Uniwahl-Check: Juso-Hochschulgruppe

Christian Deker

Am Dienstag ist Uniwahl. Sechs Gruppierungen treten im Rennen um die studentischen Sitze im ASta und Senat an. fudder stellt die Gruppen und ihre Spitzenkandidaten im Vorfeld der Wahl anhand eines Fragebogens vor - heute die Juso-Hochschulgruppe mit ihrem Spitzenkandidaten Thomas Dieker.

 



Wer bist Du? Bitte stell Dich doch kurz vor!

Ich heiße Thomas Dieker, bin 23 Jahre alt und studiere Jura im 6. Fachsemester. Hochschulpolitisch bin ich seit Beginn meines Studiums bei den Jusos aktiv und vertrete die Studierenden bereits auch momentan schon im Senat und im AStA.

Warum sollte man gerade Euch wählen?

Weil wir schon seit Jahren in der Hochschulpolitik wirklich aktiv sind und hier Erfahrung und Kompetenz gesammelt haben. Wir sind engagiert, kennen die Probleme der Studierenden und setzten uns für deren Lösung ein.

Was unterscheidet Euch von den anderen?

Von buf unterscheidet uns, dass wir ein demokratisches, repräsentatives u-Modell aufbauen möchten. Von den anderen hochschulpolitischen Gruppen unterscheidet uns, dass wir uns bereits jetzt aktiv in vielen Uni-Gremien für die Studierenden einbringen und nicht nur einmal im Jahr zum Wahlkampf in Erscheinung treten.

Die Gewissensfrage: u-Modell. Ja? Nein? Vielleicht?

Klar wollen wir ein u-Modell. Aber nicht das derzeitige intransparente und undemokratische, für das buf eintritt. Denn in der Fachschaftskonferenz, dem höchsten beschlussfassenden Gremium dieses Rätesystems, hat jede Fachschaft genau eine Stimme, völlig unabhängig davon, ob es nun die Fachschaft Sinologie oder Zahnmedizin mit je etwa 50 bis 100 Studierenden oder die Fachschaft Medizin oder Jura mit etwa 2000 bis 2500 Studierenden ist.
Auch die Abstimmungen in den einzelnen Fachschaften repräsentieren nicht die Meinung der jeweiligen Studierenden in den Fachbereichen, wie von buf immer behauptet wird, sondern nur die Meinung einer kleinen aktiven Minderheit. Das alles führt zu einer gewaltigen Verzerrung der eigentlichen Mehrheitsverhältnisse.

Warum?

Ein u-Modell brauchen wir, damit der AStA überhaupt eine Vertretung der Studierenden sein kann. Denn offiziell darf er sich nur zu den musischen, sportlichen und kulturellen Belangen der Studierenden äußern. Solange also die Verfasste Studierendenschaft nicht wieder eingeführt wird, wollen wir ein unabhängiges Studierendenparlament einrichten, in dem die Stimme jeder/s Einzelnen gleich viel zählt und die Belange aller Studierenden berücksichtigt werden.



Wie steht Ihr zum Thema Studiengebühren?

Wir lehnen Studiengebühren klar ab. Sie sind unsozial und ungerecht, sie schrecken junge Menschen aus sozial schwächeren Schichten von der Aufnahme eines Studiums ab und belasten die Studierenden finanziell enorm. Auch die Verwendung der Studiengebühren an der Uni lässt viel zu wünschen übrig. Verbesserungen in der Lehre sind, wenn überhaupt, nur marginal spürbar. Dafür wurde fleißig in die Forschung umgeschichtet und Landesfinanzierungen wurden gestrichen. Des Weiteren mildern die Studienkredite die finanziellen Probleme der Studierenden nicht ab. Die hohen Zinsen dieser Kredite führen dazu, dass die Studierenden auch noch lange nach Beginn des Arbeitslebens eine gewaltige Schuldenlast mit sich herumtragen müssen.

Wenn nächstes Jahr der amtierende Rektor Jäger in den Ruhestand geht, hinterlässt er so einiges: unter anderem ein großes Unijubiläum und vielleicht auch eine Elite-Uni. Wie seht Ihr Euer Verhältnis zum Rektorat?

Ausbaufähig, aber das kommt auf den Nachfolger an. Rektor Jäger hat sich nicht gerade als Freund der Studierenden präsentiert mit seinem Engagement hinsichtlich der Einführung von Studiengebühren. Auch sein Führungsstil in Unigremien war teilweise eher autokratisch und nicht so, wie man es sich gewünscht hätte. Aber es gab auch immer wieder Situationen, in denen man mit dem Rektorat konstruktiv diskutieren konnte.

Wo seht Ihr an der Uni Freiburg den größten Handlungsbedarf? Was sind Themen, die den Studenten und Euch unter den Nägeln brennen?

Im Moment ist das ganz klar der UB-Umbau. Die Unannehmlichkeiten für die Studierenden müssen möglichst gering gehalten werden und der kostenlose Transport zur Stadthalle muss für Studierende ohne Semesterticket gesichert sein.
Auch in Gleichstellungsfragen hat die Universität einen großen Aufholbedarf – das haben jetzt auch nochmals die Begutachtungen im Rahmen der Exzellenzinitiative gezeigt. Weniger als 13 Prozent der Professuren sind von Frauen besetzt – und weniger als 15 Prozent der Habilitationen werden von Frauen vorgelegt.
Darüber hinaus gibt es hinsichtlich des Studentenwerks noch einige kritische Punkte. Die Kosten für das Semesterticket dürfen nicht weiter erhöht werden, es müssen faire Preise in den Mensen eingehalten werden und die Studierendenwohnheime müssen ausgebaut werden und weiterhin günstig bleiben.

Viele haben gegen die ASta-Wahlen das Vorurteil, dass sich hier Studenten nur als „Jung-Politiker“ profilieren wollen. Was sagt Ihr dazu?

Die Arbeit in den Uni-Gremien ist sehr arbeitsintensiv. Das machen wir nicht einfach für den Lebenslauf, sondern weil wir persönlich etwas verändern wollen – zum Wohle aller Studierenden. Dies kostet viel Zeit und Mühe und man braucht dazu schon eine große Portion Idealismus.
Natürlich gibt es aber auch diese „Jung-Politiker“. Das sind aber meist diejenigen, die sich in keinen Gremien engagieren und immer dann nicht zu finden sind, wenn es wirklich was zu tun gibt.

Sonst noch was?

Wir möchten noch mal alle Studierenden aufrufen, wählen zu gehen. Vorzugsweise natürlich uns. Es ist aber wichtig, dass wir Studierenden überhaupt wählen gehen. Denn eine Wahlbeteiligung von unter 15 Prozent wie in den vergangenen Jahren ist für diese Universität schon traurig. Außerdem kann man dem Rektorat und den Profs mit mehr Gewicht entgegentreten, wenn man eine breite Mehrheit der Studierenden hinter sich weiß. Das hilft dann auch der gesamten Studierendenvertretung und somit den Interessen aller Studierenden.

Mehr dazu: