Unbekannte überfallen Freiburger Studentenverbindung Neo Borussia

Marius Buhl & Joachim Röderer

Am Sonntagmorgen haben Unbekannte die Freiburger Studentenverbindung NeoBorussia überfallen. Die Täter versuchten mit einem Trick ins Haus zu drängen und schlugen einem Verbindungsstudenten einen Bierkrug über den Kopf. Die Polizei ermittelt wegen schwerer Körperverletzung:



20 bis 25 teilweise vermummte Unbekannte haben nach fudder-Informationen in der Nacht zum Sonntag das Haus der Studentenverbindung Landsmannschaft Neoborussia in Herdern überfallen. Bei der Attacke und der folgenden Rangelei gab es zwei Verletzte unter den Neoborussen. Ein junger Mann musste mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei bestätigte auf Nachfrage den Vorfall. Ermittelt werde nun wegen gefährlicher Körperverletzung, so Polizeisprecherin Laura Riske. Über die Täter weiß man bislang nichts.


Der Vorfall ereignete sich am frühen Sonntagmorgen gegen 1 Uhr in der Hansastraße in Herdern. Zwei junge Frauen hatten an der Tür des Verbindungshauses der Neoborussia geklingelt, in der Hand eine Flasche Sekt. Sie gaben an, "den Daniel" besuchen zu wollen, der mit ihnen studiere und sie zur Party eingeladen habe. Als die Tür geöffnet wurde, sollen 20 bis 25 Männer, die sich im Gebüsch versteckt hatten, auf die Tür zugestürmt sein und versucht haben, ins Haus zu kommen. Dabei habe einer der Angreifer einem Verbindungsstudenten einen Bierkrug auf den Kopf geschlagen. Eine der Frauen habe zudem dem 42-jährigen Jan Wohlfahrt die Mütze geklaut und sie nach hinten geworfen. Als dieser sie festhielt, versuchte sie einen Tritt Richtung Genitalien des Verbinders. Sie verfehlte, riss sich aber los.

Laut Polizeibericht soll es den Mitgliedern der Studentenverbindung schließlich gelungen sein, die Angreifer vor die Tür zu drängen. Die Täter hätten dabei aber mehrere Mützen und Bänder erbeuten können, weswegen es vor dem Haus zu einem Gerangel kam. Zwei Studenten wurden verletzt, einer musste mit einer Kopfverletzung mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht haben.

Ein weiterer Verbindungsstudent hatte Pech, als er auf dem Weg zur Studentenverbindung der zurückgedrängten Gruppe der Angreifer in die Arme lief. Diese erkannten ihn als Verbindungsstudenten und verprügelten ihn, der Student konnte jedoch fliehen.

Die Täter sollen im Alter von 20 bis 25 Jahren gewesen sein, sagt Polizeisprecherin Laura Riske. Sollten sie ermittelt werden, drohe ihnen ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung.

Zu den Hintergründen des Angriffs ist bislang wenig bekannt. Ausgeschlossen wird von Insidern, dass es sich um eine Auseinandersetzung unter Studentenverbindungen handelt. Auf einem Internetforum wird berichtet, dass bei der Neoborussia am Samstag ein Treffen befreundeter Verbindungen stattgefunden habe, das sogenannte Silberkartell, dem neben der Verbindung in Freiburg noch 6 weitere aus ganz Deutschland angehören. Schon im Laufe des Tages seien die Teilnehmer in der Freiburger Innenstadt beobachtet und fotografiert worden. Ein Teilnehmer der Veranstaltung, Jan Wohlfahrt, bezeichnet die Angreifer als "ganz normale Studenten". "Sie sahen nicht aus wie Leute vom Schwarzen Block, in ihrem Vorgehen waren sie aber sehr routiniert und raffiniert", sagt er.

Einen ähnlichen Zwischenfall wurde vor wenigen Tagen auch in Mainz registriert. Dort hatten am vergangenen Wochenende nach einem Bericht der Mainzer Allgemeinen Zeitung griffen etwa 30 linke Aktivisten, großenteils vermummt, das Anwesen der Burschenschaft Germania Halle an, eine Glasflasche flog in den Hof. Unter Einsatz von Pfefferspray hätten sich Mitglieder der Burschenschaft gegen die Eindringlinge gewehrt, wird der Polizeibericht zitiert.

Es sei „absolut inakzeptabel“, dass Verbindungsstudenten zum Ziel mitunter lebensgefährlicher, schwerer Körperverletzungsdelikte werden, weil bestimmte Personengruppen etwas gegen Studentenverbindungen haben, erklärten am Montagnachmittag Carsten Prettin und David Ermes von der Altherrenvereinigung der Neoborussia. Dass man mit Zerstörung von Eigentum, mit Farbbeuteln am Haus oder abgetretenen Außenspiegeln an parkenden Autos die Verbindungsfeindlichkeit unter Beweis stelle, habe man schon oft erlebt. „Diese exzessive Gewalt eines wütenden Mobs ist aber eine beängstigende Eskalation.“

Mehr dazu:

[Foto: Rita Eggstein]