Drogenrückstände analysiert

Universität Freiburg: In Heroin ist oft kaum Heroin

dpa

Wenn Drogenabhängige sich ihren Schuss setzen, ist im Heroin oft kaum noch Heroin - es wurde von Dealer zu Dealer immer weiter gestreckt. Analysiert wurde das von der Uni Freiburg.

Das geht aus einer nach Angaben der Stadt Frankfurt am Main bundesweit einmaligen Studie hervor, die am Montag vorgestellt worden ist. Bei der Analyse von Drogenrückständen aus Frankfurter Konsumräumen wurden demnach durchschnittliche Heroingehalte von nur neun Prozent gemessen.


Mitarbeiter der Räume, in denen sich Abhängige unter Aufsicht Drogen spritzen können, hatten im Auftrag des Drogenreferats Verpackungen und Spritzenfilter aufbewahrt. Aus den Anhaftungen wurden Proben gewonnen, die von Toxikologen des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Freiburg analysiert wurden. Die häufigsten dort konsumierten Drogen waren Heroin und Kokain.



Die Drogen waren viel stärker gestreckt waren als erwartet: Im Mittel der 165 untersuchten Heroin-Proben habe man einen Heroingehalt von nur neun Prozent festgestellt, berichtete Toxikologe Prof. Volker Auwärter. Die Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht geht davon aus, dass der Wirkstoffgehalt von Heroin beim Konsum um die 20 Prozent liegt. Der Rest sind Begleitstoffe und Streckmittel, zum Beispiel Koffein oder Paracetamol.
Hintergrund

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland steigt seit 2012 kontinuierlich an. Das geht aus dem jüngsten "Kurzbericht zur Situation illegaler Drogen in Deutschland" hervor, den die Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht veröffentlicht.
  • Tote: 2016 kamen dem Bericht zufolge bundesweit 1333 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen ums Leben.
  • Notfälle: Die Anzahl der drogenbezogenen Notfälle hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt, 2015 lag er bei knapp 24 000.
  • Konsum: 14,4 Millionen Erwachsene sowie knapp eine Million Jugendliche haben zumindest einmal in ihrem Leben eine illegale Droge konsumiert.
  • Heroin: Für die Zahl der "riskanten Konsumenten" von Heroin gibt es nur Schätzungen, sie liegen zwischen 58.000 und 164.000.