Umfrage

Uni Freiburg weiter im Rennen um Exzellenz-Uni: Das sagen Freiburger Studierende dazu

Anika Maldacker

Die Albert-Ludwigs-Universität behält ihre beiden Exzellenzcluster und hat weiterhin Chancen auf den Titel einer Exzellenz-Universität. Fudder hat Freiburger Studierende nach ihrer Meinung befragt.

Eine Expertenkommission, zu der auch Wissenschaftsministerin Anja Karliczek zählt, hat am Donnerstag bekanntgegeben, dass auch zwei Forschungscluster der Uni Freiburg durch die Exzellenzstrategie gefördert werden können.


Dazu zählt das in der Biologie angesiedelte CIBSS – Centre for Integrative Biological Signalling Studies – und Living Adaptive and Energy-autonomous Materials Systems (livMatS), der Materialwissenschaft zugehörig. Beide Cluster können ab Januar 2019 gefördert werden. In den kommenden sieben Jahren können also bis zu 100 Millionen Euro zusätzlich in die Spitzenforschung auf dem Gebiet der biologischen Signalforschung und der bioinspirierten Materialforschung in Freiburg fließen.

Das sagen Freiburger Studierende dazu:



Laura Börnert, 24, Master Biologie, 3. Semester:

Wir haben uns im Labor alle sehr drüber gefreut, dass beide Forschungscluster der Uni Freiburg angenommen wurden. Ich hoffe, dass dadurch das Lehrangebot verbessert werden kann. Als das Vorgängercluster von CIBSS, das Bioss gefördert wurde, sind drei neue Professuren entstanden. So werden neue Lehrangebote gefördert. Ich habe meinen Bachelor der Biologie an der Uni Freiburg gemacht und bin nun im Master. Mein Schwerpunkt sind die Angewandten Biowissenschaften. Da ist viel synthetische Biologie dabei, mein Betreuer der Masterarbeit wird auch beim Fördergeld bedacht. Daher ist das Labor gut ausgestattet.

Nadine Urban, 25, Bachelor Biologie 6. Semester:

Ich finde es super, dass die Uni Freiburg weiter gefördert wird. Vor allem hoffe ich, dass sich nun das Lehrangebot weiter verbessert. Die Biologie ist schon jetzt gut, durch das Förderprogramm BIOSS (Centre for Biological Signaling Studies), das demnächst ausläuft. Durch die neue Förderung bekommen wir Studierende hoffentlich mehr Einblick in Felder wie synthetische Biologie. Ich hoffe, dass sich das Angebot noch erweitert. Als ich mich für Freiburg als Studienort entschieden habe, habe ich nicht so darauf geachtet, ob Freiburg einen Exzellenztitel hat oder nicht. Bei der Entscheidung für den Master hat die Förderung aber schon eine Rolle gespielt.



Robert John, 30, Promotion am Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und nachhaltige Entwicklung

Ich glaube, dass die Exzellenzinitiative eine große Chance für die Uni bedeutet und dafür sorgt, dass sich in den geförderten Fachbereichen der Betreuungsschlüssel oder die Ausstattung der Laboratorien verbessert. Ich sehe diese Exzellenzstrategie aber auch kritisch, denn die Universitäten treten dadurch miteinander in Wettbewerb. Klar, Wettbewerb belebt den Markt, aber letztendlich kommen so privatwirtschaftliche Interessen in die Unis. Das Geld fließt in die Bereiche, die eng mit der Wirtschaft verbunden sind. Für kritische Wissenschaften, wie Sozialwissenschaften, ist die Förderung vermutlich schwerer.



Carolin Ehlert, 22, Humanmedizin, 7. Semester

Ich finde es prinzipiell gut, Universitäten Gelder zu geben, um mehr in Forschung und Wissenschaft zu investieren. Allerdings hat die Entscheidung keine direkten Auswirkungen auf mich oder meine Kommilitonen, dadurch befassen sich die wenigstens mit diesem Thema. Ich wusste zwar, dass Freiburg wohl eine gute Uni sei, habe mich bei der Wahl des Studienortes aber nicht weiter darüber informiert. Ich war einfach froh, überhaupt einen Studienplatz bekommen zu haben. Alles in allem hoffe ich, dass trotz der neu gewonnenen Förderungen Ausbaufähigkeiten in der Lehre nicht aus den Augen geraten.



Moritz Findeisen, 30, promoviert in der Theologie

Ich finde es wichtig, dass es in der Bildung einen Wettbewerb gibt. Das sollte auch für das Schulsystem gelten. Wenn Lehre und Forschung von außen bewertet werden, können sich die Studienbedingungen und die Forschung doch nur verbessern. Soweit ich weiß, erweitert die Exzellenzstrategie das bestehende Angebot und schränkt es nicht ein. Ich vermute, dass die Uni durch eine solche Förderung auch im internationalen Vergleich stärker wird. Mich selbst hat es in meiner Studienwahl 2007 nicht beeinflusst, dass die Uni Freiburg damals eine Exzellenz-Uni war.



Carmen Eger, 26, Promotion beim geförderten Cluster livMatS

Ich promoviere nach meinem Master "Sustainable Materials – Polymer Sciences" zu "Bioinspirierten hygroskopischen Aktuatoren für die Architektur". Der livMatS-Cluster fördert die Erforschung und Entwicklung von adaptiven und energieautonomen Materialien, welche uns die Natur als Vorbild liefert. Solche Materialien sind wichtig, um den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht zu werden. Der livMatS-Cluster hilft uns Promotionsstudenten unsere Forschung voranzutreiben und fördert somit letztendlich auch Studenten, die von unserem Wissen und dieser Expertise profitieren. Ich und meine Arbeitsgruppe freuen uns über diese positive Rückmeldung und können nun so richtig loslegen.



Sebastian Neufeld, 23, Bachelor Biologie, ab WS 18/19 Master in Neuro Science:

Es ist sehr gut, dass die Uni beide Forschungscluster bekommen hat. Natürlich profitieren die Biologie-Studenten neben anderen Fachbereichen stark, weil beide Cluster, das CIBSS und livMatS in mit der Biologie verbunden sind. Für viele Professoren, Mitarbeiter oder Doktoranden im Fachbereich ist es eine Erleichterung, weil viele von ihnen nicht wussten, ob sie weiter forschen können. Nun haben sie Gewissheit und können forschen und Studierende betreuen. Ich engagiere mich auch in der Fachschaft der Biologie und wir können es nicht verstehen, dass andere Studenten einen Diskurs boykottieren, wie es Ende 2016 auf einer Vollversammlung beschlossen wurde. Man kann Details bei der Vergabe kritisieren, wie die Größe der Förderungseinrichtung. Aber im Grunde ist es doch für alle gut, wenn eine Universität solche Förderung erhält.

Rückblick:

Fünf Anträge für Forschungscluster wurden eingereicht, nur zwei schafften es in die nächste Runde.

Beim ersten Wettbewerb um den Titel der Exzellenz-Universität im Jahr 2006 hatte die Uni Freiburg den Titel gewonnen. Als der Wettbewerb 2012 in die zweite Runde ging, verlor die Uni den Titel jedoch wieder.



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