Uni-Theatergruppe Schall & Rauch spielt Ibsens "Die Frau vom Meer"

Euch

Ausbrechen und alles hinter sich lassen, ohne Blick zurück. Danach sehnen sich die Menschen in Henrik Ibsens "Die Frau vom Meer". Schall & Rauch bringt das Stück in einer zeitgenössischen Inszenierung auf die Bühne, mit tanzendem Hai und Party am Pool – wenn nur das Wasser noch warm wird:



Premiere minus vier Tage
Backstage steht ein halbes Dutzend Wasserkocher, die Ensemblemitglieder zum Leid ihrer Mitbewohner aus WG-Küchen entwendet und in den Theatersaal gebracht haben. Für die Kunst. Zwischen den Wasserkochern bekommen die Schauspieler einen neues Anstrich – Falten hier, viel zu viel Lidschatten dort, Maskara für alle. Einer der Statisten sitzt auf dem Boden und hält einen Tauchsieder in einen Putzeimer. Der Pool ist doch größer als gedacht, aus den Leitungen kommt nur eiskaltes Wasser und das mit den Teekochern ist irgendwie mühsam.

Dieses Problem werden wir wohl auch noch in den Griff bekommen, ansonsten hat sich die Bühne schon ins Everland-Resort verwandelt, Setting unseres diessemestrigen Stücks. Hier lebt Hotelleiter Wangel mit seiner zweiten Frau Ellida und den beiden Töchtern aus erster Ehe. Der Besuch eines alten Freundes und die Schauergeschichten, die einer der Gäste erzählt, bringen die sonnige Glitzerwelt dieser Perle des Pauschaltourismus ins Wanken und stürzen Ellida in eine Krise – so scheint es zumindest, denn die Gründe für ihre Stimmungsschwankungen liegen tiefer in der Vergangenheit.

Premiere minus vier Monate

Ibsen also. Das Ensemble hat abgestimmt, wir spielen im Wintersemester „Die Frau vom Meer“. Nur wie, das ist die Frage. Wie können wir ein Stück aus dem Jahr 1888 in die Gegenwart transportieren ohne unterwegs zu verlieren, was es ausmacht? Wie können wir in unserem kleinen Theatersaal das große, weite Meer heraufbeschwören, sodass die Zuschauer es rauschen hören? Und was zum Teufel machen wir mit der Figur, der Ibsen den undankbaren Namen Bolette verpasst hat?

Letzteres Problem ist schnell gelöst: Bolette heißt jetzt Tine. Und Tine lebt nicht an einem Fjord im ausgehenden 19. Jahrhundert, sondern in einem Hotelresort direkt neben der Küste. Wie am Fjord ist im Everland das Meer so nah – und trotzdem unerreichbar. Man bleibt halt doch am Pool.

„Die Frau vom Meer“ ist ein Stück über die Frage, ob es irgendwo da draußen noch mehr gibt als das eigene, beengte Leben; über Kontrolle in zwischenmenschlichen Beziehungen und die Abgründe der menschlichen Psyche. Die Hotelidylle des Everland ist nur Fassade.



Von der Everland-Idee zum Erhitzen des Poolwassers: Dazwischen liegt ein Semester Arbeit an Text und Figuren, an Bühne und Kostümen, an Plakaten und Soundtrack. Zwischendurch sind wir vom Fahnenbergplatz, wo wir ja eigentlich ab diesem Semester spielen sollten, doch wieder zurück in unseren Theatersaal gezogen – der Umbau verzögert sich, das Literaturhaus kommt erst später und so ist es nun doch an uns, den Saal mit Leben und Kunst zu füllen.

Das Wasser haben wir warm bekommen, und jetzt liegt nur noch die Generalprobe vor uns, bis wir Publikum im Everland begrüßen können, zu 80 Minuten Ibsen – mit ein bisschen Urlaubsfeeling, und ein bisschen Beklemmung und viel Meer.

Mehr dazu:

Was: Schall & Rauch spielt „Die Frau vom Meer“ nach Henrik Ibsen
Wann: 29./30./31. Januar sowie 5./6./7. Februar, jeweils 20.00 Uhr
Wo: Theatersaal der Alten Universität, Bertoldstraße 17, 79098 Freiburg
Tickets: 5 Euro / 3 Euro, im Vorverkauf in der Buchhandlung Schwanhäuser (Bertoldstraße 23) und an der Abendkasse    

Fotos: Schall & Rauch

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