Şafak Güngör, der Fruchtkugelmann vom Münstermarkt

Carolyn Höfchen

Wie frisch vom Basar aus Istanbul eingeflogen sieht Şafak Güngör aus, wenn er mit seinem langen braunen Bart, dem grünen Mützchen, der weiten Stoffhose und dem großen Ring am Finger auf dem Münstermarkt steht. Sein kleiner bunter Stand wirkt genauso exotisch und orientalisch wirkt wie er selbst.



Auf dem Münstermarkt verkauft Şafak Güngör in überdimensionalen Marmeladengläsern seltsam aussehende Kugeln. Sie sind so groß wie Tischtennisbälle und haben auf den ersten Blick eine Art Meisenknödellook. Aladinas heißen sie, oder auch Aladins Wunderkugeln oder Energiekugeln. Dass sich dahinter eine leckere Mischung aus Trockenfrüchten mit Schokolade und Nüssen versteckt, ist spontan kaum zu erraten.


„Wollen Sie probieren oder soll ich was erzählen?“ ruft er zwei vorbei spazierenden älteren Damen zu. „Sprechen Sie deutsch? English? Français?“ Die beiden kommen neugierig näher. Şafak ist voll in seinem Element und erklärt ihnen auf Englisch, was er da verkauft.

Man nehme durch den Fleischwolf gedrehte Trockenfrüchte wie Äpfel, Datteln oder Feigen, gibt Würziges wie Kardamom oder Ingwer dazu, mischt das Ganze mit Schokolade und formt Kugeln. Zum Schluss dann noch in Nüssen wie Sonnenblumenkernen oder Pistazien wälzen, fertig. Zehn süße und eine salzige Variante hat er im Programm. 1,50 Euro das Stück.

Verhaltene Begeisterung bei der einen Dame, sie wendet sich leicht angeekelt ab. Komplettes Gegenteil bei ihrer Begleitung: die ruft „health balls!“, will unbedingt probieren und findet die Dinger toll. Sie kommt aus Wales, solche Kugeln hat sie noch nie gesehen. Fröhlich zückt sie den Geldbeutel, von diesen „delicious balls“ muss sie unbedingt ein paar mit heim auf die Insel nehmen.



„Es lohnt sich, die Leute anzusprechen“, sagt Şafak. „Viele schauen interessiert rüber, kommen aber oft nur näher wenn ich was sage“. Der 42-jährige Türke ist in der Nähe von Frankfurt geboren und wohnt seit 20 Jahren in St. Märgen. Er spricht deutsch, englisch, italienisch, französisch, türkisch und ein bisschen spanisch – auf dem von Touristen wimmelnden Wochenmarkt die perfekte Voraussetzung für seine Verkaufsstrategie. „Wenn die Leute erst probiert haben, kaufen sie meist auch ein paar Kugeln“.

Şafak hat ein freundliches Lächeln auf den Lippen und strahlt gute Laune aus, das macht ihn sympathisch. Mindestens genauso wichtig wie so ein Verkaufsgespräch ist für ihn ein Plausch über Gott und die Welt. Şafak gibt Tipps und Ratschläge zu seelischen und geistigen Fragen, er philosophiert gerne über den tieferen Sinn des Lebens. Da passt es auch, dass er neben den Aladinas ein halbes Dutzend Produkte mit „heilenden Kräften“ verkauft. Bittere Aprikosenkerne gegen Krebs. Oder Braunhirsemehl für Haut, Haare, Nägel. Wundermittel vom Wunderheiler? Şafak schüttelt lachend den Kopf. „Man kann es glauben oder nicht, aber ich stehe hinter allen meinen Produkten und bin von der Wirkung überzeugt“.



Vor 22 Jahren kam er zum Studium nach Freiburg, weil seine Eltern sagten: „Aus Dir soll mal was werden“. Er fing also an, Islamwissenschaften und Geschichte zu studieren, „aber nur für den Wisch und für die Eltern, es war zu öde und zu trocken“. Statt weiter zu studieren, fuhr er dann ein Jahr Taxi, schrieb Bücher und eröffnete schließlich einen eigenen Bioladen.

Hier startete er die Aladina-Produktion. Das einzige Problem am eigenen Laden: hohe Miet- und Nebenkosten. Ein neuer Plan musste her. Jetzt hat er seit gut eineinhalb Jahren seinen Stand auf dem Freiburger Wochenmarkt und ist rundum zufrieden – das Geschäft läuft. Das muss es auch, er hat schließlich eine große Familie mit sechs Kindern zu ernähren. Und außerdem lerne man auf dem Markt die wirklich wichtigen Dinge über das Leben, davon habe die Uni keinen Plan.

Frei nach dem Motto „weniger ist mehr“, beschränkt sich Şafak auf sein kleines Angebot. So habe er weniger Aufwand und weniger Kosten, bei nur etwa zwei Euro Standgebühr am Tag. „Erst wollte man mich wegen Platzmangel nicht auf den Markt lassen“, erzählt er grinsend, „aber ich war hartnäckig, und mein kleiner Stand passt überall hin“. So wechselt er auf der rechten Seite des Marktes immer mal wieder den Standort, je nachdem, wo gerade ein Plätzchen frei ist.

Wer ihn sucht, findet ihn jedenfalls.



Mehr dazu:


Şafak
Güngör
auf dem Münstermarkt (rechte Seite/Südseite)
täglich außer Sonntags
7 bis 13 Uhr
Samstags bis 13:30 Uhr