Und es ward Lego

Christoph Müller-Stoffels

Nicht wirklich neu, aber immer noch eine tolle Alternative zum sonntäglichen Kirchgang: Bereits vor fünf Jahren begann der Amerikaner Brendan Powell Smith damit, Szenen der Bibel mit Lego nachzubauen. Vor drei Jahren kam in den USA das erste Buch raus, inzwischen ist es auch auf Deutsch und Japanisch erschienen.



Wer nun annimmt, Smith sei sonderlich religiös, liegt falsch. Der inzwischen 32-Jährige mit Uni-Abschluss in Philosophie und Religion ist seit seinem 13. Lebensjahr Atheist. An der Bibel fasziniert ihn, dass sie trotz ihrer Brutalität und Grausamkeit von vielen Menschen für das Wort Gottes gehalten wird. Eine Lieblingsszene hat er auch, wie er der Zeitung "Sonntag Aktuell" verriet: "Das zweite Buch der Könige 2, 23-25 ist schwer zu toppen: Ein paar Kinder beleidigen Elisa, indem sie ihn ,,Glatzkopf" nennen. Er verflucht sie und sofort tauchen zwei Bären auf, die 42 Kinder zerfleischen."


Das Geld ist auch kein Beweggrund, denn Smith hat bereits vor Jahren im Silicon Valley genug verdient. Er kaufte sich 250.000 Legosteine und Figuren und begann zu bauen. Manche Teile musste er selbst entwerfen. Lego hat zum Beispiel niemals ein weißes Haarteil hergestellt. Das brauchte er aber für Gott, den er als alten Mann mit langem Bart dar stellt. Er musste die göttliche Haarpracht aus einem Lego-Weltraumhelm schnitzen.

Smith legt großen Wert auf die Details. Der einzige Fehler, der bislang gefunden wurde war, dass die Hirten und die Drei Könige gleichzeitig an der Krippe knien. Davon weiß die Bibel nichts. Aber selbst die Katholische Nachrichtenagentur findet "The Brick Testament", zu deutsch das Baustein-Testament, "so bunt wie lebensnah".

Ob man die Lego-Bibel nun als Erbauung oder als Belustigung ansieht, kreativ ist Smith allemal. Und böse ist ihm seitens der Christen kaum einer. Viele Religionslehrer fragen sogar bei ihm an, ob sie Teile in ihrem Unterricht verwenden können. Er will niemanden bekehren, wie er sagt. Die einzige tiefere Bedeutung sei vielleicht die, dass Menschen Altbekanntes neu betrachten.

Fertig ist Smith noch lange nicht. Ein Buch, an dem mehrere tausend Jahre geschrieben wurde, ist nicht in fünf Jahren nachzubauen, auch nicht mit Lego.

Mehr dazu:

  • Die deutsche Ausgabe ist unter dem Titel "Das 1. Buch L." erschienen.