"Und wie siehst du wirklich aus?" Freiburger Soziologen schreiben Briefe an den Weihnachtsmann

Manuel Lorenz

Es gibt ihn also doch, den Weihnachtsmann – zumindest kann man ihm einen Brief schreiben, an über ein Dutzend Adressen auf der ganzen Welt. Getan haben das der Unterhaltungsforscher Sacha Szabo und die Soziologiestudentin Hannah Kreiner vom Freiburger Institut für Theoriekultur. Gefragt haben sie ihn unter anderem, wie er wirklich aussieht:



„Wir fanden die Idee spannend, dass eine Sagengestalt wirklich über eine Postadresse erreichbar ist“, sagt Szabo. „Das wir einen Beleg in den Händen halten können, der beweist: Den Weihnachtsmann gibt es wirklich.“


Schon 2011 hatte Szabo Briefe an Tyler Durden geschickt – ohne Reaktion. Nächstes Jahr wollen Szabo und Kreiner ein Buch herausgeben, das „X-Mas-Studies“ versammelt. Die Briefe an den Weihnachtsmann samt Antworten sollen den Sammelband ergänzen.

3900 Nuuk, Dänemark

Himmelstadt, Himmelpfort, Engelskirchen und Nikolausdorf – so heißen Orte in Deutschland, die ein Weihnachtspostamt haben. Für den Nordpol lautet die Adresse „Santa Claus Nordpolen, Julemandes Postkontor, 3900 Nuuk, Dänemark“; in Kanada erreicht man den Weihnachtsmann via „Santa Claus, HOH OHO“. Die Adressen haben sich Szabo und Kreiner ergoogelt, wobei sie sowohl über den Weihnachtsmann als auch über den Nikolaus und das Christkind gestolpert sind. „Das geht alles ein wenig durcheinander“, sagt Szabo. „Ein Volkskundler würde sich wohl die Haare raufen, wenn der Weihnachtsmann in St. Nikolaus wohnt.“

Hinter den Adressen stecken – wenn man es profanisieren will – Freiwillige, die jedes Jahr hunderte von Briefen beantworten – meist von Kindern, aber auch von Erwachsenen. Oft gibt es sogar eigene Briefumschläge und Sonderstempel.



Szabo und Kreiner haben dem Weihnachtsmann unterschiedliche Fragen gestellt: einerseits solche, auf die es keine Standardantwort geben kann, zum Beispiel, wo er seine Rentiere lässt, wenn er sich durch den Kamin in die zu beschenkende Wohnung zwängt; andererseits soziologische, in denen Daten für eine quantitative Erhebung erbeten wurden, zum Beispiel, was am meisten gewünscht würde.

"Weihnachtsmann, wie siehst du wirklich aus?"

Drei Antworten haben Szabo und Kreiner bislang erhalten, handgeschrieben und auf Weihnachtspapier. Szabo: „Man bekommt in der Regel einen Standardbrief der atmosphärisch sehr dicht und etwa eine DIN-A4-Seite lang ist.“ Unten steht dann die Antwort auf die Frage. „Wie siehst du wirklich aus?“ – „So, wie du dir mich vorstellst.“

Während die Antworten aus Nikolausdorf locker formuliert waren, fielen diejenigen aus St. Nikolaus in Warndt eher konservativ aus:

Frage: Wann bekommst du deine Geschenke?

Antwort: Ich bekomme meine Geschenke am Nikolaustag, wie es bis zur Reformation
üblich war.

Frage: Wer verrät dir, ob ich etwas Böses angestellt habe?

Antwort: Es braucht dich bei mir niemand zu verpetzen. Ich lese alle Deine Taten im großen Buch des Lebens, in dem alle Menschen beschrieben sind, und das im Himmel ausliegt.

Szabo und Kreiner ist ein wenig unangenehm, dass sie den freiwilligen Helfern mit ihren Fragen extra Arbeit beschert haben. Andererseits dienen sie damit der Wissenschaft. Um genau zu sein: den X-Mas-Studies.