Und es hat Zoom gemacht... (1): Barbara & Eberhard Bock

Friederike Grasshoff

Die schönsten Geschichten erzählt das Leben. Und die Liebe. In unserer neuen Serie 'Und es hat Zoom gemacht...' erzählen Paare, wie sie zueinander gefunden haben. Heute: Barbara und Eberhard Bock aus Freiburg, die seit sechzig Jahren verheiratet sind.



Eberhard Bock ist 86 Jahre alt und hat viele Jahre für den Badischen Verlag im Vertrieb gearbeitet. Seine Frau, Barbara, geborene Kaiser, ist 82 und war bis zu ihrer Hochzeit als kaufmännische Angestellte tätig. Ihre Ehe ist so alt wie die Bundesrepublik: am 18. Juni 1949 gaben sie sich in Freiburg das Ja-Wort. Mittlerweile haben sie eine richtige Großfamilie: Vier Kinder, zehn Enkelkinder und zwei Urenkel.


Wie haben sie sich kennengelernt?

Eberhard Bock: Am 11. Mai 1947 fand in Lörrach das Hebel-Fest statt. Ich kam damals aus Freiburg, um dieses Ereignis miterleben zu können. Man muss sich vorstellen, dass Nachkriegszeit war: Alles war noch von den Franzosen besetzt, es gab keine Gaststätten, keine Straßenbahnen geschweige denn Taxis. An diesem Tag wurde zum ersten Mal die Grenze zur Schweiz aufgemacht. Jedenfalls war das ein ganz besonderer Tag für mich nach vier Jahren als Marinesoldat und der allgemeinen Situation der Nachkriegszeit.

Zu diesem Fest wurde die Trachtengruppe aus dem Ort Haagen eingeladen und als das Fest vorbei war, schloss ich mich der Gruppe an und brachte Barbara und ihre Schwester in der Nacht bis vors Gartentörle. Ein paar Tage später hatte ich Geburtstag und Barbaras Schwester schrieb mir eine Glückwunschkarte.

Barbara Bock:
Und dann kam ein Antwortbrief, in dem er mich Bärbele nannte. Das hat mir gar nicht gefallen und ich schrieb ihm einen bösen Brief zurück. Meine Mutter mochte Eberhard und lud ihn bei uns zum Essen ein, damit er sich mal richtig satt essen konnte. Als er das zweite Mal kam, wollte ich immer noch nichts von ihm wissen, obwohl mein Vater mir sagte: „Das wäre der richtige Mann für Dich.“ Schließlich haben wir uns nach Briefkontakt und weiteren Treffen doch füreinander entschieden. Am Währungsreformsonntag haben wir uns dann verlobt.

Eberhard Bock:
Damals ging man noch zu den Eltern und fragte um Erlaubnis, die Tochter heiraten zu dürfen. In Freiburg haben wir uns standesamtlich trauen lassen, um eine Zuzugsberechtigung für Barbara zu bekommen und in Brombach im Kreis Lörrach dann kirchlich.



War es Liebe auf den ersten Blick?

Barbara Bock: Nein, auf den zweiten. Unsere Liebe ist gewachsen.

Eberhard Bock: Das hat sich mit der Zeit so ergeben.

Welches gemeinsame Erlebnis hat ihre Liebe geprägt?

Barbara Bock: Die Geburt unserer Kinder. Wir haben vier: Zwei Buben und zwei Mädle.

Eberhard Bock: Und unsere gemeinsamen Reisen, zum Beispiel waren wir schon zusammen in Indien und Nepal.

Was war ihr schönster gemeinsamer Moment in der vergangenen Woche?


Eberhard Bock:
Die diamantene Hochzeit, das ist allerdings schon zehn Tage her. Mein Sohn hat alles für uns organisiert und wir brauchten bloß kommen und genießen: Das Essen, den Gottesdienst und unsere Gäste.

Barbara Bock: Wir waren alle zusammen, unsere Kinder, Enkelkinder und Urenkel. Das war ein tolles und herzliches Fest mit unserer Großfamilie. Wir sind eine Einheit, und die hat unsere Liebe und Gemeinschaft besonders geprägt.

Was finden sie an ihrem Partner besonders toll?

Eberhard Bock: Meine Barbara ist eine sehr harmonische Frau und wir gehen nie im Zorn schlafen. Außerdem hat sie mir immer die Freiheit gegeben, meiner Leidenschaft für das Reisen nachzugehen. Auch wenn sie sich manchmal große Sorgen gemacht hat, als ich zum Beispiel in Tibet auf Expedition war und sie fünf Wochen nicht anrufen konnte, hat sie mich immer gehen lassen und mich mit offenen Armen wieder empfangen. Natürlich kriegen wir uns manchmal in die Haare, das passiert ja überall.

Barbara Bock: Ich mag an Eberhard, dass er großzügig ist. Er ist nicht so kleinlich und legt nicht jedes Wort auf die Goldwaage.



Und welche kleinen Macken lieben sie auch?

Eberhard Bock: Barabra ist sehr genau und organisiert. Seit Jahren führt sie ein Haushaltsbuch und verwaltet unser Geld. Manchmal ziehe ich sie damit ein bisschen auf, aber insgeheim bin ich ja sehr froh, dass wir auch in diesem Punkt ein großes Vertrauen zueinander haben.

Barbara Bock: Er kommt morgens nicht aus den Federn und will nachts nicht ins Bett. Um elf, halb zwölf ist er oft noch putzmunter und ich schlafe schon fast ein.

Wo sehen sie sich in fünf Jahren?

Barbara Bock: Jetzt schaffen wir auch noch die nächsten fünf Jahre, um eiserne Hochzeit feiern zu können.

Eberhard Bock:
Und nach 70 Jahren kommt dann die Gnadenhochzeit

Was ist ihr Liebes-Rezept?

Barbara Bock: Ich glaube, dass viel mit unserer religiösen Erziehung zusammenhängt. Wir haben uns am Altar versprochen, uns treu zu sein und das haben wir durchgehalten.

Eberhard Bock: Wir gehen jeden Sonntag in die Kirche, das ist wie Essen und Trinken für uns und stärkt unsere Bindung.

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