Ungewöhnlicher Jugendaustausch: Schüler der Max-Weber-Schule engagierten sich in sozialen Projekten in Ecuador

Petra Völzing

Für vier Wochen ist eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus Freiburg und Müllheim ins ferne Ecuador gereist. Fünf von ihnen sind in der zwölften Klasse im Wirtschaftsgymnasium an der Freiburger Max-Weber-Schule. In der Hauptstadt Quito arbeiteten sie als Praktikanten in verschiedenen sozialen Projekten. Anlaufstelle in Quito ist die Deutsche Schule. Im Juni werden Schüler von dort für ein Praktikum nach Freiburg kommen.


Quito auf 2800 Meter Höhe ist die höchstgelegene Hauptstadt der Welt. Wie viele südamerikanische Städte ist sie ein schnellwachsender Moloch. Der tägliche Verkehrsinfarkt und ausufernder baulicher Wildwuchs prägen das Bild. Das Armenviertel La Bota, wo zwei aus der Gruppe ihren Praktikumsplatz hatten, steht auf einem ehemaligen Müllberg. „Was wir total krass fanden, war der Unterschied zwischen arm und reich“, sagt die 18-jährige Eva Kury.


Die Gastfamilien, bei denen sie untergebracht waren, gehören zur Oberschicht. Sie wohnen in großen Villen und haben vier oder fünf Autos. Zum Arbeiten fuhren die Schüler  in die Armenviertel. „Unsere Gasteltern haben uns verboten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren“, erzählt die 18 Jahre alte Rebekka Ruf. „Die meinten, das sei zu gefährlich. Wir wurden gefahren oder mussten ein Taxi nehmen.“ Auch, wie herzlos sie über die Armen geredet haben, hat die Schüler geschockt. „Die haben die Schuld einfach auf die Regierung geschoben“, sagt der 19-jährige Florian Zschoche (Bild unten rechts).



„Bei den Praktika sind uns zwei Sachen wichtig“, erläutert Lehrerin Babette Moser, die mit in Ecuador war, „die Schüler sollen neue soziale Erfahrungen machen und Spanisch sprechen.“ Weil sie  erst anderthalb Jahre Spanisch lernen, empfiehlt sie ihnen, die Praktika in sozialen Projekten mit Kindern, denn mit denen könne man sich noch am einfachsten verständigen.

Florian hatte am Anfang trotzdem so seine Schwierigkeiten. Er arbeitete zusammen mit Klassenkamerad Jan Hoffmann in einem Schülerhort in La Bota. „Das war ein ganz anderes Spanisch, als wir es gelernt haben“, erzählt er „die sprechen da total leise und undeutlich.“ Er gewöhnte sich aber schnell daran und half den Kindern bei den Hausaufgaben. „Ich fand das unglaublich, wie schlecht sie Englisch konnten, obwohl sie das schon mehrere Jahre gelernt hatten“, erzählt er. Dann sah er ein Arbeitsblatt von einem Englischlehrer, das vor Fehlern strotzte. „Da hat mich nichts mehr gewundert.“



Eva Kury (Bild oben) und Rebekka Ruf waren in Kindergärten. „Wir haben viel gespielt“, sagt Eva. Was sie nicht gut fand, war, dass die Kinder hauptsächlich drinnen geblieben sind. „Im Haus haben die Leiterinnen die Kinder besser unter Kontrolle, die sollen halt ruhig sein und sich benehmen“, ist ihre Einschätzung. Rebekka hat andere Erfahrungen gemacht. Ihr Kindergarten lief nach dem so genannten „deutschen System“. „Die Kinder waren viel draußen und hatten Bewegung“, erzählt sie. 

Die 18 Jahre alte Anna Schneckenburger (Bild unten) hatte ihren Praktikumsplatz in einer Grundschule. Dort saß sie mit im Unterricht und half den Kindern, die Schwierigkeiten hatten mitzukommen. In den Pausen wurde gebastelt und gespielt. „Es gab auch zwei behinderte Kinder“ erzählt sie, um die habe sich niemand gekümmert.



Die schwierigsten Erfahrungen machte die 18-jährige Julia Landwehr. Sie arbeitete in einem Heim für Mädchen aus zerrütteten Verhältnissen. „Es gab einen total strikten Tagesablauf“, sagt sie. Toll fand Julia, dass sie bei der Einstudierung eines Theaterstücks dabei sein konnte. „Die Mädchen wollten alle, dass ich Rapunzel spiele, die fanden so lustig, wie ich rede.“

Es gab aber nicht nur Arbeit. Für eine Woche fuhr die Gruppe in den Dschungel. „Wir lebten in einer einfachen Hütte ohne Strom, das war cool“, sagt Anna. In der Nachbarschaft wohnte eine Ureinwohner-Familie, die für sie traditionelle Gerichte kochte. Tagsüber ging es auf Entdeckungstouren durch den Urwald, nachts war die Hölle los: „Die Brüllaffen haben ihrem Name alle Ehre gemacht“, sagt Babette Moser schmunzelnd.

Einen sozialen Beruf will keiner der Schüler ergreifen. Sie machen Wirtschaftsabitur und wollen beruflich in diese Richtung gehen. Dennoch finden alle, dass sie von der Reise profitiert haben. „Wir sind unheimlich herzlich aufgenommen worden“, meint Julia. Und Florian ergänzt: „Alle waren offen und lebensfroh, trotz der Armut, das hat mich beeindruckt.“

[Bild 1: Ingo Schneider; Rest: Privat]