United World College: Im August ziehen 100 Schüler ein

Sina Gesell

Am knapp 44 Millionen Euro teuren United World College im Freiburger Osten arbeitet man mit Hochdruck. Im August werden die ersten Schüler erwartet. Die Bauarbeiten in der Kartaus bezeichnen die Verantwortlichen als "gewisses Abenteuer."



Die Schüler, die vom kommenden Schuljahr an das United World College (UWC) in der Kartaus besuchen werden, sind bereits ausgewählt, die Bauarbeiten noch in vollem Gange. Die Verantwortlichen geben sich aber zuversichtlich: "Wir sind im Zeitplan, im August können die Schüler einziehen", sagt Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. Die Stiftung hat als Bauherrin für die Um- und Neubauten des internationalen Internats 40 Millionen Euro bereitgestellt, muss aber nachlegen. "Wir bleiben unter 44 Millionen", sagt Hamm.


Der Kran hievt schwere Lasten von A nach B, die zukünftige Mensa und das Auditorium sind noch eingerüstet und einige Bauarbeiter legen gerade einen kleinen Vorplatz zwischen den Wohnwürfeln an. Schon am 20. August sollen dort 100 Schüler 70 unterschiedlicher Nationen einziehen. 25 von ihnen kommen aus Deutschland, vier aus Baden-Württemberg. Sie werden zu viert in einem Zimmer wohnen, Mädchen und Jungen nach Etagen getrennt.

Eines der Zimmer ist bereits mit dem Nötigsten – Schreibtische, Schränke, Betten und Raumteiler – eingerichtet. Im Erdgeschoss hat jedes Haus einen Gemeinschaftsraum mit Panoramafenster, Tisch, Stühlen und Sofas, eine Küchenzeile wird noch eingebaut. Zudem hat jeder Wohnwürfel auch eine Terrasse, die noch mit Liegestühlen bestückt werden soll. In einem der Häuser werden einige Lehrer wohnen, ein weiteres wird behindertengerecht ausgestattet.

Arsen und Asbest

Bei einer Baustellenbegehung weist Kirstin Maric, Projektleiterin der Stiftung, noch einmal auf einige Unwägbarkeiten während der Bauarbeiten hin, die nun seit drei Jahren in der denkmalgeschützten Kartaus laufen. Neben archäologischen Funden haben Altlasten wie Arsen und Asbest die Arbeiten erschwert, kürzlich wurde noch Hausschwamm in einem Gebäude entdeckt, das nun aufwendig saniert werden müsse. "Um die Kosten zu kompensieren, verwenden wir an manchen Stellen einfachere Materialien", sagt Maric.

Vollständig abgeschlossen werden die Bauarbeiten bis zum Schuljahresbeginn am 1. September nicht sein. Ingrid Hamm rechnet damit, dass die letzten Arbeiter Ende des Jahres abrücken können. Derzeit seien noch mehr als 200 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Der Schulbau liegt im Zeitplan, versichert Hamm, und wird im Jubiläumsjahr der Robert-Bosch-Stiftung eröffnet , die 2014 ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Die Oberstufenschule ist das bisher größte Einzelprojekt der Stiftung und wird das 13. UWC weltweit sein sowie das erste in Deutschland. Die Schwerpunkte der Schule liegen auf Umwelt, Technik und Nachhaltigkeit. Besonders wichtig ist zudem soziales Engagement, wie Christian Bock, der akademische Leiter betont. "Die Schulsprache wird Englisch sein, aber alle Schüler sind angehalten, auch Deutsch zu lernen", sagt Bock. Zwei Jahre werden diese das UWC besuchen. Die ersten sechs Monate seien darauf ausgelegt, die Schüler auf das gleiche Niveau zu bringen.

Während einige der Zimmer schon fast bezugsfertig scheinen, sind Auditorium und Mensa noch eine große Baustelle. Die Mensa befindet sich im Erdgeschoss des Gebäudes, wo sich einige Bauarbeiter um einen improvisierten Tisch scharen und Mittagspause machen. Bald werden hier Schüler und Lehrer verköstigt. Architekt Matthias Hotz zeigt die Baupläne: Wo jetzt noch Bauschutt liegt, soll die Mensa einen Außenbereich bekommen, die noch nackten Wände sollen weiß gestrichen und der Boden mit rotem Linoleum bestückt werden. Noch hängen Kabel von der Decke.

Bauarbeiten sind "gewisses Abenteuer"

Eine Etage darüber, im zukünftigen Auditorium, sollen 300 Personen Platz finden. "Dort können die Schüler gemeinsam diskutieren. Das UWC versteht sich schließlich auch als internationales Parlament", sagt Ingrid Hamm. Ebenso können Musik- oder Theaterveranstaltungen dort stattfinden. Wände und Decke sollen noch in Holz gekleidet werden – das Auditorium soll sich in die Natur einfügen, wie Architekt Hotz sagt. Durch die Glasfassade haben die Schüler freien Blick auf den Klostergarten. "Auf die Lage sind wir sehr stolz", sagt Ingrid Hamm. Auch wenn die Bauarbeiten am Hang über der Dreisam ein "gewisses Abenteuer" seien, habe man die Herausforderung gerne angenommen – und bisher auch gemeistert.

Das Freiburger UWC

Im ersten Schuljahr sollen 100 Oberschüler am UWC unterrichtet werden, vom zweiten Schuljahr an 200. Zudem werden 21 Lehrer dort angestellt sein, darunter 14 internationale und sieben aus Freiburg. Das Land Baden-Württemberg übernimmt mit 2,5 Millionen jährlich die Hälfte der laufenden Kosten, der Rest wird durch Spenden und Zustiftungen finanziert. Das Schulgeld soll an die Einkommensverhältnisse der Eltern angepasst werden.

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[Foto: Ingo Schneider]