Stadtwandforschung

Uni Freiburg will mit Kunstaktion eine Debatte über Künstliche Intelligenz anregen

Anika Maldacker

Künstliche Intelligenz trifft Streetart: Die Uni Freiburg beteiligt sich mit dem Projekt "Stadtwandforschung" am Wissenschaftsjahr 2019 und lässt Künstler Wände, eine Tram und das Sonnensegel besprühen.

Einerseits ein Horrorszenario von Robotern, die wie bei den Terminator-Filmen die Weltherrschaft an sich reißen. Andererseits die Utopie, Künstliche Intelligenz löse alle Probleme. Zwischen diesem Spannungsfeld findet die Debatte über Künstliche Intelligenz (KI) statt. Die Albert-Ludwigs-Universität will im Projekt "Stadtwandforschung" herausfinden, wie zwischen diesen Extremen über KI diskutiert wird. Streetart-Künstlerinnen und -Künstler werden ab kommender Woche fünf Wände und eine Straßenbahn in Freiburg bemalen. Ab Juni ist die Kunst dann in der Stadt sichtbar. Die Motive: Noch geheim. Sie sollen sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz befassen und wollen eine Debatte über die KI der Zukunft und ihren Stellenwert in der Gesellschaft anstoßen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.


Drei Orte für die fünf Murals, also die großformatigen Wandbilder, sind bekannt. Die anderen zwei suchen die Projektleiterinnen Mathilde Bessert-Nesselbeck und Sabrina Livanec. Fest steht schon, dass Künstler eine Tram, den Durchgang bei der Fabrik an der Habsburgerstraße, eine Wand des KG III an der Humboldtstraße – und auch das Sonnensegel an der Unibibliothek ab Ende Juli besprühen.

Erstes Wandbild wird schon nächste Woche gesprüht

Das erste Wandbild wird ab Juni am Kulturzentrum Fabrik an der Habsburger Straße zu sehen sein. Kommende Woche beginnen die Künstler zu sprayen. Parallel dazu wird ab 1. Juni bis 31. November auch eine Straßenbahn mit einem Mosaik aus Motiven durch Freiburg fahren. Die Motive werden von regionalen und überregional bekannten Künstlern entworfen und gesprayt. Jedes der Motive wird in einem Tandem aus Kunstschaffendem und Forschendem entwickelt. "Das Motiv soll nicht reine Provokation sein", erklärt Philipp Kellmeyer vom Neuromedical AI Lab der Universität. Provokativ verkürzen wolle man schon, doch eine bestehende Spannung im Thema dann auch auflösen.

Die Auswahl der Künstler traf das Kulturaggregat, das in das Projekt involviert ist. "Das sind bekannte Künstlerinnen und Künstler, die sich für das Thema Künstliche Intelligenz interessieren", erklärt Darwin Zulkifli vom Kulturaggregat. Der Freiburger Streetart-Künstler Smy und die Künstlerin Sare sind dabei, Marc Wöhr und Fritz Boogie aus Stuttgart, sowie das Künstlerteam Innerfields aus Berlin. Von wissenschaftlicher Seite bilden Freiburger Forschende den Gegenpart: Wolfram Burgard, Professor für Informatik, Philipp Kellmeyer, KI-Ethiker und Neurologe, Joschka Bödecker, Juniorprofessur für Neurorobotik und der Freiburger Informatikerin Marina Kollmitz. Die fünfte Wand wird zwischen der Freiburger Künstlerin Sare und der japanischen KI-Wissenschaftlerin Yukie Nagai stattfinden, wenn letztere am 22. Juni zur Fachtagung "Robotic: Science and Systems" nach Freiburg kommt.

Projekt soll Wahrnehmung zu KI ergründen

Ausstellungen, Graffiti- und KI-Workshops sowie Diskussionsformate begleiten die gesprayten Stadtwände. Am 21. Juni steht Informatik-Professor Wolfram Burgard mit weiteren Gästen bei einer Straßenbahnfahrt Rede und Antwort beim Thema Künstliche Intelligenz und Streetart. Ab Juli sollen jeden Dienstag sogenannte Wandgespräche an den gesprayten Mauern stattfinden. Forschende und Kunstschaffende wollen dort von ihrer Arbeit berichten. Im September werden im Kulturaggregat Workshops angeboten. Ab dem 14. September beginnt dort die Ausstellung, die die Gemälde nochmals aufgreift und wo eventuell schon Erkenntnisse aus der Darstellung im städtischen Raum vorgestellt werden.

Denn von der Stadtwandforschung erhofft sich die Wissenschaft auch Ergebnisse dazu, wie über Künstliche Intelligenz in der Gesellschaft debattiert wird, wo die Ängste liegen, wo die Hoffnungen und welche Art der Visualisierung funktioniert und welche nicht.

Stadtwandforschung ist der Beitrag der Uni Freiburg zum "Wissenschaftsjahr 2019 – Künstliche Intelligenz" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Das Ministerium will damit eine gesellschaftliche Debatte über Künstliche Intelligenz anregen. Wie wollen wir die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine gestalten? Die Uni Freiburg geht dieser Frage schon länger nach. Beispielsweise mit der Professur von Oliver Müller, der zur Philosophie der Gegenwart und Technik innerhalber des Exzellenzclusters BrainLinks – BrainTools forscht. An dieser Professur ist auch das Projekt Standwandforschung angesiedelt.
Was: Stadtwandforschung, ab Juni 2019

Tramgestaltung: 1. Juni bis 31. November

Tramgespräche: 21. Juni, Tramlinie 4, 16 bis 17 Uhr, 19 bis 21 Uhr)

Wandgespräche: immer dienstags, 19 Uhr

Graffiti- und KI-Workshop: 2. bis 5. September

Ausstellung: 14. September bis 12. Oktober, Kulturaggregat, Hildastraße

Wandexpeditionen: jeweils am 18. Oktober, 2. November und 16. November, Treffpunkt Hildastraße 5, 13 Uhr