegangen; man rechnet mit einem ausverkauften Stadion

Video: Dutt erklärt die Freiburger Philosophie