Und es hat click gemacht: ClickClickDecker im White Rabbit

Gina Kutkat

Den Sänger und Gitarrist ClickClickDecker, der eigentlich Kevin Hamann heißt, hat man gestern in Freiburg gleich zwei Mal live sehen können. Nachmittags spielte er akustisch im Flight 13, abends dann mit Band im White Rabbit - Gina war bei beiden Gigs für fudder dabei.



Wenn kleine Kinder wütend sind und ihren Gefühle Ausdruck verleihen wollen, dann stampfen sie kräftig mit den Füßen auf den Boden. Wenn Kevin Hamann alias ClickClickDecker mit den Füßen stampft, dann nicht unbedingt, weil er wütend ist, sondern weil er den Themen seiner Musik Nachdruck verleihen will. Zu seinem Stampfen gesellt sich ein rhythmisches Klirren, ausgelöst von dem Tamburin, das neben dem Mikrofon des Sängers liegt.


Hamann stampft oft an diesem Abend im White Rabbit, denn die Songs sind so etwas wie seine Kinder. In jedem Lied steckt ein Teil von ihm und seiner persönlichen Geschichte. Der Hamburger Sänger und Gitarrist hat für sein abendliches Konzert seine dreiköpfige Band, bestehend aus Schlagzeuger, zweitem Gitarristen und Bassisten, mitgebracht. Ein paar Stunden zuvor gab er bereits ein kurzes, tolles akustisches Solo-Ständchen bei Flight 13 im Stühlinger. Vor rund 30 Leuten spielte er  - mal alleine, mal mit Unterstützung an zweiter Gitarre - sechs Songs und machte die Vorfreude auf das Konzert noch größer. "Elan" stand mit großen roten Lettern auf einem Aufkleber auf seiner Gitarre - und genau den strahlt ClickClickDecker aus.



Erst allein und akustisch, später dann mit Band einen Zacken lauter und rockiger. Zu den 30 Fans aus dem Plattenladen haben sich noch ein paar mehr gesellt. Das White Rabbit ist gut gefüllt mit Leuten, die sich in der Musik und in den Texten von ClickClickDecker wiederfinden können. Der Altersdurchschnitt ist dabei überraschend jung. Einige hatten den Norddeutschen schon vor ziemlich genau zwei Jahren in der KTS gesehen - damals war ClickClickDecker mit Der Tante Renate unterwegs.

Wenn ClickClickDecker seine charmanten Lieder über vergangene Beziehungen, Kaffeetrinken in Hamburg Altona, die allgemeine Vergänglichkeit, Einbahnstraßen oder die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit singt -  die Augen dabei meist geschlossen - dann erbhebt sich seine Stimme von Zeit zu Zeit in emotionsgeladene kurze Brüller, die sich kurz darauf wieder entladen. ClickClickdecker singt mit viel Inbrunst, er singt in Deutsch, er singt über Liebe und er schafft es trotzdem, nicht in in die Kitsch-Schublade abzurutschen.



ClickClickDecker begann in den 90er Jahren mit experimenteller, elektronischer Musik, die er mit Gitarre und einem kleinen Drumcomputer aufnahm. Seine Singer/Songwriter-Experimente werden im Laufe des Konzerts zu Rock-Nummern aufgepolstert, die mit ihrer Leichtfüßigkeit zum Tanzen auffordern. Gute 80 Minuten dauert das Konzert der sympathischen Truppe aus Norddeutschland. Die Stimmung unter den Musikern, unter denen sich am Bass übrigens ClickClickDeckers Labelchef Lars Lewerenz von Audiolith befindet, ist locker und lustig und die Freude am Spielen steht in ihren Gesichtern geschrieben.

"Das einzige, was hier schwer im Magen liegt, ist der Muffin mit Pistazie, den ich gerade beim Afghanen gegessen habe" sagt Kevin Hamann und bringt die Atmosphäre des Abends damit genau auf den Punkt. Songs aus den ersten beiden Alben "Ich habe keine Angst vor..." und "Nichts für Ungut" werden im Programm genauso beachtet wie die neueren Stücke des im Januar erschienenen Albums "Den Umständen entsprechend". 

Im ersten Teil des Konzerts werden neuere Songs wie "Mit Naumanns Füßen", "Einbahnstraße" und "Es fängt an, wie es aufgehört hat" gespielt. Im Mittelteil folgen Stücke des 2006er Albums "Nichts für Ungut": "Wenn man alles verliert", "Zurecht ungerecht" und "Der ganze halbe Liter". "Händedruck am Wendepunkt", die neueste Auskopplung des aktuellen Albums, folgt gegen Ende und sorgt mit den treibenden Beats noch einmal für einen Höhepunkt.

"Bin ungeschminkt für dich natürlich, nicht nur unsichtbar" heißt es da. ClickClickDeckers gut gemachten Songs sind ehrlich und ungeschminkt. So sind sie eben, die Norddeutschen.

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