Und was willst du damit mal machen?

Steffi & Kristina Bieda

FrankoMedia, Vorderasiatische Archäologie, IberoCultura, Variation und Wandel in der deutschen Sprache: es gibt Studiengänge, bei denen allein der Name für Verwirrung sorgt. Was steckt hinter diesen teils neuen Bachelor- und Masterstudiengängen? Wie kommt man auf die Idee, so etwas Exotisches zu studieren? Fünf Orchideenfächler geben Auskunft.




Fatima, 21
Islamwissenschaften, 3. Semester

"Der Spracherwerb ist der Schwerpunkt meines Studiums. Zuerst lernt man Arabisch. Danach kann man zwischen Persisch und Türkisch wählen.

Außerdem belegt man noch Vorlesungen zu Religion, Kultur, Geschichte und Geographie der arabischen Welt. Da ich zweisprachig aufgewachsen bin und meine Muttersprache Algerisch ist, war der Wunsch groß, perfekt Algerisch sprechen und schreiben zu können.
Viele haben ein völlig falsches Bild von meinem Studiengang. Man lernt nicht den Koran auswendig, es wird nicht gepredigt und am Ende muss man auch nicht zum Islam konvertieren. Prozentual sind Nichtmuslime in den Vorlesungen auch nicht in der Unterzahl, im Gegenteil.
Ich bin positiv überrascht von meinem Studium. Ich habe, obwohl meine Eltern mich muslimisch erzogen haben, sehr viel über den Islam gelernt.
Meine Zukunftspläne sind leider noch nicht so konkret. Mit Islamwissenschaften kann man, entgegen aller Vorurteile, ziemlich viel anfangen. Je nachdem, wie sich die Interessen im Laufe des Studiums entwickeln, kann man danach in verschiedenen Bereichen arbeiten: Sozialer Bereich, Journalismus, Kulturarbeit, Museen, Politik, Auswärtiges Amt, Dolmetschen oder auch Tourismus."

Lena, 21
Ibero Cultura, 3. Semester

"IberoCultura enthält vieles: Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft, Landeskunde, Medienkunde, Textkompetenz und Sprachpraxis. Dabei besteht immer ein Bezug zu Spanien oder Lateinamerika.
Da ich ein Jahr in Argentinien war, interessiere ich mich hauptsächlich für die lateinamerikanische Kultur.
Mit mir studieren etwa 20 Mädels. Darunter ist auch eine Spanierin und ein paar Südamerikanerinnen.
Die Frage, was man später mit diesem Studium anfängt, kann ich nicht mehr hören. Es ist eben keine Zahnmedizin. Kulturmanagement ist mein Ziel, dem auch mein Masterstudiengang ähneln soll. Ich finde es schwer zu sagen, was meine Arbeit sein wird. Deshalb studiere ich ja so einen interdisziplinären Studiengang.
Wenn mich jemand nach meinem Studienfach fragt, antworte ich meist: "Spanisch." IberoCultura zu erklären, ist oft zu kompliziert."


Gina, 22
FrankoMedia, 3. Semester
"Ich studiere FrankoMedia - Französische Sprache, Literatur und Kultur. Ich sage einfach immer: französische Kulturwissenschaften.
Französisch war schon immer eine Lieblingssprache von mir. Ich liebe das Land, die Leute und die Kultur. Als Kind war ich oft in Frankreich und hatte dann in der Schule auch Französisch LK.
Ich wollte nicht bloß Romanistik studieren, der Medienteil war mir sehr wichtig. Leider kommt der aber im Studium viel zu kurz. Deshalb versuche ich viele Erfahrungen neben dem Studium zu sammeln- durch Praktika und freie Mitarbeit bei verschiedenen Medien.
'Klingt interessant. Steckt auch was dahinter?', so reagieren die meisten, wenn ich ihnen von meinem Studium erzähle. Vielleicht nützt mir mein Studium später sehr viel, vielleicht auch nicht. Sorgen mache ich mir deswegen aber keine. "


Annika, 23
Variation und Wandel in der deutschen Sprache, 2. Semester

"Variation und Wandel in der deutschen Sprache ist ein Master-Studiengang am deutschen Seminar. Es ist ein sprachwissenschaftlicher Studiengang. Es geht hauptsächlich um Dialekte und darum, wie sich die deutsche Sprache im Laufe der Zeit verändert.
Ich habe vorher Skandinavistik und Englisch auf Bachelor studiert und mich dabei auf Linguistik spezialisiert. Ich wollte aber gern noch einen Master machen. In Freiburg gibt es leider keinen Skandinavistik-Linguistik-Master und ich wollte deswegen nicht nach Greifswald ziehen. Also habe ich mich für diesen Studiengang entschieden.
Den Studiengang gibt es erst seit dem Sommersemester 2007. Das heißt, momentan bin ich noch allein auf weiter Flur und ebne meinen Nachfolgern den steinigen Weg.
Ich sage meistens, dass ich deutsche Sprachwissenschaft studiere, wenn ich gefragt werde. Denn ich bin es noch von Skandinavistik gewohnt, dass viele nachfragen, da sie sich unter dem Namen nichts vorstellen können.
Später würde ich gern an Projekten mitarbeiten, die sich mit Sprachvariation beschäftigen, zum Beispiel beim Institut für Deutsche Sprache. Die Arbeit in einer Wörterbuch-Redaktion stelle ich mir auch sehr interessant vor. Mal sehen.


Chris, 23
Vorderasiatische Altertumskunde


"Vorderasiatische Archäologie ist grundsätzlich die Geschichte vergangener Kulturen, wie die der Sumerer, der Babylonier oder der Assyrer. Das heißt, Vorderasiatische Archäologie beschränkt sich auf die heutigen Gebiete Irak, Iran, Libanon, Jordanien und Israel, zieht sich aber auch bis Pakistan. Ein wichtiger Bestandteil ist, dass man die Sprachen lernt. Ich habe zum Beispiel Sumerisch und Akkadisch gelernt. Es sind beides Keilschriften und sogenannte "tote Sprachen", die allerdings älter sind als Latein.
Eigentlich wollte ich Ethnologie studieren. Aber mein Mathelehrer hat mich auf Archäologie gebracht. Da es verschiedene Richtungen der Archäologie in Deutschland gibt, habe ich mich informiert, welche mich am meisten interessiert und habe mich dann für Vorderasiatische Archäologie entschieden.
Als ich angefangen habe zu studieren, waren wir ungefähr 40 Leute. Jetzt sind wir ein paar mehr.
Prinzipiell ist Archäologie auch eher ein Prestigefach. Man kann später nicht viel Geld damit verdienen und ist auf Sponsoren angewiesen. Eine andere Möglichkeit ist, sich auf die Sprachen zu spezialisieren. Der Arbeitsmarkt wird auch dadurch schlechter, dass die meisten Gebiete in meinem Bereich Kriegsgebiete sind. Ohne entsprechende Zusatzqualifikationen oder mindestens einem Doktorabschluss sieht es in dem Fachgebiet eher schlecht aus. Deshalb habe ich mich auch für einen Doppelabschluss entschieden und studiere noch Englisch und Deutsch auf Lehramt."