Uniwahl-Check: Die Linke.SDS

Christian Deker

Übermorgen ist es soweit: Die Studierenden der Uni Freiburg wählen den neuen Senat und den ASta. Es kandidieren sechs Listen, eine davon ist Die Linke.SDS. Spitzenkandidatin Julia Meier stellt das Wahlprogramm im Rahmen der zehn fudder-Fragen vor, die sie per E-Mail beantwortet hat.

 



Wer bist Du? Bitte stell Dich doch kurz vor!

Mein Name ist Julia Meier. Ich bin 23 Jahre alt und studiere Mathematik auf Diplom. Ich bin seit 2001 in der Friedens- und globalisierungskritischen Bewegung aktiv und seit Mai dieses Jahres Mitglied im Bundesvorstand von Die Linke.SDS (Anmerkung der Redaktion: Julia Meier ist im Bild oben links zu sehen).

Warum sollte man gerade Euch wählen?

Wir stehen in der Tradition von Rudi Dutschkes SDS für eine kämpferische Studentenvertretung und setzen uns für eine allgemeinpolitische Debatte an der Uni ein. Wir brauchen wieder mehr kritische Wissenschaft und Forschung an den Hochschulen und wollen deshalb die Unis politisieren und Protest organisieren.

Was unterscheidet Euch von den anderen?

Die Entwicklung an den Hochschulen ist nicht losgelöst von der Gesellschaft. Studiengebühren, BA/MA statt Diplom/Magister usw. sind Teil eines neoliberalen Projekts. Die Linke.SDS und Die Linke stehen für eine Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums um Bildung, Gesundheitsversorgung und andere öffentliche Dienste wieder für alle Menschen verfügbar zu machen.

Die Gewissensfrage: u-Modell. Ja? Nein? Vielleicht?

Ja!

Warum?

Da die verfasste Studierendenschaft 1977 von der CDU verboten wurde, um die Studentinnen und Studenten politisch mundtot zu machen, wollen und brauchen wir ein u-Modell. Wir wollen dazu beitragen, die studentische Interessensvertretung zu politisieren und setzen uns für die Wiedereinführung der verfassten Studierendenschaft – wie es sie auch in anderen Bundesländern gibt – ein. Wenn Menschen zu selbstständigem Denken erzogen werden sollen, dann müssen sie auch das Recht haben, ihre Meinung zu äußern und ihre Interessen zu vertreten.



Wie steht Ihr zum Thema Studiengebühren?

Wir lehnen jegliche Form von Studiengebühren ab, denn sie bedeuten eine noch schärfere soziale Selektion. Entgegen den Wünschen von Oettinger und Schafen und vieler Kapitalgesellschaften darf es an der Uni nicht um „Investitionen in Humankapital“, sondern um freie Bildung gehen. Und diese darf nicht nur Reichen zugänglich sein.

Wenn nächstes Jahr der amtierende Rektor Jäger in den Ruhestand geht, hinterlässt er so einiges: unter anderem ein großes Unijubiläum und vielleicht auch eine Elite-Uni. Wie seht Ihr Euer Verhältnis zum Rektorat?

Die Frage ist eher, wann wir wieder mit 1.000 Leuten drinsitzen und dort Teach-Ins veranstalten. Der Rektor lässt sich das Jubiläum von BASF, der Deutschen Bank, Südwestmetall und Mercedes sponsern, anstatt Studierende und Beschäftigte ins Zentrum zu stellen. Mit der Exzellenz-Initiative wird die Universität noch mehr an den Profitinteressen weniger Konzerne ausgerichtet, anstatt dem Lern- und Wissensbedürfnis der meisten Menschen entgegen zu kommen.

Wo seht Ihr an der Uni Freiburg den größten Handlungsbedarf? Was sind Themen, die den Studenten und Euch unter den Nägeln brennen?

Vorlesungen und Seminare sind überfüllt, es fehlt Geld für genügend Tutorate, Diplom- und Magisterstudiengänge werden abgeschafft und durch Ba/Ma ersetzt und über niedriges Bafög und hohe Gebühren werden viele junge Menschen am Studium gehindert – was übrigens auch die Pisa-Studie kritisiert. Gleichzeitig haben Abteilungen, die für die Wirtschaft forschen und Drittmittel einwerben, verhältnismäßig viel Geld. Das muss sich ändern: die Universität ist nicht für die Wirtschaft da, sondern für alle Studentinnen und Studenten und sollte der kritischen Forschung und Wissenschaft dienen.

Viele haben gegen die ASta-Wahlen das Vorurteil, dass sich hier Studenten nur als „Jung-Politiker“ profilieren wollen. Was sagt Ihr dazu?

Wenn RCDS und die Liberale Hochschulgruppe im Senat Parlament spielen wollen und die JuSos zu diesem Zweck ein StuPa fordern, dann stimmt das Vorurteil vielleicht. Das Problem ist jedoch ein anderes: weder der AStA noch die wenigen studentischen Vertreterinnen und Vertreter im Senat haben die Möglichkeit, auf grundlegende Belange der Studentinnen und Studenten Einfluss zu nehmen. Wir brauchen also mehr politische Öffentlichkeit an der Uni, nicht weniger und wir brauchen deshalb die Wiedereinführung der verfassten Studierendenschaft.

Sonst noch was?

Anfang Juni haben Zehntausende friedlich den G8-Gipfel blockiert, darunter auch viele Studentinnen und Studenten aus Freiburg. In diesem Sinne setzen wir uns genauso für die Abschaffung der Studiengebühren wie auch für ein Ende des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan ein, denn die Welt endet nicht an den Ausgängen der Universität. Wir wollen Studierende mit Schülern, Gewerkschaftern und Erwerbslosen zusammen bringen, für eine gerechte Gesellschaft in der Menschen wichtiger als Profite sind.

Mehr dazu:

  • Uniwahl-Check Teil 3: RCDS